Große Abifeier im Mühldorfer Stadtsaal

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Die Spitze der Spitze: Matthias Schyma hat das Abitur mit der Traumnote 1,0 bestanden. Wie Oberstudiendirektor Anselm Räde (rechts) betonte, schloss er alle Prüfungen der letzten beiden Jahre mit einer Eins ab.

Mühldorf - Der Freitag war ein besonderer Tag für die 69 Abiturienten des Ruperti-Gymnasiums. Nach einem Gottesdienst wurde am Vormittag im Stadtsaal der erste G8-Jahrgang verabschiedet.

Mit einem außergewöhnlich guten Ergebnis: 23 von 69 Schülern dürfen sich über eine Eins vor dem Komma freuen. Bürgermeister Günther Knoblauch kündigte eine "Weltpremiere" an: den "ersten G8-Gipfel" in der Kreisstadt. Er ging erfolgreich über die Bühne, die Abiturverleihung des Ruperti-Gymnasiums war eine harmonische Veranstaltung. Keine Selbstverständlichkeit, angesichts der vielen Diskussionen und Probleme, die den Jahrgang über die gesamte Schulzeit begleitet haben.

Abifeier in Mühldorf

Die Abiband sorgte zusammen mit dem Pianisten Benedikt Löbbecke für den musikalischen Rahmen des G8-Gipfels im Stadtsaal.

Natürlich machten alle Redner das G8 zum Thema, nur wenige hoben die Vorzüge der verkürzten Gymnasialzeit heraus. "Wurde Ihnen dieses Jahr gestohlen?", stellte die Vorsitzende des Elternbeirats, Monika Haneder, in den Raum. Ihre Antwort: "Nein. Es liegt an Ihnen. Wer den Wert der Zeit kennt, weiß dieses Jahr zu nützen."

Trotzdem: Im Vordergrund standen der Stress und die Verwirrung für alle Beteiligten, die Vorsitzende des Fördervereins Dr. Ursula Schörner-Grätz sprach deshalb besonders den Lehrern ein dickes Kompliment aus, die das G8 am Ruperti mit "großem Engagement und Erfindergeist" umgesetzt hätten. Allen voran: Studiendirektor und Oberstufenkoordinator Heinrich Schwägerl.

Glückwünsche an die Schüler kamen darüber hinaus vom Personalrat des Gymnasiums, überbracht von der Vorsitzenden Daniela Gabler, und - stellvertretend für die nachkommenden Jahrgänge - von der SMV, in Person von Markus Lenz.

Die Abiturienten selbst sind stolz darauf, dass "wir es unter suboptimalen Bedingungen so weit gebracht haben". So formulierten es Theresa Honervogt und Maximilian Götz in ihrer unterhaltsamen Abiturrede, in der sie sich die eine oder andere Spitze gegen die Planungen des Kultusministeriums und des Ruperti-Gymnasiums nicht verkniffen.

Als "Speerspitze des G8" seien sie von Politikern häufig bezeichnet worden, gefühlt hätten sie sich allerdings nicht wie eine bayerische Waffe hin zum besten Schulsystem Deutschlands. "Sondern schon eher wie harmlose Versuchskaninchen". Von Geradlinigkeit auf dem Weg zum Ziel könne keine Rede sein, in Schlangenlinien ging es voran. Mit kurzfristigen Korrekturen am Lehrplan, Schulbüchern, die erst kurz vor Weihnachten zur Verfügung standen, und unerfahrenen Referendaren ausgerechnet im vorletzten Schuljahr. Und nicht wenige seien auf der Strecke geblieben: "Von 107 Schülern in der fünften Klasse traten letztendlich 69 zum Abitur an", bemerkten die beiden.

Immerhin: Alle haben bestanden. Und das auch noch überdurchschnittlich gut. Dass mit 23 Schülern exakt ein Drittel des Jahrgangs eine Eins vor dem Komma hat, "habe ich persönlich noch nie erlebt", erklärte Oberstudiendirektor Anselm Räde. Der Notendurchschnitt liege zudem mit 2,21 gut im bayernweiten Vergleich.

Dem Eindruck, die ersten G8-Absolventen seien Versuchskaninchen gewesen, trat Schulleiter Räde nur bedingt entgegen. "So ist das eben, Sie erkunden das Terrain für die Nachkommenden." In den letzten Gymnasialjahren habe sich aber das Bild von den einerseits protestierenden Eltern und Schülern und der andererseits eher reagierenden politischen Spitze wieder gewandelt. Regierung und Kultusministerium hätten das Heft des Handelns wieder in die Hand genommen.

Angesichts der Proteste und Diskussionen hätten die Schüler und ihre Eltern ein tieferes Verständnis für die Weiterentwicklung der Demokratie bekommen. Das gehört laut Räde zu den Besonderheiten dieses Jahrgangs, der sich in der Abiturrede selbst als "ruhig und unauffällig" charakterisierte. Für den gestrigen Abend galt das nicht: Da wurde laut und lang gefeiert - auf dem Abiturball und zum Ende des G8-Gipfels.

ha/Mühldorfer-Anzeiger

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