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„Dagegen war Wulff bei der BILD wie ein laues Lüftchen“

Nach Mayer-Eklat: Jetzt spricht der BUNTE-Redakteur

Ex-Generalsekretär Stephan Mayer bedroht Redakteur Manfred Otzelberger
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Im Gespräch mit innsalzach24.de erhebt Manfred Otzelberger (links) schwere Vorwürfe gegen Stephan Mayer

Nach massiven Verbal-Attacken und Drohungen gegen einen Journalisten trat Generalsekretär Stephan Mayer am Dienstag (3. Mai) von seinem Amt zurück. Im Gespräch mit innsalzach24.de schildert der betroffene BUNTE-Redakteur Manfred Otzelberger die Droh-Anrufe - blickt aber auch auf die Zukunft der CSU.

„Ich arbeite seit nunmehr 44 Jahren im Journalismus; so etwas habe ich aber noch nicht annähernd erlebt“, erzählt Manfred Otzelberger, Redakteur der BUNTE, im Gespräch mit innsalzach24.de am Mittwoch. Normalerweise pflegt der 63-jährige Journalist einen ganz anderen Umgang mit heimischen und auch überregionalen Politikern. Als verdientes Mitglied des Münchner Presseclubs ist sein Gesicht bei den Parteien in ganz Deutschland bekannt.

„Im Zuge von Recherchen sind wir auf Unstimmigkeiten bei Stephan Mayer gestoßen. Ich habe dann mit vielen Menschen aus seinem direkten Umfeld gesprochen und mich tiefer mit ihm beschäftigt. Die Geschichte ist also zu 100 Prozent ausrecherchiert“, so Otzelberger. Das Ergebnis: „Entgegen seiner eigenen Angaben, etwa auf Wikipedia, hat er ein Kind, das er allerdings nie gesehen und um das er sich nie gekümmert hat.“

Erfolglose Konfrontation, aggressive Reaktion

Kontaktaufnahmen mit Stephan Mayer, sowohl in telefonischer als auch in schriftlicher Form, blieben zunächst unbeantwortet: „Ich habe ihm jede Gelegenheit geboten, sich zu äußern. Eine Reaktion kam dann über den Medienanwalt. Allerdings keine Antworten auf meine Fragen.“ Zusammen mit der Chefredaktion der BUNTE habe er sich schließlich dazu entschieden, die Enthüllungsgeschichte zu bringen. „Das Thema war für mich schlicht die Doppelmoral. Meine Absicht war es, ein Charakterbild zu zeichnen. Ich hatte nie die Absicht, hier eine Person politisch zu zerstören“, bekräftigt der Journalist.

Am Veröffentlichungstag der entsprechenden Ausgabe der BUNTE klingelte dann Otzelbergers Telefon: „Ich war gerade auf dem Weg ins Allgäu. Das war von Anfang an eine einzige Schimpfkanonade; weitestgehend ein aggressiver Monolog. Ich habe ihn gebeten ‘nehmen Sie doch Vernunft an‘, ohne Erfolg (...) Er forderte Schmerzensgeld, das ich ihm sofort überweisen sollte.“ Auch die Sätze „Ich werde Sie vernichten“ und „Ich werde Sie ausfindig machen, ich verfolge Sie bis ans Ende Ihres Lebens“ sollen gefallen sein, kurz: „Er hat verbal auf mich eingeprügelt wie auf einen Punching Ball.“

Nach rund sieben Minuten sei das Telefonat beendet gewesen. Bereits am Abend desselben Tages folgte dann ein weiterer Anruf: „Wieder war Stephan Mayer am Telefon, dasselbe noch einmal. Ich habe ihn dann gebeten, ein bisschen Niveau zu zeigen und sich zu entschuldigen. Dazu war er aber nicht bereit.“ Und weiter: „Sie erinnern sich an Christian Wulff und dessen Entgleisungen gegenüber der BILD? Im Vergleich dazu war das ein laues Lüftchen. Der Rubikon wurde hier bei Weitem überschritten“.

„Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“

„Den Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen kann man jetzt glauben oder nicht.“ Stephan Mayer attestiert Otzelberger jedenfalls ein „gestörtes Verhältnis zur Pressefreiheit“. Den „selbstverschuldeten Karriereknick“ habe er sich somit selbst zuzuschreiben. „In der Politik muss man Geschichten tolerieren, die einem nicht gefallen. Und natürlich kann man sich wehren. Aber dann in sachlicher Kritik und auf eine zivilisierte Art und Weise“, so Otzelberger weiter.

Beim kurzen Pressestatement zu Mayers Rücktritt von Ministerpräsident Markus Söder am Mittwoch (4.Mai) war Manfred Otzelberger vor Ort in München im Saal anwesend. „Die dort getroffenen Aussagen sehe ich positiv. Für mich war das eine glaubwürdige Distanzierung und Entschuldigung. Ein derartiger Vorfall ist wirklich nicht der Stil der CSU.“

Heftiger Schlag für Söder - Und wird der zweite Mann der CSU eine Frau?

„Stefan Mayer war einfach nicht stressresistent. Er hat als Krisenmanager versagt“, so Manfred Otzelberger abschließend. Beides Eigenschaften, die der Generalsekretär einer Partei allerdings zwingend mitbringen müsse. Fest stehe, dass der Eklat um Stephan Mayer insbesondere Markus Söder einen mächtigen Schlag versetzt habe. „Der Nachfolger muss initiativ sein, sprechfähig sein und ein gutes Verhältnis zu Journalisten aufbauen können.

Ein paar Favoriten hat der BUNTE-Redakteur dabei schon im Auge: „ Ich persönlich würde mir da Dorothee Bär wünschen. Mit ihr habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Sie arbeitet unerschrocken und gut. Sie hat nur ein Problem: Sie kommt wie Söder aus Franken.“ Auch Michaela Kaniber aus dem Stimmkreis Berchtesgadener Land komme für die Nachfolge in Frage: „Sie hat eine positive Ausstrahlung und macht eine sehr gute Figur. Ich fände interessant, ob sie es kann; ich persönlich würde ihr das zutrauen.“