Bilanzgespräch zum Dorfladen mit Stefan Schalk und Markus Spindler

Gewohnheiten müssen sich ändern

+
Mit dem Dorfladen gibt es in Mettenheim wieder eine Einkaufsmöglichkeit am Ort. Doch die Leute müssen sich erst noch daran gewöhnen.

Mettenheim - Für die Bürger in Mettenheim hat es lange keine Einkaufsmöglichkeit gegeben. Nun schon: Eine 100-Tage-Bilanz des Dorfladens:

Lesen Sie auch:

Außer Bäcker und Metzger hat es für die Bürger in Mettenheim keine Einkaufsmöglichkeit gegeben. Mit dem Dorfladen hat sich das nun geändert. Bürgermeister Stefan Schalk und Markus Spindler, Vorstand der Genossenschaft, ziehen nach rund 100 Tagen Bilanz.

Seit mehr als 100 Tagen läuft der Dorfladen. Wie lautet eine erste Bilanz?

Markus Spindler: Die erste Bilanz fällt natürlich positiv aus, auch wenn es in der Anfangsphase natürlich überall kleinere Probleme gibt. Keiner von uns hatte zuvor Ahnung, wie ein Dorfladen zu führen ist. Wir müssen alles lernen, auch wie man zum Bespiel das Personal effektiv einsetzt.

Stefan Schalk: Am Anfang ist der Dorfladen richtig gut gestartet. Aber mittlerweile ist zu sehen, dass sich die alten Einkaufsgewohnheiten der Leute wieder durchsetzen.

Wie ist das mit den Einkaufsgewohnheiten zu verstehen?

Schalk: Die Kunden denken oft nicht darüber nach, wo sie einkaufen. Viele gehen auf ihrem Heimweg in anderen Läden einkaufen, bedenken dabei aber nicht, dass sie die Produkte auch im Dorfladen erhalten.

Spindler: Sicherlich können wir nicht die Produktvielfalt eines Vollsortimenters bieten. Das ist auch gar nicht unser Ziel, außerdem reichen etwa 120 Artikel für den täglichen Bedarf aus.

Wie will sich der Dorfladen von einem Vollsortimenter absetzen?

Spindler: Wir setzen auf regionale Produkte, nicht nur bei Obst und Gemüse. Das gibt es bei einem Vollsortimenter nicht. Außerdem setzen wir auf Service. Die Kunden können aus dem Sortiment der Metzgerei bestellen, die Ware ist dann spätestens am darauffolgenden Morgen erhältlich. Auch für Obst und Gemüse ist dies möglich. Waren aus dem Standardsortiment sind innerhalb von drei Werktagen lieferbar. Bald wird es im Dorfladen auch frisches Hack- und Lammfleisch zu kaufen geben.

In Flossing haben die Bürger vor Kurzem einen Dorfladen auf den Weg gebracht. Fühlt sich Mettenheim in der Vorreiterrolle?

Schalk: Wir hatten ja nicht den ersten Dorfladen, in Ramsau und Mittergars zum Beispiel gibt es schon länger einen Dorfladen. So weit ich weiß, laufen die gut. Aber auch dort hat sich gezeigt, dass sich die Leute erst daran gewöhnen müssen, dass es wieder eine Einkaufsmöglichkeit im Ort gibt.

Spindler: Es ist erstaunlich, wie schnell und unkompliziert die Bürger aus Flossing den Dorfladen gegründet haben.

Das war die Eröffnung:

Eröffnung Dorfladen Mettenheim

Klappte von Anfang an alles reibungslos?

Spindler: In der Nacht vor der Eröffnung gab es im Dorfladen einen Wasserschaden. Wie so oft haben Helfer Einsatz gezeigt und mitangepackt, damit alles rechzeitig fertig ist. Für die Helfer wird es auch bald ein Dankessen geben. Außerdem mussten Artikel noch per Hand in die Kasse eingegeben werden, weil dort nur ein Grundstamm eingegeben war.

Schalk: Das Problem mit der Wärme im Dorfladen haben wir dank einer Klimaanlage in den Griff bekommen. Es gab noch kleinere baulichen Änderungen, ansonsten ist alles erledigt.

Der Dorfladen soll nicht nur eine Einkaufsmöglichkeit bieten, sondern auch ein Ort der Kommunikation sein. Trifft das zu?

Schalk: Wenn ich dort einkaufe, dauert es stets länger, weil man dort so viele Leute trifft. Die Kombination mit dem Spielplatz nebenan ist gerade für Mütter mit ihren Kindern optimal.

Spindler: Das habe ich auch schon beobachtet, dass viel mehr los ist auf dem Spielplatz. Der Markt als Kommunikationsort hat sich bewahrheitet. 

Seit mehr als 100 Tagen läuft der Dorfladen. Würden Sie wieder so entscheiden?

Schalk: Ich würde mich auf alle Fälle wieder für einen Dorfladen entscheiden. Sicherlich hat es im Vorfeld Kritiker gegeben. Doch gerade für eine kleine Gemeinde wird das Modell "Dorfladen" Zukunft haben.

Spindler: Auch wenn nicht immer alles reibungslos abgelaufen ist und viel Arbeit drin steckt: Es hat sich gelohnt.

hi/Mühldorfer Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser