Gefängnisstrafe nach tödlicher Drogenfahrt

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In diesem Auto starben die 55-jährige Mutter und ihre 20-jährige Tochter.

Mühldorf - Zwei Jahre und neun Monate muss ein 33-jähriger Lackierermeister aus Dorfen ins Gefängnis. Er stand bei einem Unfall, bei dem zwei Frauen getötet wurden, unter Drogeneinfluss.

Bei einem schweren Verkehrsunfall am 7. Mai 2010 waren auf der St 2087 bei Schwindegg eine 55-jährige Buchbacherin und ihre Tochter ums Leben gekommen, ein weiterer Autofahrer wurde verletzt. Der Unfallfahrer, der das Auto der beiden frontal gerammt hatte, stand jetzt in Mühldorf vor Gericht.

Bilder von der Unfallstelle

Tödlicher Unfall bei Schwindegg

Der damals 32-jährige Lackierermeister aus Dorfen stand laut Anklage zum Unfallzeitpunkt unter Drogeneinfluss und musste sich wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs, fahrlässiger Tötung in zwei Fällen und fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Obwohl er bis zuletzt bestritt, Drogen genommen zu haben, verurteilte ihn das Schöffengericht zu zwei Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe.

Am Morgen des 7. Mai fuhr der Angeklagte mit seinem BMW-M3-Cabrio von Schwindegg in Richtung Buchbach. Wie der hinter ihm fahrende Zeuge aussagte, geriet er bereits vor dem Zusammenstoß zweimal rechts aufs Bankett und beim Gegenlenken über die Fahrbahnmitte. In einer langgezogenen Rechtskurve fuhr er schließlich - obwohl nicht zu schnell - komplett auf der Gegenfahrbahn, er war nur mehr 20 Zentimeter von ihm aus linken Fahrbahnrand entfernt.

Die 55-jährige Fahrerin des entgegenkommenden Autos hatte keine Chance auszuweichen, beide Fahrzeuge prallten frontal aufeinander. Der BMW des Unfallverursachers drehte sich, so dass der hinter ihm fahrende Zeuge, ebenfalls nicht mehr ausweichen konnte und mit ihm zusammenstieß.

Beide Frauen, die 55-jährige Mutter und ihre 20-jährige Tochter verstarben noch an der Unfallstelle, der Unfallverursacher - obwohl nicht angeschnallt - und der Fahrer des dritten Autos wurden verletzt. An den Autos entstand Totalschaden.

Bei einer Blutentnahme kurz nach dem Unfall war beim Angeklagten 250mg/l Gammahydoxybuttersäure, kurz GHB oder sogenanntes Liquid Ecstasy, nachgewiesen worden. Diese Konzentration der in der Medizin als Schlaf- und Narkosemittel gebräuchlichen Substanz führe normalerweise zu einem komatösen Zustand, wenn nicht gar zum Tod, erklärte die Sachverständige. Nur durch starke Abhängigkeit und dadurch Gewöhnung sei erklärbar, dass der Angeklagte mit dieser GHB-Konzentration noch bei Bewusstsein war. Er müsse das Mittel vor Fahrtantritt in hoher Dosis eingenommen haben.

Er selbst sagte bei der Polizei aus, er sei am Steuer eingeschlafen, weil er wenig geschlafen habe. Die Messergebnisse versuchte er damit zu erklären, dass er am Vorabend - in seinem Beruf als Lackierermeister - Alubleche zum Lackieren vorbereitet habe. Dabei haben er sie mit einem Lösungsmittel gereinigt, dass GHB enthalte.

Diese Reinigungsmittel seien in seine Branche gebräuchlich und es sei möglich GHB zu inhalieren oder über die Haut aufzunehmen, so die Sachverständige, allerdings nicht in dieser Konzentration. Zudem habe GHB eine sehr kurze Halbwertszeit von 20 Minuten bis einer Stunde, am Vorabend eingenommen hätte es am nächsten Morgen nicht mehr nachgewiesen werden können, schon gar nicht in einer derart hohen Konzentration.

Staatsanwalt und Richter Florian Greifenstein werteten die Aussage des Angeklagten als Schutzbehauptung, die so nicht stimmen könne. Zudem sei er bereits zuvor in Zusammenhang mit Drogen strafrechtlich in Erscheinung getreten.

In seinem Plädoyer machte der Staatsanwalt deutlich, dass selbst wenn man die Aussage des Angeklagten Glauben schenke und er am Steuer eingeschlafen sei, der Vorwurf der Fahrlässigkeit bestehen bleibe. Das psychiatrische Gutachten, das verminderte Schuldfähigkeit nicht ausschließt, dürfe dem Angeklagten nicht zugute kommen, forderte er. Diese Strafminderung habe er sich nicht verdient. Er forderte drei Jahre Freiheitsentzug sowie den Einzug des Führerscheins mit einer Führerscheinsperre von fünf Jahren.

Emotionaler fiel das Plädoyers des Rechtsanwalts der Nebenklägerin, der Tochter und Schwester der beiden Opfer aus: "Sie können nicht mehr miteinander reden, miteinander lachen, weil Sie diesen giftigen Dreck einnehmen", fand er deutliche Worte, "ich finde es widerlich, sich jetzt in Ammenmärchen flüchten zu wollen." Er schloss sich der Strafforderung des Staatsanwalts an.

Auch der Verteidiger des Angeklagten räumte ein, der Tatvorwurf habe sich bewahrheitet, er forderte wegen eingeschränkter Steuerungsfähigkeit ein Jahr und sechs Monate, die auf Bewährung auszusetzen seien. Erst in seinem letzten Wort entschuldigte sich der Angeklagte zum ersten Mal bei den Hinterbliebenen der Opfer, es tue ihm jeden Tag leid.

nl/Mühldorfer Anzeiger

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