13 Unfälle in fünf Jahren provoziert - 38000 Euro Schaden

Haft für Mini-Autobumser

Traunstein/Mühldorf - Ein 33-Jähriger muss für mehr als drei Jahre ins Gefängnis, weil er Autounfälle provoziert hat.

Von 14 Anklagepunkten für die Jahre 2005 und 2009 räumte er gestern vor dem Landgericht Traunstein auf ernste Worte des Vorsitzenden Richters Dr. Jürgen Zenkel über seinen Verteidiger drei Unfälle im ersten Halbjahr 2009 in Ampfing und Mühldorf ein, dazu die Bedrohung eines Fußgängers. Das Geständnis war entscheidend für die relativ milde Strafe - drei Jahre und zwei Monate wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, dreifachen Betrugs in besonders schwerem Fall und Bedrohung.

Ins Rollen gerieten die Ermittlungen durch eine Polizeibeamtin, die privat auf Rollerskates unterwegs war und zu einem der Unfallorte kam. Da sie dienstlich mit dem vorhergehenden Unfall zu tun hatte, erinnerte sie sich an den Namen des 33-Jährigen. In ihrer Polizeidienststelle recherchierte sie weiter. Außerdem meldete sich ein Zeuge, dem aufgefallen war, dass auf Autokäufe des 33-Jährigen häufig Verkehrsunfälle folgten. Die Bedrohung mit einem Schweizer Armeemesser mit zehn Zentimeter langer Klinge im Oktober 2009 auf dem Burger-King-Parkplatz in Mühldorf hatte das Opfer angezeigt. Er hatte den Fahrweg des Angeklagten gekreuzt. Bei dem Streit fielen auch die Worte: "Ich bring' Dich um" und "Ich stech' Dich ab". Der 33-Jährige holte das Messer aus dem Handschuhfach, öffnete es und hielt es in Richtung des Geschädigten. Gestern beteuerte er, er habe dem Fußgänger lediglich Angst einjagen wollen: "Ich wollte, dass er sich bei mir entschuldigt."

Ursprünglich ging es gegen den vielfach, zumeist wegen Diebstahls vorbestraften Angeklagten um 13 durch ihn provozierte Unfälle in Ampfing, Burghausen, Mühldorf, Garching und im Arlachinger Tunnel bei München. Die von dem 33-Jährigen zu Unrecht kassierten Versicherungsleistungen für Schäden an seinen Autos lagen bei über 22000 Euro. Hinzu kamen die Schäden der vorgeblichen Unfallverursacher an deren Fahrzeugen in Höhe von über 16000 Euro laut Anklage. Ungewöhnlich war nach Worten des Vorsitzenden Richters: Mindestens fünf Geschädigte waren überzeugt, den Unfall verschuldet zu haben, so zum Beispiel eine alte Frau bei einem Unfall in einem Kreisverkehr. Ein Kripobeamter betonte vor Gericht: "Wenn man aber das Ganze anschaut, gewinnt man einen anderen Eindruck."

Zum Auftakt des Prozesses gab der Richter dem Angeklagten Grund zum Nachdenken. Beim Studium der drei dicken Aktenordner schienen einige Anklagepunkte schwer beweisbar. Andere wiederum könnten leicht nachzuweisen sein. Der Vorsitzende Richter verwies auf 31 Unfälle insgesamt, darunter zwei fast identische binnen zweier Jahren in demselben Kreisverkehr und auf 17 durch den Angeklagten zugelassene Autos innerhalb von sieben Jahren. Eine halbe Stunde dauerte das vom Richter angeregte Gespräch mit Staatsanwalt und Verteidiger, das zum Teilgeständnis und dem Einstellen der Restvorwürfe führte. Dass die Unfälle zu vermeiden gewesen wären, bestätigte der Sachverständige Georg Thalhammer an zwei Beispielen.

Der seit April 2010 inhaftierte 33-Jährige bat unter Tränen um "die Chance, aus dem Leben etwas machen zu können". Er wolle aus Hartz IV heraus und seiner Freundin etwas bieten können. Größtes Anliegen des Ampfingers waren sein mühsam erworbener Lkw-Führerschein und ein Arbeitsplatz.

In der Entscheidungsbegründung unterstrich der Vorsitzende Richter gestern, bei der Straffindung seien die verhältnismäßig geringen Schäden von einigen Tausend Euro berücksichtigt worden, aber auch die zwölf Vorstrafen und mehrere verbüßte Gefängnisstrafen. "Ich will Ihnen deutlich sagen: Sie haben gut getan, bezüglich eines Geständnisses auf den Rat Ihres Verteidigers zu hören." Die Fahrerlaubnis dürfe ihm jedoch erst nach Ablauf von zwei Jahren wieder erteilt werden. "Kriegen Sie die Kurve, versuchen Sie, ein normales Leben zu führen. Die Zeit ist zu schade, sie im Gefängnis zu verbringen." re

Rubriklistenbild: © dpa

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