Feilschen in der Dunkelheit

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"Alles wird verkauft": Wolfgang und Christa Hohenester aus Wörth (links) verkaufen die über 15 Jahre gesammelten Benzinfeuerzeuge.

Mühldorf - Milde Temperaturen und über 150 Verkaufsstände lockten am Samstagabend beim Nachtflohmarkt unzählige Besucher auf den Stadtplatz.

Bevor es losgeht, heißt es Warten. Im Stau. Punkt 17 Uhr räumen endlich die Helfer der Mößlinger Feuerwehr am Nagelschmiedturm die Absperrung zur Seite, dann beginnt die Suche nach dem besten Platz. Dabei gelten auf einem Nachtflohmarkt eigene Gesetze: Wer seinen Tapeziertisch unter unter Straßenlaterne aufstellt, ist später in der Dunkelheit klar im Vorteil. Noch bevor die letzten Kartons ausgepackt sind, schlägt die Stunde der Profis. Mit Ruckscack und geschultem Blick hasten sie von Tisch zu Tisch. Handys? Playmobil? Emailschilder? Kurze Fragen, weiter geht"s. Der Andrang ist groß und Organisator Georg Preitenwieser begeistert: "Man sieht, dass sich das Angebot etabliert und immer mehr Besucher hierher kommen." Auch die Zahl der Verkäufer hat zugenommen: Waren es beim letzten Nachtflohmarkt am Stadtplatz noch 115 Stände, kassiert Preitenwieser diesmal rund 150 Verkäufer ab. Fünf Euro kostet der laufende Meter, doch das Standgeld ist schnell verdient. Denn die Geschäfte gehen vor allem in den frühen Abendstunden gut.

Auch am Stand von Christa und Wolfgang Hohenester drängen sich die Besucher. Die beiden sind aus Wörth an der Isar nach Mühldorf gekommen, um hier alte Benzinfeuerzeuge zu verkaufen. Nicht ganz freiwillig: Ein Umzug und weniger Platz im Wohnzimmer hat die Sammelleidenschaft von Wolfgang Hohenester abrupt beendet: "15 Jahre habe ich gesammelt, über 300 Stück hatte ich zu Hause. Da blutet bei dem einen oder anderen Stück natürlich das Herz, wenn es über den Ladentisch geht." Doch der Entschluss steht fest: "Alles wird verkauft. Ich behalte kein einziges Feuerzeug." Wer keine Straßenlaterne erwischt hat, versucht inzwischen mit Teelichtern zu beleuchten, was es zu verkaufen gibt. Gemütlich und entspannt geht es zu. Und am Stand von Wilfried Pfeffer schwelgt so mancher Besucher in Erinnerungen. Pfeffer hat sein Grammofon von 1910 in Gang gesetzt, Manfred Heidmann singt "Wie schön Du bist". Es knistert und knackt, fernab von CD-Player und MP3-Spieler, die nur wenige Meter weiter vorn angeboten werden.

100 Euro will Pfeffer für den Plattenspieler der ersten Stunde. "Wir sind erst vor acht Wochen von Wittenberg hierher gezogen, haben uns von 240 auf 140 Quadratmeter verkleinert. Da muss so manches Erbstück aus dem Haus", erzählt er. Interessenten gab es schon genug, doch verkauft hat er das Grammofon bisher nicht. Noch ist Zeit. Offiziell bis 23 Uhr, auch wenn hier und dort die ersten ihren Kofferraum schon zwei Stunden früher wieder vollladen. Und obwohl mancherorts Taschenlampeneinsatz gefragt ist, haben die Besucher die Hoffnung auf ein Schnäppchen noch längst nicht aufgegeben. Franz Bichlmeier aus Altmühldorf hat seines schon gemacht. Ein 30, 40 Jahre alter Eisstock hat es ihm angetan. "7,50 Euro: Da kann man nichts verkehrt machen." Und im Winter kommt das gute Stück zu Hause auf dem Schwimmteich zum Einsatz. Das Publikum hat im Lauf der Stunden gewechselt: Die Familien sind längst zu Hause, nun schlendern Ehepaare und Nachtschwärmer über den Markt. Nach wie vor wird viel gelacht und viel gefeilscht, bis es schließlich heißt: abbauen, einpacken, heimfahren.

ha/Mühldorfer Anzeiger 

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