Kreisjugendring gibt Vorzeigeprojekt auf

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Mühldorf - Der Kreisjugendring (KJR) verabschiedet sich von seinen Berufspaten. Das hat der Vorstand beschlossen.  Dennoch hat das Projekt eine Zukunft - mit dem Jugendamt als Träger.

Vorangegangen war dem Ganzen die Entscheidung der Agentur für Arbeit, die Förderung des Projekts einzustellen. KJR-Geschäftsführerin Anita Schumann macht aus ihrer Enttäuschung keinen Hehl: "Mir blutet das Herz. Wir hatten das Projekt schließlich über Jahre aufgebaut, gute Strukturen geschaffen." Die Entscheidung der Vorstandschaft habe sie zwar überrascht, die Beweggründe könne sie aber nachvollziehen. "Bis zuletzt haben wir nach einer Lösung gesucht, um das Projekt in einer abgespeckten Version weiterzuführen", erklärt KJR-Vorsitzende Veronika Schneider. "Aber ohne die Förderung der Arbeitsagentur hat sich keine Option aufgetan." Das Berufspatenprojekt, das 2005 in Kooperation mit dem Jugendamt entwickelt wurde, war eines der Aushängeschilder des Kreisjugendrings: Zum einen, weil es kostendeckend war, zum anderen, weil es - das bestätigen alle Beteiligten - an der richtigen Stelle ansetzt.

Zielgruppe sind Jugendliche, die besondere Unterstützung und Förderung im schulischen Bereich insbesondere bei der Berufsorientierung benötigen. Sie werden mit Hilfe von sozialem Kompetenztraining und durch die Begleitung ehrenamtlicher Berufspaten unterstützt. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur, den Hauptschulen im Landkreis und dem Schulamt wurde das Projekt 2009 überarbeitet und weitergeführt.

70000 Euro kostete es pro Jahr, die Hälfte davon kam von der Arbeitsagentur. Außerdem waren der Landkreis mit 11000 Euro, die Sparkasse mit 2000 Euro und die "Aktion Mensch" mit rund 23000 Euro beteiligt. "Auch die Anschubfinanzierung der Aktion Mensch wäre Ende des Jahres ausgelaufen", erklärt KJR-Geschäftsführerin Schumann. Damit stand der Kreisjugendring ohnehin vor der Entscheidung, wie es mit dem Berufspatenprojekt weitergeht.

Ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, denn die Zukunft des Kreisjugendrings steht aufgrund einer Finanzierungslücke im Haushalt für 2012 seit Monaten in Frage (wir berichteten). Diese Ungewissheit war offensichtlich einer der zentralen Gründe für den Vorstand um Veronika Schneider, unter das Berufspatenprojekt im KJR einen Schlussstrich zu ziehen. "Wir haben genügend andere Baustellen", sagt Schneider. "Schließlich wissen wir noch nicht einmal, ob es im kommenden Jahr den KJR in seiner jetzigen Form noch geben wird." Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob die Position des Geschäftsführers überhaupt noch einmal besetzt wird, nachdem Anita Schumann Ende des Jahres in Mutterschutz geht. Eine Entscheidung des Landkreises über die Vergabe der Zuschüsse fällt erst in der Kreistagssitzung am 16. Dezember, wenn das Thema KJR dort auf der Tagesordnung steht.

Das Berufspatenprojekt hat trotzdem eine Zukunft. "Wir werden in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt die Koordinierung und Begleitung der ehrenamtlichen Berufspaten übernehmen", bestätigt Schulamtsleiter Paul Schönstetter, in dessen Verantwortungsbereich bereits zwei ähnliche Projekte der "erweiterten vertieften Berufsorientierung" fallen (siehe Infokasten).

Die ehrenamtlichen Berufspaten wurden bereits in einem Brief des Landratsamt informiert, dass das Projekt weiter gehen werde. In dem Brief, den Landrat Georg Huber unterschrieben hat, kündigt das Landratsamt an, dass es die Berufspaten im Oktober über ein weiterentwickeltes Konzept informieren werde.

Pikantes Detail am Rande: Der Brief enthält Seitenhiebe gegen den Kreisjugendring, mit dem das Jugendamt seit Monaten wegen der Finanzierung im Clinch liegt. Huber bedauert, dass der KJR so spät mitgeteilt habe, dass er aus dem Projekt aussteigen werde. "Das können wir so nicht stehen lassen", reagiert der Landrat auf einen Brief des KJR und kündigt die Fortsetzung an. Der KJR hat seinerseits gegenüber Berufspaten mündlich bedauert, dass er vom Landratsamt gezwungen worden sei, die Adressen der Berufspaten herauszugeben.

ho/hon

Rubriklistenbild: © dpa

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