„Ohne Angabe von Gründen“ gekündigt

SPD oder AfD: Wer steckt hinter dem Rausschmiss des KAB-Sekretärs?

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Freising/Landkreis Mühldorf – Soziale Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung und Frieden sind Leitlinien der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung. Rainer Forster konnte sich auf Anhieb damit identifizieren. Jetzt hat ihn die KAB gefeuert.

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ und „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein (…)“: zwei von freilich vielen Aussagen im Neuen Testament. Rainer Forster lebt sie, auch beruflich. Letzteres scheint ihm zum Verhängnis geworden zu sein. Sein Arbeitgeber: Der Diözesanverband München und Freising der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB).

Rainer Forster war dort Diözesansekretär. Das Bistum München-Freising erstreckt sich im Südosten bis in den Landkreis Mühldorf. Dass Forster gefeuert wurde, können auch hierzulande viele nicht verstehen, darunter Thomas Rahnert, Chef des Cinewood Kinocenters in Waldkraiburg sowie Renate Kaßner und Holger Lüttich, die beiden Leiter der Regionalgruppe Altötting-Mühldorf im Verein WIR-Gemeinsam.

Die Personalie Rainer Forster

Ich will etwas bewegen, wollte ich schon immer“, sagt der frisch gefeuerte Diözesansekretär der KAB im Gespräch mit innsalzach24.de. „Natürlich interessiere ich mich für Politik“, sagt er. Forster will Antworten auf Fragen nach einer lebenswerten Zukunft, für sich aber auch für alle anderen. Soziale Gerechtigkeit, Frieden und ein nachhaltiger Umgang mit der Natur sind ihm wichtig. „Schöne Sache“, möchte man meinen, insbesondere in diesen Zeiten, wo die Wahlbeteiligung stetig sinkt, die Politikverdrossenheit gleichzeitig immer größer wird und das Schreckgespenst des Protestwählers in der Parteipolitik schon lange ein- und ausgeht.

Am Rande des G7-Gipfels in Elmau besuchte Claudia Roth von den Grünen den KAB-Infostand (Forster rechts hinten im Bild)

Zuerst verschlug es ihn zur ödp. „Der Themen wegen“, sagt Forster heute dazu. Ökologie und Nachhaltigkeit sind ihm nämlich wichtig, doch fand er dort nicht vollends, wonach er suchte. „Öffentlichkeitsarbeit findet so gut wie nicht statt“ und irgendwie habe er mit wirklicher Parteipolitik sowieso nichts am Hut. So fand er schließlich den Weg zur KAB. Die politische Positionierung des Bundesverbandes war es, die ihm gefallen hat:

  • Soziale Gerechtigkeit
  • Bewahrung der Schöpfung
  • Frieden
Links, Christoph Bautz (campact) und Christian Schmidt (CSU/Bundeslandwirtschaftsminister) bei der Übergabe der bayerischen Unterschriften gegen TTIP & Ceta. In der Mitte Rainer Forster.

Die Chance, etwas zu bewegen

In der Parteipolitik kann ich nichts bewegen“, sagt Forster. „Hier konnte ich mit jedem reden“. Damit sind natürlich in erster Linie die Mitglieder – dem Namen nach die Katholischen Arbeitnehmer – gemeint, aber nicht nur die und das war besonders für die KAB ein Segen: Sie hat Deutschlandweit nämlich nur rund 150.000 Mitglieder. Forster verstand seine Arbeit als Chance,

  • a) im Sinne des Grundsatzpapiers des KAB-Bundesverbandes politische Aufklärungsarbeit zu leisten und
  • b) auf diese Art und Weise den Staub, der offenbar auf der Bewegung liegt, zu entfernen und neue Mitglieder zu akquirieren.
Willy Wimmer (mitte) von der CDU und ehem. Vizepräsident der OSZE kam auf Einladung der KAB ins Cinewood Kinocenter nach Waldkraiburg zur Vorstellung seines aktuellen Buches und für einen Vortrag "Europa: Ist die Union noch zu retten?" (Forster links außen)

An die Leine gelegt

Im Rahmen seines vielfältigen Aufgabenbereiches organisierte Forster auch in unserer Region unter anderem Podiumsdiskussionen und Filmvorführungen mit anschließender Diskussion zu aktuellen Themen. „Soweit, so gut“, könnte man jetzt sagen aber da hatten offenbar ein paar Leute Probleme mit der Auswahl des einen oder anderen Podiumsgastes oder Filmes und/oder mit der Person Rainer Forster selbst.

Konkret: Ein Vertreter der AfD auf einem Podium oder ein Film, der sich mit den Thesen von „Verschwörungstheoretikern“ beschäftigt – das war einigen anscheinend zu viel und an den Zielen der KAB vorbei und sie beschwerten sich über Forster und die KAB, öffentlich oder direkt beim Diözesanverband. Der Diözesanverband reagierte und zitierte Forster zum Gespräch. Im Nachrichtenarchiv der KAB-Seite findet sich dazu ein Eintrag:

Man sei weder inhaltlich bei der AfD noch glaube man an Verschwörungstheorien. Weiter heißt es, dass innerhalb der KAB vereinbart wurde, dass alle Veranstaltungen „künftig im Vorfeld zuverlässig mit dem Vorstand des Diözesanverbandes abgesprochen werden“.

Forster wurde also „an die Leine gelegt“ und das obwohl er bereits einen großen Kreis an Interessenten und regelmäßigen Besuchern seiner öffentlichen Veranstaltungen im Namen der KAB generiert hatte. Darunter offenbar auch seine Kritiker. Das direkte Gespräch mit Rainer Forster suchte niemand von ihnen und das obwohl Forster auf jeder dieser Veranstaltungen selbst vor Ort war.

Zur AfD und den fraglichen Filmen sagt Forster, dass man natürlich darüber reden müsse. „Ganz Deutschland redet über die AfD“. Nur dadurch, dass man sich mit den aktuellen Themen beschäftige, könne man sich selbst ein wirklich eigenes Bild machen „und das gilt schließlich für jedermann, ob nun KAB-Mitglied oder nicht“. Im Übrigen sei diese Podiumsveranstaltung sehr gut besucht gewesen, berichtet auch Renate Kaßner von „WIR-Gemeinsam“, die an diesem Abend die Moderation übernommen hatte weil Forster selbst auf dem Podium saß, um die Positionen der KAB zu vertreten.

Die KAB im Licht der Öffentlichkeit

Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung mag es offenbar doch nicht, im Licht der Öffentlichkeit zu stehen. Nur so lässt sich erklären, warum man der Anonymität des Internets so viel Aufmerksamkeit schenkt, ohne in vielen Fällen genau wissen zu können, wer hinter der Kritik steckt. Besonders interessant scheint eine Art Hörigkeit des Diözesanverbands gegenüber der SPD-Kreistagsfraktion Freising, denn gerade auch auf Beschwerden aus diesem Lager hatte man seitens der KAB reagiert. Tatsache ist, dass Dieter Thalhammer (SPD), Ex-OB der Kreisstadt Freising, heute Diözesanvorsitzender des KAB-Diözesanverbandes München und Freising e.V. ist. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Auf Nachfrage von innsalzach24.de bei der KAB im Bistum München und Freising sagte Geschäftsführerin Susanne Schönwälder, dass man sich in einem Personalverfahren befinde, das noch nicht abgeschlossen sei und bat um Verständnis, dass sie keine Detailauskünfte geben könne. Grundsätzlich erklärte sie, dass Rainer Forster der jüngsten Auflage, alle seiner Veranstaltungen, die er im Namen der KAB plant, genehmigen zu lassen, mehrfach nicht nachgekommen sei. Warum dies nicht als Begründung in der Kündigung steht – dazu wollte Schönwälder keine Auskünfte geben.

Die Reaktionen auf den Rauswurf

So richtig verstehen kann den Rauswurf von Rainer Forster  keiner. Selbst innerhalb des KAB-Bundesverbandes gibt es Recherchen von innsalzach24.de zufolge solche Stimmen. Sie wollen namentlich nicht genannt werden. Immer wieder ist die Rede von einem „qualifizierten Diskussionsleiter“. So beschreiben ihn auch Thomas Rahnert, Chef vom Cinewood Kinocenter in Waldkraiburg sowie Renate Kaßner und Holger Lüttich von „WIR-Gemeinsam“.

Im Cinewood gibt es nach wie vor die KAB-Filmreihe. Regelmäßig werden dort Dokumentationen gezeigt, die unweigerlich zum Nachdenken anregen. „Freilich kann man danach einfach nach Hause gehen und sich seine eigene Meinung BILDen“, sagt Forster. Wesentlich interessanter sei es, sich gleich danach gemeinsam darüber zu unterhalten. Auf Nachfrage von innsalzach24.de bei Kinobetreiber Thomas Rahnert sagte der, dass es wohl vom Thema eines Filmes abhängig sei, wie viele Leute kommen aber „Programmkino hat auf diese Art und Weise einen Mehrwert“. Die durchschnittlich durchaus respektablen Besucherzahlen würden das bestätigen.

Thema „WIR-Gemeinsam“: Man habe sich sehr über die Zusammenarbeit mit Rainer Forster gefreut. Nachhaltigkeit, Ökologie und Umweltschutz und ganz besonders das Miteinander sind die Themen des Vereins mit seinen Regionalgruppen wie der in den Landkreisen Altötting und Mühldorf. Die beiden Leiter, Renate Kaßner und Holger Lüttich, haben einen Brief an die KAB-Diözesangeschäftsführung geschrieben in welchem sie bitten, die Entscheidung über seinen Rauswurf noch einmal zu überdenken. Ein Auszug:

Rainer Forster teilt mit uns die Werte Nachhaltigkeit, solidarische Ökonomie und Demokratie. Er vertritt diese in unseren Augen engagiert und vorbildlich in seiner Informations- und Aufklärungsarbeit. Dass er dabei auch kontroverse Positionen zu Worte kommen lässt, dient der sinnvollen kritischen Auseinandersetzung mit der Materie. Es bedeutet aber keine Identifikation damit. Vielmehr lädt dies zum Selberdenken ein.“

Forster hat inzwischen einen Anwalt eingeschaltet. Ob und wie beispielsweise die KAB-Filmreihe weiter gehen kann und wird, weiß er noch nicht. Sang- und klanglos untergehen werde sie aber nicht.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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