Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Musikalischer Schatz gehoben

200 Jahre Geschichte der Blasmusik im Kreis Mühldorf: Lenzwenger Musikanten haben sie geprägt

Die Kapelle Ranntesperger 1905 bis 1919 war eine siebenstimmige Blasmusik.
+
Die Kapelle Ranntesperger 1905 bis 1919 war eine siebenstimmige Blasmusik.
  • Josef Bauer
    VonJosef Bauer
    schließen

Mühldorfs Kreisheimatpfleger haben die Geschichte der Blaskapelle Lenzwenger (Rannetsperger) untersucht und sind auf einen musikalischen Schatz gestoßen. Es handelt sich um Handschriften, Notenblätter und Notizen. Sie bilden rund 200 Jahren Musikgeschichte im Landkreis Mühldorf ab.

Mühldorf – Die Blasmusik hat im Landkreis Mühldorf schon seit 200 Jahren einen großen Stellenwert im bäuerlich-kulturellen Leben, aber auch in den Märkten und in der Stadt Mühldorf selbst. Zwei Kapellen waren um die Jahrhundertwende bis in die 1930er-Jahre besonders prägend. Die Kapelle Dasch-Weyerer von Irl und die „Lenzwenger Blasmusik (mundartlich „Lenzenger Musikanten“). Die bäuerlichen Musiker-Familien Rannetsperger stammen aus Litzlkirchen (Aschau), Wengen, Franking, Kolbing (Kraiburg), Harthausen (Mettenheim) und Mühldorf.

Der Kreisheimatpfleger Dr. Reinhard Baumgartner und sein Stellvertreter Reinhard Albert haben die Gesichte der Blaskapelle näher untersucht und sind auf einen musikalischen Schatz gestoßen, den sie gehoben, bearbeitet und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt haben.

Reichhaltiges Material an sieben- bis neunstimmiger Blechmusik

„Willi Merklein hat schon 1980 die drei großem Persil-Kisten beim Lenzenbauern gesichtet und einige Musikstücke für die zu dieser Zeit so beliebt gewordene Saitenmusik bearbeitet“, berichtet Dr. Reinhard Baumgartner. Ein reicher Schatz an Notensammlungen mit der bei uns vorherrschenden, meist sieben- bis neunstimmigen Blechmusik, finde sich laut Baumgartner noch heute bei den Musikanten-Familien. „In besonderer Form sind aber die Sammlungen der Familie Rannetsperger, beziehungsweise Lenzwenger laut Hofname, im südlichen Landkreis“, erläutert Reinhard Albert.

Auch interessant: Gassenhauer der Soldaten – Ein Kraiburger hat berühmtes Lied zum „70er-Krieg“ geschrieben

In Persil-Kisten fündig geworden

Bei einem ersten Besuch 2009 fanden die beiden Kreisheimatpfleger in den genannten Schachteln einen umfangreichen Fundus an Noten, überwiegend für Blechmusik. Darunter mehrere besondere Handschriften-Sammlungen aus der familiären Überlieferung, aber auch Notenblätter verschiedener Herkunft – von Landshut über München bis Simbach.

Nächtelang Melodien mit Zither und C-Klarinette durchgespielt

Diese umfassende Sammlung, die neben Noten auch Fotos und Dokumente enthalten, haben Dr. Baumgartner und Albert im Rahmen ihrer Feldforschung mit der großen Unterstützung von Volksmusikforscher Wolfgang A. Mayer bearbeitet. Mayer hatte sich Nächte um die Ohren geschlagen, um Hunderte von Melodien mit Zither und C-Klarinette durchzuspielen.

Sammlung ist noch immer nich vollständig erfasst

Und immer noch ist die Lenzwenger Sammlung nicht vollständig gesichtet. Die Feldforscher haben allerdings in vielen Tag- und Nachtstunden, größtenteils ehrenamtlich und mit großem Forscher-Geist die Sammlung zugänglich gemacht.

Trompeter Josef Ranntesperger (1881 bis 1962) zur Erinnerung an seine Dienstzeit beim 5. Bataillon im Regiment Prinzregent Luitpold in München.

Die Mühen haben sich gelohnt: Um 1830, so fanden die Feldforscher heraus, seien zahlreiche handschriftliche „Vorgeig-Landler“ der Lenzwenger Sammlung entstanden. Quer durch alle Tonarten bis Des-Dur wurde damals das Tanzbein dazu geschwungen. „Die Noten-Sammlung präsentiert volksmusikalische Kultur und Blasmusik in einem Zeitraum von über 200 Jahren“, teilt Dr. Baumgartner begeistert mit.

Musikausbildung durch das Militär

Die Rannetsperger Musikanten brachten auch die Neu-Ordnung der Militär-Musik im bayerischen Heer ab 1821 in den Landkreis. Josef Rannetsperger erhielt seine Ausbildung als Trompeter während seiner Dienstzeit im 5. Bataillon 1. Königlich Bayerisches-Feld-Artillerie Regiment Luitpold in München. Diese Ausbildung bildete die Grundlage für seine spätere führende Rolle in der Kapelle, aber auch für die zahlreich erhaltenen Notenhandschriften und die vielen Noten-Drucke – sowohl aus seinem Besitz als auch von seinen Kollegen.

Eine kleine Auswahl wird jetzt in Form einer Print-Publikation präsentiert. Diese und in der Folge noch weitere Bearbeitungen gibt es zum Herunterladen auch auf der Internetseite der Kreisheimatpflege Mühldorf. Eine Tondokumentation ist in Vorbereitung.

Kommentare