Gedenkstätte: Bund zu Verhandlungen bereit

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Endlich waren alle Beteiligten gemeinsam vor Ort: Im Schatten des letzten Bunkerbogens besprachen sich Abgeordneter Mayer, Bundesfinanzstaatssekretär Hartmut Koschyk, die Leiterin der Gedenkstätte Dachau, Dr. Gabriele Hammermann, Stiftungsdirektor Karl Freller und Kultusstaatssekretär Huber (von links).

Mühldorf - Auf dem Bunkergeländer des ehemaligen KZ-Außenlagers soll eine Gedenkstätte entstehen. Lediglich die Finanzierung ist noch nicht ganz geklärt.

Zum ersten Mal besuchte ein hochrangiger Vertreter der Bundesregierung das Bunkergelände im Mühldorfer Hart. Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk machte sich vor Ort ein Bild des ehemaligen KZ-Außenlagers und einigte sich mit Kultusstaatssekretär Dr. Marcel Huber auf das weitere Vorgehen.

Huber formulierte am Ende der Besichtigung die nächsten Schritte. Klar wurde dabei: Es herrscht Übereinstimmung darüber, dass es ausreichend ist, den siebten, noch stehenden Bunkerbogen mit einem Zaun zu sichern und als Gedenkort zu gestalten. Der Rest des weitläufigen, mehrere tausend Quadratmeter großen Geländes soll unter anderem dadurch erhalten und gesichert werden, indem man es zuschüttet.

Dieser Lösung, von Kultusstaatssekretär Huber vorgeschlagen, stimmte auch Franz Langstein vom Verein "Für das Erinnern" zu: "Für die Überlebenden und ihre Angehörigen ist der Gedenkort hier am Bunkerbogen. Diese Trümmer sind der Punkt, wo das Leid am stärksten spürbar wird." Damit machte Langstein zum einen klar, dass der Bunkerbogen als Hauptort nicht zur Disposition stehe; zugleich zeigte er, dass auch die Ehrenamtlichen im Verein mit einer Einzäunung leben könnten.

Ein eindeutiges Bekenntnis gab auch Bundesfinanzstaatssekretär Koschyk ab: "Jenseits aller Zahlen sind wir in einer gesellschaftlichen Verantwortung", sagte er. "Wir stehen in der Pflicht authentische Gedenkorte zu erhalten." Trotzdem spielen Zahlen eine entscheidende Rolle. Denn Grundlage eines Gedenkorts am Bunkerbogen ist unter anderem die Übertragung der Verkehrssicherungspflicht an den Freistaat.

Wie Koschyk, betonte auch Bayerns Regierungsmitglied Huber, dass Bayern der Verhandlungspartner des Bundes sei, nicht die Gedenkstättenstiftung. Damit nahm er den Freistaat in die Verantwortung an einer Lösung mitzuwirken. Denn die Übernahme der Verkehrssicherungspflicht ist mit Risiken und Kosten verbunden. Deshalb erwartet Bayern, dass der Bund zahlt.

Koschyk erklärte sich grundsätzlich dazu bereit, betonte aber: "Über Zahlen rede ich heute nicht." Das sei erst in Verhandlungen möglich, wenn die grundlegenden Fragen geklärt seien. Trotzdem sagte Koschyk, sobald auf bayerischer Seite die Grundsatzfragen geklärt seien, werde sich der Bund "nicht für wenig Geld" aus der Verantwortung stehlen. Das betonte auch Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer (CSU), auf dessen Einladung Koschyk nach Mühldorf gekommen ist. "Der Staatssekretär hat gesagt, dass es am Euro nicht scheitern wird."

Huber wertete die Aussagen Koschyks als "Signal des Bundes, in Verhandlungen mit dem Freistaat einzutreten". Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Denkmalamt, Bauverwaltung, der Gedenkstättenstiftung und des Landratsamts müsse unter Federführung des Kultusministeriums "die Voraussetzungen schaffen, um vernünftig verhandeln zu können", sagte er auf Nachfrage. Einen Zeitplan festzulegen sei nicht möglich, ein nächstes Treffen im Kulturministerium soll im Herbst stattfinden.

Die Gestaltung des Waldlagers, in dem es bereits eine Informationsplattform gibt, des ehemaligen Massengrabes und einer Informationsausstellung im Kreismuseum waren kein Thema.

hon/Mühldorfer Anzeiger

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