DSL gefordert, Telefonanschluss verloren

Oberbergkirchen – Schnelles Internet: Landgemeinden können nach wie vor nur davon träumen. Bernd Arnoldt wollte im Internet ein Angebot von Vodafone nutzen.

Für Bernd Arnoldt schien sich eine neue Gelegenheit von schnelleren Bitraten zu ergeben, als er im Internet auf ein Angebot von Vodafone gestoßen ist. Bis zu 6000 Kilobit pro Sekunde seien auch in Oberbergkirchen möglich. Doch der Traum vom schnellen Internetzugang wurde zum Albtraum.

64 Kilobit - schneller ging es bislang in Oberbergkirchen nicht. Klar, dass der Oberbergkirchener hellhörig wurde, als er im Internet auf das Angebot von Vodafone aufmerksam wurde, das offensichtlich DSL auch in Landgemeinden anbietet. "Das hat zumindest die Verfügbarkeitsprüfung ergeben", sagt Bernd Arnoldt, der auf der Internetseite seine Adresse inklusive Vorwahl eingegeben hatte. Da er nicht direkt bei der Telekom angemeldet ist, entfernte er das Häkchen in diesem Fenster, prompt folgte auf der nächsten Seite der Glückwunsch des Internetanbieters, der gleich eine 6000 KBit-Leitung angeboten hat.

Mit Skepsis las er die Mitteilung, Arnoldt rief mehrere Male beim Kundenservice von Vodafone an, um sich die schnelle Internetversorgung bestätigen zu lassen. Stets habe es geheißen: Ja, es geht. Arnoldt war nun überzeugt, erteilte am 18. September den Auftrag für seinen neuen Telefon- und Internetanschluss. Bis zum 1. Oktober sollte alles installiert sein. "Doch passierte ist gar nichts mehr. Alles ging schief", erzählt er.

Am 13. Oktober folgte schließlich die Mitteilung, dass der alte Anschluss zum 14. Oktober gekündigt werde. Aber: Just an diesem Tag erhielt Arnoldt auch Post von Vodafone, datiert auf den 8. Oktober: "Leider sind die technischen Voraussetzungen für einen DSL-Anschluss an ihrem Wohnort nicht gegeben. Wir können Ihnen daher Ihren DSL-Wunsch nicht erfüllen." Das wäre noch nicht so schlimm gewesen, wenn nicht einen Tag später sämtliche Leitungen tot gewesen wären. "Die Kündigung meines bisherigen Telefonanschlusses wurde also trotzdem vollzogen."

Ohne Telefonanschluss stand nun Bernd Arnoldt da, er musste nun sein Handy zur Hand nehmen, um nun bei der Firma Vodafone die Stelle ausfindig zu machen, die die Kündigung wieder stornieren sollte. "Pro Tag hänge ich eine ganze Stunde am Telefon, um eine Lösung meines Problems zu erreichen." Rief er beim Kundenservice an, landete er ewig in der Warteschleife, "einmal sogar 25 Minuten lang". Niemals telefonierte er mit derselben Person, musste von Mal zu Mal sein Problem erneut erklären. Kein Durchkommen auch, als er versuchte, zur Lösung des Problems die Geschäftsführung direkt zu erreichen. Geforderte Rückrufe seien ausgeblieben. Stattdessen sei er an ein sogenanntes "Eskalationsteam" verwiesen worden, wo schließlich Arnoldt eine für ihn zuständige Person erreichte.

Seit Montag kann Arnoldt zwar zumindest schon wieder telefonieren, auch soll das Internet bald wieder zur Verfügung stehen. Als Entschädigung für seinen Zeitaufwand hat sich Vodafone zumindest dazu bereit erklärt, die Telefonkosten zu übernehmen, die durch seine zahlreichen Anrufe angefallen sind, erklärt Arnoldt. Was ihn aber aber nach wie vor ärgert: Das Angebot von schnellem Internet, auch in offensichtlich unerschlossenen Gebieten, bietet die Firma nach wie vor an. "Hier wird mit falschen Tatsachen Werbung betrieben" wirft er Vodafone vor.

Seitens des DSL-Neuvertragskundenteams von Vodafone heißt es, dass die Telekom oft die letzte "Kabelmeile" vom Verteiler des Anbieters bis zum Privathaus besäße, daran scheitere dann in einigen Fällen der DSL-Anschluss eines Fremdanbieters. In 80 Prozent der Fälle funktioniere jedoch die Versorgung mit schnellerem Internet, deswegen fiele auch die Verfügbarkeitsprüfung im Internet zunächst positiv aus. Genauer drücken sich hier einschlägige DSL-Foren im Internet aus. Demnach behalten sich die Anbieter eine genaue Aussage zur Verfügbarkeit mit der gleichzeitigen Beauftragung vor.

Dass Bernd Arnoldt nun Unannehmlichkeiten entstanden sind, dafür entschuldigt sich das Neuvertragskundenteam von Vodafone - mehr aber auch nicht.

je/Mühldorfer Anzeiger

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