Heftiger Streit um Kombiklasse

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Mettenheim/Mühldorf - In der Grundschule Mettenheim wird es im kommenden Schuljahr keine zwei ersten Klassen geben. Stattdessen wird eine Kombiklasse eingerichtet - gegen den Willen vieler Eltern.

Auch andere Gemeinden sind von Kombiklassen betroffen, im kommenden Schuljahr gibt es zehn Kombiklassen.

60 Kinder gehen im kommenden Schuljahr in die Grundschule Mettenheim, 29 in die erste, 31 in die zweite Klasse. Zu wenig, um vier Klassen zu bilden sagt das Schulamt und hat entschieden: Neben einer ersten und einer zweiten Klasse wird es im kommenden Schuljahr eine alterskombinierte Klasse geben.

Die Möglichkeit einer alterskombinierten Klasse aus Erst- und Zweitklässlern zeichnete sich nach Angaben der Eltern bereits bei einer Infoveranstaltung im Mai ab. Allerdings, so schildern es die Eltern, unter der Voraussetzung, dass nur 28 Kinder für das neue Schuljahr gemeldet würden und die Klassenstärke für diese erste Klasse somit unzumutbar gewesen wäre. Zwei Aussagen prägten nach Angaben der Eltern diesen Abend: "Mit einem 29. Kind gibt es zwei kleine erste Klassen" und "Kein Kind kommt gegen den Willen der Eltern in die Kombiklasse".

Genau das soll jetzt aber passieren: Durch einen Zuzug gibt es 29 Kinder, zwei erste Klassen soll es trotzdem nicht geben. Ein Teil der Eltern fühlt sich übergangen. "Warum gibt es überhaupt eine Abstimmung, wenn am Ende die Demokratie nicht zählt", fragt die Mutter eines künftigen Zweitklässlers, der gegen ihren Willen in die Kombiklassen wechseln soll. Wie die meisten war sie bei einer Abstimmung der Schule gegen eine Kombiklasse. Auch eine zweite Wahl nur unter den künftigen Zweitklässerln kam nach Angaben der Eltern zum gleichen Ergebnis. Stattdessen liegt den Eltern ein Fünf-Jahres-Plan des Schulamts vor, wonach es in jedem Jahr mindestens eine Kombiklasse geben soll.

Die Einteilung der Klassen lässt darauf schließen, dass Kinder während der Grundschulzeit die Klassenverbände wechseln müssen. Die Eltern befürchten, dass die Freundschaften der Kinder darunter leiden. Mehr Transparenz hätten sie sich vom Schulamt gewünscht, auch gegenüber den Eltern der jetzigen Zweitklässler. Nach derzeitigem Planungsstand würden im Schuljahr 2012/2013 Kinder aus der jetzigen zweiten Jahrgangsstufe in die Kombiklasse wechseln. Soweit sie wissen, ist darüber bislang aber noch niemand informiert worden.

Anfang der Woche hat die Schule die Briefe an die Eltern verteilt, deren Kinder aus der jetzigen ersten Klasse in die Kombiklasse wechseln. Die Wahl sei nach pädagogischen Gründen erfolgt, sagen die Eltern. Welche das sind, wissen die Eltern bislang noch nicht.

Hans Wax vom Schulamt Mühldorf bestätigte die Entscheidung und beruft sich auf eine Richtlinie des Kultusministeriums. Danach müssen Klassen mit 29 Schülern geteilt werden; zugleich dürften für 60 Schüler keine vier Klassen eingerichtet werden. "Das schluckt uns zu viele Lehrerstunden", sagt Wax mit Blick auf ähnliche Situationen an anderen kleinen Schulen im Landkreis. Klassen mit nur 14 oder 15 Schülern seien zu klein und von den Lehrerstunden her nicht organisierbar. "Wir wollen über den ganzen Landkreis gleiche Bildungschancen garantieren."

Durch die jetzige Entscheidung habe jede Klasse durchschnittlich 20 oder 21 Kinder, die Kombi-Klasse sei "ein bewährtes pädagogische Konzept seit zwölf Jahren", wirbt Wax. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Lernleistungen gleichwertig mit einer normalen Klasse seien, die Schüler aber weit mehr soziale Kompetenz erhielten.

Auch Schulamtsleiter Paul Schönstetter teilt diese Ansicht: "Es gibt eine ganze Menge pädagogischer Gründe für die Kombiklasse", sagt Schönstetter, der dem Modell anfangs skeptisch gegenüberstand. "Zugleich sichert es gute Unterrichtsqualität auch auf dem Land."

Mettenheims Bürgermeister Stefan Schalk sieht die Einrichtung der Kombiklasse dagegen als "Grundschullehrer-Sparmodell" des Kultusministeriums. Dafür spreche ein Fall in Greding. Dort habe Kultusminister Ludwig Spaenle zwar das Kombi-Modell als besonders gut dargestellt, die Einrichtung vor Ort allerdings nach Elternprotesten zurückgenommen. Schalk forderte die Eltern gleichzeitig auf, ihren Zorn nicht am Mühldorfer Schulamt oder den Lehrerinnen auszulassen: "Den schwarzen Peter hat das Kultusministerium."

hi/hon/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © dpa

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