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Energieversorgung sichern

Fernwäme gegen Putin-Gas - Trotz Energiekrise tun sich viele in Mühldorf mit Alternativen schwer

Fernwäre für ein Wohn- und Gewerbegebiet in Mühldorf Nord: BHC-Chef Thomas Trettenbacher im Keller seines Bürogebäudes an der Egglkofener Straße. Von dort aus versorgt BHC Häuser, Wohnungen, Büros und Praxen mit Wärme. Das Blockheizkraftwerk wird mit Pellets betrieben.
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Fernwäre für ein Wohn- und Gewerbegebiet in Mühldorf Nord: BHC-Chef Thomas Trettenbacher im Keller seines Bürogebäudes an der Egglkofener Straße. Von dort aus versorgt BHC Häuser, Wohnungen, Büros und Praxen mit Wärme. Das Blockheizkraftwerk wird mit Pellets betrieben.

Der Gaspreis steigt, die Versorgung wird knapp, Ölheizungen sind aus Umweltgründen ohnehin tabu. Eine Alternative wäre Fernwärme, beliebt ist sie aber nicht. Dabei gibt es funktionierende Beispiele.

Mühldorf – Wie schwierig der Umstieg auf Fernwärme ist, zeigt ein Blick in das neue Wohngebiet an der Eichkapelle in Mühldorf. Es gibt aber auch Gegenbeispiele in der Stadt. Die Straßen im großen neuen Baugebiet an der Eichkapelle sind schon gut erkennbar. Hier und da liegen noch Gasrohre auf dem Kies, die meisten sind aber bereits unter der Erde verschwunden.

Der Krieg in der Ukraine und die Sorge um eine zukunftsfähige Energieversorgung können daran nichts mehr ändern, sagt Stadtbaumeisterin Birgit Weichselgartner, wenn man sie nach einer zentralen Fernwärmeversorgung für das kompakte neue Wohngebiet fragt. „Wir müssten alles wieder aufgraben.“

Kunden wollen Anbieter wählen

Aber nicht nur der Baufortschritt bremst eine alternative Energieversorgung in diesem Bereich, das zeigt ein Blick in die vergangenen Monate. Denn die Erschließung des Bereichs durch Fernwäre war durchaus ein Thema, Dr. Georg Gafus hatte es zu Beginn der Planungen im Stadtrat eingebracht. Doch die Käufer wollten nicht, sagt Weichselgartner, die Stadt legte die Überlegung schnell zu den Akten. .

Das bestätigt auch Stadtwerkechef Alfred Lehmann. Sein Unternehmen versorgt bereits einige städtische Gebäude mit Fernwärme.

Einige Kunden lehnen Fernwärme ab

Zwei Gründe nennt Lehman für die bisherige Abneigung der Kunden gegen Fernwärme. „Mit Fernwärme bin ich als Kunde gebunden“, sagt Lehman. Kunden seien an einen Anbieter gebunden, nämlich den, der das Heizwerk betreibe. Der Wechsel zu einem vermeintlich billigeren Versorger wie bei Strom, Gas oder Versicherungen heute häufig üblich, wäre dann für einen längeren, festgelegten Zeitraum nicht möglich. Außerdem seien die Kunden an Fernwärme gebunden, sagt Lehmann, denn es gebe in den Häusern und Wohnungen keine Heizkessel mehr, sondern nur noch Übernahmestationen.

Die Stadtwerke als Anbieter kämen auch bei einer Fernwäreregelgung aus der Gasfalle derzeit nur schwer heraus. Aktuell bietet das Mühldorfer Unternehmen zwar durch seine Tochter Evis in der Altstadt und in Mühldorf Nord Fernwärme an. Die dafür nötigen Blockheizkraftwerke befeuert die Evis aber mit Gas. Nur in Chieming betreibt der Gastversorger eine Hackschnitzelfernwäreanlage.

Deren Betrieb in einem Wohngebiet hält Lehmann für schwierig: „Wir haben die großen Themen Anlieferung und Emission“, sagt er. Er sagt aber auch: „In dieser Situation muss man sich neu aufstellen.“

Kleines Fernwärmenetz in Mühldorf Nord

Das hat die Firma BHC Baubetreuung getan. Sie hat an der Egglkofenstraße in den letzten Monaten ein kleines Wohngebiet entwickelt. 21 Wohnungen mit Betreuungsangebot für alte Menschen, 13 Doppelhäuser und ein Büro- und Arztpraxengebäude mit zehn Einheiten werden mit Fernwärme versorgt.

BHC versorgt ein kleines Wohngebiet

Im Keller des Bürohauses arbeiten zwei von einander getrennte große Pelletsheizungen. Sie erzeugen die Wärme, mit der die Häuser, Wohnungen und Büros des Quartiers versorgt werden. „Die beiden Pelletsöfen laufen simmultan, damit man immer ein Back up hat“, sagt BHC-Geschäftsführer Thomas Trettenbacher. Fällt ein Sytem aus, heizt das andere weiter. So sei die Versorugungssicherheit gewährleistet.

Sein Unternehmen wollte weg von Öl und Gas und gleichzeitig eine zentrale Lösung. „Um die können wir uns sehr gut kümmern“, sagt der Geschäftsführer, besser als zum Beispiel um einzelne Wärmepumpen, die ebenfalls eine Alternative zu Öl und Gas darstellen. „Wir wollten innovativ sein und uns Know How für die Zukunft verschaffen.“

Vertrag läuft auf zehn Jahre

Mieter und Käufer, sagt Trettenbacher, hätten keine Bedenken geäußert, es habe keine Schwierigkeiten gegeben, alle anzuschließen. Die Kunden sind jetzt auf zehn Jahren an die Wärmelieferung von BHC gebunden, so sieht es der Vertrag vor. „Danach werden wir eine neue Entscheidung treffen.“

Auch der Landkreis setzt auf Fernwärme, er will künftig mit einem Hackschnitzelwerk in Mühldorf eigene Gebäude, einen Kindergarten der Stadt und das Krankenhaus heizen.

Erdwärme aus Polling

In der Gemeinde Polling laufen Vorarbeiten für die Erschließung von Erdwärme im Ortsteil Weiding. Von der will nach Angaben von Mühldorf Bürgermeister Michael Hetzl auch Mühldorf profitieren: über die Stadtwerke, die als Fernwäreversorger auftreten könnten. Für Stadtwerkechef Lehmann eine Chance: „Wenn wir die Möglichkeit bekommen, werden wir uns nicht verschließen.“

Eine schnelle Lösung innerhalb der nächsten zwei Jahre wird das aber nicht sein. Denn die Vorarbeiten in Weiding haben erst begonnen.

Das gute Beispiel Waldkraiburg: Geothermie für ein Viertel der Haushalte

Die Stadt Waldkraiburg betreibt über die Stadtwerke schon seit vielen Jahren ein Fernwärmenetz, gespeist aus Geothermiewärme, die sie in der Nähe des Innkanals in gut 2700 Metern Tiefe gewinnt. 2012 wurden die ersten Kunden angeschlossen, seitdem wächst das Fernwärmenetz in der Stadt jährlich. „Wir versorgen inzwischen 25 Prozent der Haushalte in der Stadt“, sagt Stadtwerkechef Herbert Lechner.

Das sind etwa 3200 Kunden, unter denen alle städtischen Einrichtungen wie das Rathaus oder das Haus der Kultur sind. „Außerdem vor allem Mehrfamilienhäuser, weil sich da die Kosten für den Anschluss eher rechnen.“ Kaum am Netz sind Industrie- und Gewerbebetriebe, weil es dort noch kein Netz gibt.

Investitionen von 29 Millionen Euro

Über 29 Millionen Euro haben die Stadtwerke bislang von der Bohrung bis zum Hausanschluss investiert. „Das kostet viel Geld“, gibt Lechner zu, ist aber sicher, dass der Ukrainekrieg weitere Bewegung in die Anschlussbereitschaft von Privatleuten und Firmen bringt. „Wir denken über eine zweite Bohrung nach“, sagt er. An denursprünglichen Zeitplan dafür, die 2030er Jahre, glaubt Waldkraiburgs Stadtwerkechef aber nicht mehr. „Das werden wir wohl überdenken“, sagt er und wahrscheinlich früher anfangen. „Denn die Nachfrage steigt.“ Auch, weil die Stadtwerke den günstigeren Preis gegenüber Gas anbieten.

Auch der Landkreis setzt auf Fernwärme, er will künftig mit einem Hackschnitzelwerke eigene Liegenschaften heizen, in der Gemeide Polling laufen Vorarbeiten für die Erschließung von Erdwärme in Weiding.

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