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Mühldorfer Sommerfestival

Grenzenlose Lust an guter Laune: Hannes Ringlstetter beim Mühldorfer Sommerfestival

Lichtgestalt des Frohsinns: Hannes Ringlstetter zeigt bei seinen beiden Auftritten im Haberkasten-Innenhof Entertainer-Qualitäten, bezieht immer das Publikum mit ein und verbreitet eine herrliche Stimmung.
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Lichtgestalt des Frohsinns: Hannes Ringlstetter zeigt bei seinen beiden Auftritten im Haberkasten-Innenhof Entertainer-Qualitäten, bezieht immer das Publikum mit ein und verbreitet eine herrliche Stimmung.

Allrounder Hannes Ringlstetter stand beim Mühldorfer Sommerfestival mit nahezu masochistischer Selbstironie auf der Bühne. Der Entertainer macht keinen Hehl daraus: Natürlich hat auch er sich eine „scheene Corona-Wampe“ angefressen.

Mühldorf – Natürlich hat auch er versucht, klammheimlich das Leergut seines Alkoholkonsums während des Lockdowns zu entsorgen. Und natürlich hat er die Zeit der Ausgangsbeschränkung dafür genutzt, ein Terrassen-Projekt endlich in die Tat umzusetzen. Und das, obwohl er zwei linke Hände hat. Sagt er zumindest. Hannes Ringlstetter macht im Haberkasten-Innenhof sofort klar: Er ist auch nur ein Mensch. Ein Mensch, wie die jeweils 175 Zuschauer, die zu seinen beiden Konzerten gekommen waren und denen er mit herausragenden Entertainer-Qualitäten einen herrlich vergnüglichen Abend beschert hat. Dieses Handwerk beherrscht er hervorragend!

Zweimal zweieinhalb Stunden Begeisterung

In zweimal eineinhalb Stunden lebte der 51-jährige Schauspieler, Kabarettist und Musiker das auf der Bühne aus, was der Titel seines neuen Albums vorgibt. Eine „heile Welt“, über die Ringlstetter gesagt hat, dass dies ein Sehnsuchtsort sei, fernab von Corona. Auf der einen Seite Hoffnung, auf der anderen ein ironischer Bruch sein, weil ja klar ist, dass es diese heile Welt nicht gibt. In bester Liedermachermanier sind hier Stücke mitten aus dem Leben entstanden, einfache Akkorde, verpackt in Melodien, die sofort ins Ohr gehen. Schonungslos ehrlich ist Ringlstetter dabei nicht nur, wenn er singt „I konn zickiger ois a jede Frau sa“.

Und dann zwickt er die Frau aus Bielfeld auf

Im Zweigespräch mit einer Dame in der ersten Reihe, will er wissen, ob sie nach 25 Jahren Ehe immer noch glücklich mit dem Mann neben ihr verheiratet sei. „Na sicher“, lautet die Antwort der Bielefelderin. Ringlstetter übersetzt das mit „Ja, ja – und das heißt bei uns so viel wie: Leck mich am Arsch!“ Grenzwertig? Mitnichten, das Publikum lacht sich scheckig. Auch die Bielefelderin.

Lead-Gitarristen Jochen Goricnik unaufgeregt, aber unwahrscheinlich virtuos

Mit „Paris, New York, Alteiselfing“ zieht er eine ältere Nummer aus dem Hut. Bei „Julinacht“ tanzt er im gemütlichen Ska-Rhythmus über die Bühne – Zeit für ein Solo von Trompeter und Flügelhornist. Überhaupt hat sich Ringlstetter wieder hervorragende Musiker auf die Bühne gestellt. Er selbst zupft akustisch und schrubbt die E-Gitarre, ganz passabel, doch geht er fast unter neben seinem Lead-Gitarristen Jochen Goricnik, der unaufgeregt, aber unwahrscheinlich virtuos seine Soli durch die Boxen wuchtet.

„Weed, Whisky And Willie“ funktioniert auch a capella

Country-Stimmung verbreitet sich bei „Weed, Whisky And Willie“, eine fast vergessene Nummer aus den USA. A cappella agieren die Jungs um Ringlstetter, wenn er besingt, welche Mühen er auf sich nimmt für seine Familie („Alles für die Family“).

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Ringlstetter nimmt kein Blatt vor den Mund, er hat so viel Spaß auf der Bühne, dass er alle Hemmungen fallen lässt. Einmal muss er aufstoßen, weil ihm das Mittagsessen schwer im Magen liegt. „Eine Grüßgott-Wurst“, erklärt er, um danach zu erzählen, dass er durchaus Tage hat, an denen er zum Deppenmagneten wird. Ringlstetter macht aber selbst daraus eine Tugend, wenn er etwa eine E-Mail, in der zur Rettung des Stadtwaldes von Iserlohn aufgefordert wird, als Inspirationsquelle für einen Song nimmt. Schrille Töne, die Christian Schmalz dabei aus seinem Keyboard holt, Kaugummi-Sound im Stile der Erkennungsmelodie von „Die Abenteuer der Maus auf dem Mars“.

Letztlich wieder das Genre Heimatsound

Letztlich ist es dann aber doch wieder das Genre „Heimatsound“, das Ringlstetters Lieder prägt. Wenn er in Erinnerungen schwelgt und erzählt wie es früher „Mit’m Radl an See“ ging. Oder wenn „Es rengt!“ und er dabei einen kleinen Ausflug in den Reggae unternimmt.

Dort, wo die Frauen noch völlig ohne Islam Kopftuch tragen: Grandioses Niederbayern

Grandios wird die Vorstellung, wenn er seine Hymne „Niederbayern“, seine Liebeserklärung an seine Heimat anstimmt. Ein Stück, das sich aufbaut, von einem Höhepunkt zum anderen steuert, etwa wenn Bassist Lenz Retzer einsetzt und mit Drummer Michael Thomas schließlich der gesamte Haberkasten von diesem Opus eingenommen wird.

Emotionaler Abend

Ein sehr emotionaler Abend, der mit eher nachdenklichen Worten endet. Als der Tausendsassa „Heller Schein“ – aus seinem neuen Album anstimmt – rollen in der fünften Reihe sogar Tränen. Eine hochemotionale Show, die Ringlstetter da dargeboten hat. Und sie hat an ihm gezehrt. Nach seinem zweiten Konzert an diesem Tag wirkt er glücklich, aber auch erschöpft. Ausgelaugt. Zufrieden lächelnd verlässt er die Bühne – auch im Blick auf die Corona-Wampe, die einige Gramm leichter geworden sein dürfte.

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