Zu Ostern wird Heiliges Grab errichtet

+
Das Heilige Grab in Erharting: Am Karfreitag und Karsamstag kann man das kunstvoll gestaltete Grab in der Erhartinger Pfarrkirche besichtigen.

Erharting - Alle zwei Jahre wird die Pfarrkirche in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag zur "Großbaustelle": Dann stellen Helfer des Brauchtumsvereins das Karfreitagsgrab auf.

Bis nach Mitternacht ziehen sich die Arbeiten an dieser monumentalen Grabanlage hin, die am Karfreitag ganztägig und am Karsamstag bis 13 Uhr zugänglich ist.

Gemäß dem 19. Kapitel des Johannesevangeliums wurde Jesus in einem neuen Grab bestattet, das in einem Garten lag. Diese Aussage des Evangeliums war sicherlich für den künstlerisch hochbegabten Schreinermeister Felix Huber vor über 100 Jahren die Grundlage für die Gestaltung des großen Karfreitagsgrabes: Der von einem Palmenhain umsäumte Grabkomplex erreicht eine Höhe von über sechs Metern und beansprucht somit fast den gesamten Altarraum.

In dem grottenähnlichen Bau befinden sich versetzte Gewölbebögen mit verschiedenfarbigen Glaskugeln, in denen sich das Licht bricht und somit eine geheimnisvolle Stimmung erzeugt. Hoch über dem Grabeshügel haben die Himmelsloge und das hell erleuchtete Kreuz ihren Platz. Die erstaunlich gut erhaltene Originalbemalung der Kulissenteile stammt vermutlich vom Mühldorfer Maler und Vergolder Georg Bierler.

Ins Schwärmen geraten vor allem die älteren Gemeindebürger, wenn sie von den Auferstehungsfeiern aus den Zeiten vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil erzählen. Damals wurde in der zusätzlich noch verdunkelten Kirche mittels einer ausgeklügelten Mechanik die sichtbar im Grab liegende Christusfigur abgesenkt, während zugleich der auferstandene Heiland per rückwärtigem Handaufzug in der hell erstrahlenden Himmelsloge erschien. Dabei konnte es schon geschehen, dass es hinter den Kulissen laut und hektisch wurde, wenn Mesner und Ministranten bei der Betätigung der Mechanik und des Aufzuges nicht aufeinander abgestimmt waren und der abzusenkende Christus in makaberer Schräglage aus der Gruft lugte, während der glorreich Auferstandene in rasanter Fahrt bereits zur Himmelsloge empor sauste, schildert Leo Biermaier vom Brauchtumsverein.

Vor allem die älteren Pfarrangehörigen sehen im altehrwürdigen Ostergrab ein altvertrautes Stück religiöser Vergangenheit, vor dem sie schon als Kinder an das Leiden und Sterben Christi herangeführt wurden. Der jüngeren Generation kann durch Schauen und Staunen das liturgische Geschehen ebenfalls eindrucksvoll nähergebracht werden, denn der Glauben bedarf sowohl sichtbarer Zeichen als auch sinnfälliger Unterstützung.

Der Brauchtumsverein sieht in der Aufstellung des großen Karfreitagsgrabes keine museale Aktion, sondern eine Ergänzung, die Liturgie und dörfliches Brauchtum gleichermaßen unterstützt.

re/Mühldorfer Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser