TNT gegen eine KZ-Gedenkstätte

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2009 wurde die Plattform im Waldlager eröffnet, von der aus die Geschehnisse erläutert werden. Die Bauwerke sind das bislang einzige Gestaltungsmerkmal im ehemaligen KZ-Außenlager.

Mühldorf - Wenig Neues gibt es beim Aufbau einer Gedenkstätte im Mühldorfer Hart. Nur beim Aufbau einer Ausstellung könnte es Bewegung geben.

Winfried Karg, im Kultusministerium zuständig für die Gedenkstättenstiftung, wiederholte bei einem Besuch in Mühldorf die bekannten Positionen.

Der Stiftungsrat, der die Arbeit der Bayerischen Gedenkstättenstiftung begleitet, scheint bereit zu sein, sich auch finanziell an einer Ausstellung über das Bunkergelände im Geschichtszentrum Kreismuseum zu beteiligen. Das sagte Karg nach einer Ortsbegehung im Bunkergelände vor Mitgliedern des Vereins "Für das Erinnern". Wenn Landkreis und Stadt den Betrieb des Geschichtszentrums sicher stellen, "wäre das ein starkes Signal an den Stiftungsrat", betonte Karg. Er schließt für diesen Fall nicht aus, dass der Stiftungsrat bei seiner Sitzung im Januar ein Angebot zur Zusammenarbeit aussprechen könnte.

Denkbar ist eine Dauerausstellung in den oberen Stockwerken des Haberkastens, in denen die NS-Zeit, das Geschehen im KZ-Außenlager im Bunkergelände und die Nachkriegszeit dukumentiert werden könnten. An den notwendigen Umbaukosten müssten sich Stadt und Stiftung beteiligen, Stadt und Landkreis müssten als Träger des gesamten Geschichtszentrums Kreismuseum Personal und Unterhalt sicherstellen. Entsprechende Überlegungen gab es bei Vertretern aus der Region mit Vertretern des Stiftungsrats.

Franz Langstein, Vorsitzender des Vereins "Für das Erinnnern", warnte beim Gespräch mit Karg allerdings davor, Erinnerung und Information nur im Museum anzubieten: "Es wäre eine bittere Pille, wenn draußen nichts geschehen würde", sprach er von einer Diskrepanz: Die Schreckensorte im Mühldorfer Hart vergammeln, wärend das Leiden auf dem Papier im Museum dargestellt würde. Zugleich begrüßte Langstein "jede Bemühung, die zu einer Gedenkstätte führt".

In allen anderen Bereichen sagte Karg wenig Neues: "Die zentralen Hemmnisse gibt es nach wie vor, die Rahmenbedingungen sind wahnsinnig kompliziert." Dazu zählen die verschiedenen Zuständigkeiten: Der Bund ist für die Betonüberreste verantwortlich, mit denen ein Problem verbunden ist, das nach Ansicht Kargs "ein finanzielles Risiko birgt, das nicht hoch genug eingeschätzt werden kann": die Reste von TNT-Sprengstoff. Die Amerikaner haben damit Teile der Anlage nach dem Krieg gesprengt. Dieser Sprengstoff könnte das Grundwasser verseuchen. Dieses Thema hatte Staatssekretär Dr. Marcel Huber beim Besuch von Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk im Sommer massiv ins Spiel gebracht (wir berichteten). 2012 will das Wasserwirtschaftsamt untersuchen, ob es tatsächlich TNT-Reste gibt. Giftstoffe, wie früher ebenfalls dort vermutet, gibt es laut Karg nicht.

Zuständig für die Gestaltung ist die Gedenkstättenstiftung, die bereits im Waldlager aktiv war. "Sie hat großes Interesse, etwas Wissenschaftliches und Pädagogisches auf die Beine zu stellen." Das Problem: Die Stiftung hat keine Grundstücke, sie gehören 24 verschiedenen Besitzern, mit denen bald Verhandlungen über einen Verkauf geführt werden sollen. Das sei "der zentrale Schritt", sagte Karg, der damit auf einer Linie mit Staatssekretär Huber liegt. Dabei machte Karg klar, dass nicht der komplette Bunker samt Nebenanlagen einbezogen werden soll; das reduziere die Zahl der benötigten Grundstücke.

Eine schnellere Lösung kann sich Karg im Bereich des ehemaligen Massengrabs vorstellen, die ähnlich ausfallen könnte wie die im Waldlager. Die dortigen Bauten nannte Karg "gelungen, aber nicht die Endstufe".

hon/Mühldorfer Anzeiger

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