Die Gemeinde als Lebensraum

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Hauptsache, die Türen stehen offen: Pfarrerin Vogt legt Wert darauf, dass ihre Kirche unter der Woche nicht verschlossen ist. Bis es aber soweit ist, sind noch einige Fragen zu klären, sagt sie.

Mühldorf - Nur das Pfarrhaus ist eine Baustelle, der Rest der Gemeinde ist nach einem ersten Urteil der neuen Pfarrerin Susanne Vogt in gutem Zustand:

Seit drei Wochen lebt und arbeitet die 57-Jährige in der evangelischen Erlösergemeinde Mühldorf. "Im Campingzustand" sei sie, beschreibt Vogt ihren derzeitigen Status an ihrem neuen Arbeitsort. Das Büro wirkt uneingeräumt, ihre Habe ist noch an ihrem letzten Einsatzort in Glonn eingelagert, die privaten Wohnräume sind von Handwerkern belegt, die das Haus wieder herrichten. Trotzdem sind Vogts erste Tage in Mühldorf gelungen. Die feierliche Einführung und ein großes Gemeindefest haben sie mit den evangelischen Christen Mühldorfs in Kontakt gebracht und der neuen Pfarrerin zu einem guten Start verholfen.

Dabei ist Susanne Vogt ein fertiges und bewohnbares Pfarrhaus sehr wichtig. Denn sie versteht die Gemeinde nicht nur als Arbeits- sondern auch als Lebensraum: "Ich möchte dort leben, wo ich als Pfarrerin arbeite." Eine strikte Trennung von beidem ist ihr Ding nicht, wie es ihrer Erfahrung nach bei manchen jüngeren Kollegen sei. Das habe ihr an der Stellenausschreibung für Mühldorf gefallen, dass die Gemeinde eine Pfarrerin suchte, die mit der Gemeinde leben will.

Die 57-Jährige, die nicht verheiratet ist, sieht sich als Allrounderin, die auf vielen Feldern aktiv ist. Als erstes nennt sie die Jugendarbeit, spricht dann aber nicht von kirchlicher Jugendarbeit, von Konfirmation oder Kinderbibelstunde sondern von dem Viertel, in dem die Erlöserkirche steht. "Es ist ein gemischtes Viertel mit sehr unterschiedlichen Menschengruppen", sagt sie. Ein paar ausländische, Fußball spielende Jugendliche habe sie bereits kennengelernt, als die den Baum vor der Kirche mit dem Ball malträtierten.

So offen und klar wie gegenüber den Jugendlichen will sie auch innerhalb der Gemeinde auftreten und alle Felder des Pfarrdienstes in Mühldorf beackern. Besonderes Augenmerk gilt den Gottesdiensten, vom "ausgeflippten Jugendgottesdienst solange er inhaltliche Substanz hat" bis zur feierlichen Hochliturgie. Sie ist offen für Ökumene und nimmt auch die Minderheitenrolle der gut 2300 Protestanten in der Stadt an: "Das schreckt mich überhaupt nicht", sagt sie selbstbewusst. "Wir sind eine Minderheit aber eine nicht zu übersehende." Verwundert ist sie nur darüber, dass der Pfarrer der katholischen Stadtkirche Dekan Roland Haimerl nicht an ihrer Einführung teilgenommen hat. Er hatte GemeindereferentinSchwester Ulrike Schnürer entsandt.

Die Erlösergemeinde in Mühldorf und die Immanuelgemeinde in Ampfing gehören zusammen, dort ist Gundi Krischock zuständig, sie trug auch während der pfarrerlosen Zeit einen Teil der Arbeit in Mühldorf. Auch künftig werden die beiden Pfarrerinnen abwechselnd Gottesdienste in beiden Kirchen halten.

Ein Jahr war die Pfarrstelle nach dem Weggang von Andreas Beneker unbesetzt, bevor die gebürtige Münchnerin angestellt wurde. Vogt war seit ihrer Konfirmation in der kirchlichen Jugendarbeit tätig, studierte in München und Bethel und mit Stipendium zwei Semester an der katholischen Benediktinerhochschule "Dormitio" in Jerusalem. Außerdem absolvierte sie eine Ausbildung zur Klinikseelsorgerin. 16 Jahre war sie in Erding tätig, zuletzt arbeitete sie in Glonn. Ihre Perspektive für Mühldorf ist klar: Sie will die Gemeinde bis zu ihrer Pensionierung leiten.

hon/Mühldorfer Anzeiger

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