90 Jahre: Altbürgermeister Federer feiert

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Mühldorf - In seinem Leben hat er es nicht immer leicht gehabt, trotzdem ist Josef Federer ein herzlicher und sehr dankbarer Mensch. Im Haberkasten feierte der Altbürgermeister mit viel Prominenz seinen 90. Geburtstag.

Vielen Einwohnern der Kreisstadt, aber auch von den umliegenden Gemeinden, ist er in guter Erinnerung geblieben: Altbürgermeister und Ehrenbürger Josef Federer. Er feierte am Samstag seinen 90. Geburtstag im Kreise seiner Weggefährten aus der Politik, Wirtschaft und Kultur im Haberkasten. Nachdem die Königliche privilegierte Feuerschützengesellschaft Mühldorf mit Salutschüssen den Jubilar am Stadtwall begrüßt hatte, spielten die Blaskapelle Altmühldorf und die Stadtkapelle Mühldorf ein Geburtstagsständchen im Innenhof vorm Haberkasten. Sichtlich gerührt betrat dann Josef Federer den Saal, drückte dabei Hände von ehemaligen Kollegen und Freunden, die zahlreich erschienen waren. Den Grund dafür nannte sein Amtsnachfolger Günther Knoblauch in seiner sich anschließenden Laudatio. Der jetzige 1. Bürgermeister der Stadt zeichnete mit seinen Worten das Bild eines „ganz besonderen Menschen“, der als relativ unerfahrener SPD-Politiker über die 24 Jahre währende Amtszeit das Vertrauen der Bürger erworben habe. Die Liste der kommunalen Bauvorhaben, an deren Verwirklichung er als Bürgermeister maßgeblichen Anteil gehabt hat, sei lang. „Ohne ihn hätte es kein Hallenbad, keine Musikschule und keine Kunsteisbahn gegeben …“, führte der Redner Beispiele an. Josef Federer, der vier Mal hintereinander Bürgermeister gewesen ist, sei es zu verdanken, dass sich die Mühldorfer in ihrer Stadt wohlfühlten. Das Erfolgsgeheimnis liege in der Persönlichkeit des Jubilars, die sich durch Eigenschaften, wie Verbindlichkeit, Engagement und permanente Präsenz ausgezeichnet habe.

90. Geburtstag von Altbürgermeister Josef Federer

„Wie man eine Stadt anblickt, so blickt sie zurück“- diese Devise Federers betrachtete Günther Knoblauch als wertvolles Erbstück seines Amtvorgängers, den er als warmherzigen Menschen mit einem offenen Ohr gegenüber seinen Mitmenschen und auch ihm beschrieb. Ihm sei es eine große Freude, Federer gesund zu sehen, als einen, „dem sein Pfeiferl und Weißbier schmeckt“. Sicherlich werde er das Bauvorhaben am Heiliggeist-Spital beaufsichtigen, meinte der 1. Bürgermeister scherzhaft und schenkte seinem Amtsvorgänger die Bronzeplastik eines Mühldorfer Brunnenbüberls.

Auch Landrat Georg Huber gratulierte dem Altbürgermeister mit sehr persönlichen Worten zum Jubiläum. Beispielsweise erinnerte er sich seiner eigenen ersten Schritte als Bürgermeister 1981, als ihm Federer freundschaftlich und kollegial entgegengekommen sei. Gemeinsam haben sie seinerzeit die Volkshochschule gegründet. Bei vielen Treffen auf Veranstaltungen und bei Bürgermeisterausflügen habe sich eine lange und gute Freundschaft entwickelt, betonte Huber.

Stellvertretend für die Vertreter der anwesenden Vereine lobte Josef Birnkammer, 1. Vorstand der Feuerwehr Mühldorf, den Jubilar dafür, dass er oft als Mitglied diese hervorragend unterstützt habe. So seien Turnhallen und auch das Vereinsheim der Feuerwehr entstanden. „Das Fundament der Stadt Mühldorf stammt von Dir“, wandte sich Altlandrat und Ehrenbürger Erich Rambold an den Jubilar. Nicht ohne Witz schilderte er im Weiteren die wechselvolle Geschichte des Mit- und Gegeneinanders beider Kommunalpolitiker aus unterschiedlichen Parteien. „Die gute alte Zeit, das war der Sepp Federer, werden viele sagen“, resümierte er und wünschte ihm für die Zukunft alles Gute.

Dann trat der im Mittelpunkt der Feier stehende Altbürgermeister ans Rednerpult und dankte für die vielen guten Wünsche, besonders für die Laudatio von Günther Knoblauch und Grußworte seines ehrlichen Freundes Erich Rambold. Die Aufzählung dessen, was er geleistet habe, beschäme ihn. Er sei glücklich, seinen 90. Geburtstag auch im Kreise seiner Familie feiern zu können. Nach seinem Schlaganfall fühle er sich sehr gut im Caritas-Heim betreut. leider erlaube der Gesundheitszustand seiner Frau Resi nicht, ihn zu dieser großen Feier zu begleiten, bedauerte er.

Anschließend erfreuten Mitglieder des Sängerbundes Mühldorf den Saal mit mehreren frisch vorgetragenen Liedern ehe sich die Mitwirkenden mit jeweils einer Rose in der Hand mit in den langen Gratulationszug einreihten.

KCh

Das Leben des Altbürgermeisters

Als Sohn eines Lokführers und einer Hausfrau wurde Josef Federer am 19. Februar 1921 in Fronberg bei Schwandorf in der Oberpfalz geboren. Er hat noch einen fünf Jahre jüngeren Bruder.

Altbürgermeister Josef Lederer.

Die erste Klasse besucht Federer noch in Fronberg, dann wird sein Vater nach Ingolstadt versetzt, wo die Familie bis 1934 lebt. Mühldorf wird anschließend die neue Heimat der Federers. Er macht gerade eine Ausbildung bei der Landkrankenkasse, als Josef Federer am 11. November 1939 eingezogen wird. Er muss nach München in die Funkkaserne, zieht dann in den Krieg und kämpft in Frankreich und Russland als Oberleutenant. Am 19. März 1945 kommt der Mühldorfer in amerikanische Gefangenschaft. Er wird in verschiedene Lager verlegt, zuletzt muss er sich im Kreigsverbrecherlager in Kornwestheim in Baden-Württemberg wegen einer Namensverwechslung rechtfertigen.

Josef Federer: Bilder aus seinem Leben

Am 1. Mai 1946 wird Federer aus der Gefangenschaft entlassen und kehrt nach Mühldorf zu seiner Frau Theresia zurück, die er am 26. September 1944 geheiratet hat. Bis 1966 arbeitet er bei der Ortskrankenkasse, dann nimmt er das Amt des Bürgermeisters in Mühldorf auf, das er 24 Jahre lang mit größter Freude wunderbar führt. "Es gab keine Schwierigkeiten und war eine schöne Zeit für mich. Die Zusammenarbeit mit dem Stadtrat und den Behörden war hervorragend und wir haben gemeinsam viel für Mühldorf erreicht", so Federer über diese Zeit.

Im Mai 1990 geht der Mühldorf-Liebhaber in den Ruhestand, den er sehr genießt. Nach einem Schlaganfall im September vergangenen Jahres, lebt der 90-Jährige im Caritas-Wohnheim in Mühldorf, wo auch seine Frau schon seit zwei Jahren zuhause ist. Im März wird auch sie 90 Jahre alt.

Wenn Josef Federer über sein Leben spricht, hört man vor allem eines heraus: Dankbarkeit und Zufriedenheit. Als "herzlichen Menschen" beschreiben ihn alle, die ihn kennen. Seine Kinder und Enkelkinder machen ihn heute stolz, aber auch sein Amt als Bürgermeister in Mühldorf hat Spuren hinterlassen. Der 90-Jährige liebt Mühldorf, das hat er immer getan. Es sei eine wunderschöne Stadt, die Menschen darin liebenswert. Und so bekennt Federer: "Für mich war es eine ganz, ganz große Ehre, dass ich hier als Bürgermeister tätig sein konnte."

Anette Mrugala

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