Die faire Konfliktlösung

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Ein Streit muss nicht immer vor dem Amtsgericht enden. Dafür setzen sich Mediatoren ein.

Mühldorf - In der Schule, in der Familie, im Beruf: Wo immer es zu Konflikten kommt, können Mediatoren zur Lösung beitragen. Ziel der Mediation ist es, dass sich am Ende alle Beteiligten noch in die Augen schauen können.

Während in anderen Ländern die Mediation längst zum juristischen Alltag gehört, steckt sie in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Rechtsanwältin Catrin Henke aus Unterreit war vor über zehn Jahren eine der ersten Mediatorinnen in der Region: "Ich hatte viel mit Scheidungsfällen zu tun. Oft gab es böses Blut, fast immer Tränen." Als Anwältin waren ihr stets die Hände gebunden, sie musste parteiisch sein - bis in einem Gerichtsverfahren über Gewinner und Verlierer entschieden war.

Genau das soll im Rahmen der Mediation verhindert werden. Im Zentrum steht nicht die Frage der Schuld, sondern die Suche nach einer Lösung für die Zukunft. Der Mediator übernimmt dabei die neutrale Rolle des Vermittlers. Gemeinsam legen die Beteiligten in mehreren Sitzungen ihre Interessen, Wünsche und Bedürfnisse dar und finden im Idealfall eine einvernehmliche Regelung. Diese Vereinbarung kann dann von einem Rechtsanwalt formuliert und von einem Notar beurkundet werden.

"Eine erfolgreiche Mediation spart Zeit, Geld und Nerven", erklärt Rechtsanwalt Michael Seidel aus Waldkraiburg, der seit rund vier Jahren als unabhängiger Vermittler arbeitet und einem regionalen Mediatoren-Netwerk angehört, das sich in Dorfen gegründet hat. "Beide Parteien haben es während des Verfahrens selbst in der Hand, wie teuer es wird. Während der Anwalt in einem Scheidungsfall nach der Höhe des Streitwerts bezahlt wird, fallen bei der Mediation Stundenhonorare an."

Nicht zuletzt entlasten Mediationsverfahren die Gerichte. Deshalb besteht zum Beispiel in den Vereinigten Staaten oder in Kanada bei Scheidungsfällen die Pflicht zur Mediation. Die Gerichte werden nur tätig, wenn die Mediation scheitert. Am Amtsgericht Mühldorf hat man bisher noch keine Erfahrungen mit dem Thema Mediation. Das könnte sich aber schon bald ändern. "Zum 1. September tritt das neue Familienrecht in Kraft. Darin heißt es unter anderem, dass das Gericht ein Mediationsverfahren anordnen kann", erklärt der Direktor des Amtsgerichts Ralf Peter.

Neben Scheidungsfällen eignen sich auch andere Bereiche für die Mediation. Im Wirtschaftsleben regeln beispielsweise große Autobauer Konflikte mit Zulieferfirmen über Mediatoren. "Streit hin oder her: Beide Parteien, also Unternehmen und Zulieferer, sind doch auch in Zukunft aufeinander angewiesen", erklärt Michael Seidel. Mediation kann darüber hinaus bei Nachbarschaftskonflikten, Streit am Arbeitsplatz, Unterhaltsfragen oder Erbauseinandersetzungen eingesetzt werden.

Das Feld der Mediation ist längst nicht auf Juristen beschränkt, so bieten unter anderem die Sozialpädagogin Ulrike Lorenz und die Steuerfachfrau Marianne Berndl seit Anfang März mit einer eigenen Beratungsstelle ihre Mediatorendienste in Altötting und Mühldorf an.

Noch ist die Zahl der Einsätze in der Region überschaubar. "Von der Mediation alleine könnte ich nicht leben. Geld ist im Moment vor allem in der Mediatorenausbildung verdient", erklärt Michael Seidel. Doch Catrin Henke glaubt an den baldigen Durchbruch: "Die Idee einer fairen Konfliktlösung hat schon ganz objektiv mehr Charme als ein Gerichtsprozess. Und in den Kindern und Jugendlichen, die in der Schule mit Streitschlichtern zu tun haben, wächst großes Potenzial heran." ha

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