Wie ein Hendl mit Instrument

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Dirigenten unter sich: Markus Hein von der Blaskapelle Altmühldorf (links) und Günther Langgartner von der Stadtkapelle Mühldorf spüren genau, wie sich die Stimmung im Zelt entwickelt.

Mühldorf - Was wäre ein Bierzelt ohne Blaskapelle? Für den guten Ton sorgen Männer wie Günther Langgartner und Markus Hein. Die Dirigenten im Interview:

Für die Dirigenten der Stadtkapelle Mühldorf und der Blaskapelle Altmühldorf ist das Mühldorfer Volksfest ein Heimspiel. Im Interview sprechen sie über die Stimmung im Zelt, das Publikum und den musikalischen Trend.

Frage: Wie sieht denn für eine Blaskapelle das ideale Volksfestwetter aus?

Hein: Ich würde sagen zwischen 20 und 25 Grad, leicht bewölkt. Es sollte eben nicht in Strömen schütten, aber auch nicht brüllend heiß sein.

Langgartner: Stimmt, so lauwarm ist gut. Dann sitzen die Leute im Zelt und nicht draußen. Und uns macht es natürlich mehr Spaß vor vollen Bierbänken zu spielen als vor leeren Tischen.

Hein: Außerdem muss man bedenken, dass es auf der Bühne noch mal fünf Grad mehr hat als unten im Zelt, vor allem wenn der Grill daneben steht. Da fühlt man sich manchmal am Abend wie ein Brathendl mit Instrument.

Frage: Worin unterscheidet sich für die Dirigenten ein Auftritt auf dem Volksfest von einem Konzert?

Hein: Das beginnt schon damit, dass wir bei den Volksfesten selbst mitspielen und nur die Übergänge oder Einsätze dirigieren.

Langgartner: Und beim Publikum trifft man natürlich auf eine ganz andere Erwartungshaltung. Im Konzert steht die Musik im Mittelpunkt, im Volksfest die Unterhaltung.

Hein: Entsprechend unterscheidet sich ja auch das Programm: Während wir in Konzerten schon mal Stücke mit zehn Minuten spielen, geht es auf der Wiesn in erster Linie darum Stimmung zu machen.

Frage: Gelingt das immer?

Hein: Ganz klar, nein. Es gibt schon Tage, da geht es furchtbar zäh. Vor allem, wenn du schon nachmittags auf der Bühne stehst. In Karpfham zum Beispiel, geht es eigentlich immer ganz ruhig zu. Da kannst du machen, was du willst, da wird nicht mal geklatscht. Hinterher gibt es trotzdem immer Lob. Andererseits gibt es natürlich Tage, da ist die Geschichte ein Selbstläufer. Da macht erst ein Tisch mit und am Ende steht das halbe Zelt.

Langgartner: Neulich in Landshut zum Beispiel. Da war schon nach dem ersten Marsch richtig Party. Und keiner weiß warum.

Frage: Und wie stehen die Aktien in Mühldorf?

Hein: Da gilt leider auch, dass der Prophet im eigenen Land nichts gilt. Das liegt vielleicht daran, weil wir oft in der Gegend spielen. Abends sieht die Geschichte jedoch ein wenig anders aus, weil die Zelte in Mühldorf so gut wie immer voll sind.

Langgartner: Das A und O ist doch: Was erwarten die Leute? Wenn wir am Samstag nach dem Auszug im Weißbierzelt spielen, dann sitzen die Besucher unten, wollen Brotzeit machen und gemütlich ratschen. Da brauchst du mit 'Hey Baby' nicht kommen.

Frage: Was funktioniert immer?

Hein: Gute bayerisch-böhmische Blasmusik, dazu alte Bigband-Klassiker. Und die Polka "Böhmischer Traum" schlägt immer ein.

Langgartner: Ganz klar. Ein 'Prosit' zieht immer.

Frage: Wohin geht denn der Trend in Sachen Bierzeltunterhaltung?

Hein: Ich habe das Gefühl, dass man sich wieder mehr auf die Tradition besinnt. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass die Trachten ein großes Comeback gefeiert haben. Jedenfalls kommen altbayerische Stücke mehr und mehr an. Man muss in diesem Zusammenhang auch sehen, wo wir herkommen: Vor 20 Jahren standen die Blaskapellen oft zehn, elf Stunden am Stück auf der Bühne. Dann kam eine Phase, in der die Showbands, die früher nur im Weinzelt zu Hause waren, auch im Bierzelt gefragt waren. Der Trend kehrt sich gerade um.

Langgartner: Zu wünschen wäre es jedenfalls. Party kann man schließlich im Weinzelt machen. Oder auf dem Oktoberfest. Das ist nicht unser Auftrag.

Frage: Gibt es eigentlich ein Alkoholverbot auf der Bühne?

Langgartner: Bei uns nicht. Muss aber auch nicht sein, das regelt schon die Vernunft. Wenn ich zum Beispiel jedes Prosit ernsthaft mittrinken müsste, dann wär' nach zwei Stunden Schluss. Also ist schon auch mal Wasser im Steinkrug.

Hein: Klar ist aber auch, dass es ordentlich zwischen die Hörner gibt, wenn einer tatsächlich über die Strenge schlägt. Die Musik wird schließlich nicht besser, wenn zu viel getrunken wird Auch wenn eine gewisse Lockerheit nicht schadet.

ha/Mühldorfer Anzeiger

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