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Es kommt Bewegung in die Sache

Wirtshaussterben in Erharting: Viel ungenutztes Potenzial –und wieder Hoffnung für den Pauliwirt

Der Bäckerwirt, der zur Brauerei Erharting gehört, ist schon seit Herbst 2016 ohne Pächter.
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Der Bäckerwirt, der zur Brauerei Erharting gehört, ist schon seit Herbst 2016 ohne Pächter.

Viel Potenzial und nichts geht: Bäckerwirt ohne Pächter, im Sommerkeller fließt das Bier nur bei schönem Wetter und auf der Homepage vom Pauliwirt heißt es seit Monaten: „Bitte beachten: Unser Biergarten/Restaurant ist aufgrund von Personalmangel vorübergehend geschlossen.“ Doch das ist bald Geschichte.

Erharting – Ab Januar übernimmt Eigentümer Klaus Heimeldinger wieder das Ruder beim Pauliwirt. Zur Erinnerung: Im September vergangenen Jahres hatte er den Gasthof an die „Non-Stop Hotel Group“ verpachtet. Die Pächter Milosch Fürst und Frederik Lange hatten hochmotiviert begonnen, das gesamte Team sollte bleiben. Doch mit dem zweiten Corona-Lockdown wurde die Situation schwieriger. Das Hotel blieb offen, die Küche wurde kalt. Jetzt kommt aber wieder Bewegung ins Spiel.

„Kleine Brötchen backen“ und langsam wieder wachsen

Schon seit Wochen gibt es Gerüchte, der Eigentümer wolle gegensteuern. Am vergangenen Wochenende setzten sich dann Heimeldinger und die Pächter zusammen. Was er schon sagen kann: Am 12. Januar wird der Gastrobetrieb wieder aufmachen.

Vier Tage die Woche, von Mittwoch bis Samstag, können die Gäste dann wieder im Restaurant essen. Küchenchef wird Wolfgang Enzinger. Anfangen will Heimeldinger mit einem kleinen Team, „kleine Brötchen backen“ und dann langsam weiter wachsen. Wie es mit dem Hotel weitergehe, sei vertraglich noch nicht fixiert. Aber auch hier soll es ab dem 1. Januar einen Wechsel geben: „Es ist dann beides wieder in meiner Hand“, so Heimeldinger.

Vier Tage Gastrobetrieb ist besser als gar nix

„Ein kleiner Lichtblick“, freut sich Bürgermeister Mathias Huber, der auch Chef des hiesigen Wirteerhaltungsvereins (WEV) ist. Der hatte bereits vor Corona versucht, tatkräftig gegenzusteuern. Nicht mit Worten oder Konzepten, sondern ganz konkret – mit Feiern. „Wir haben geschaut, dass beim Pauliwirt Veranstaltungen stattfinden.“ Schließlich solle der ortsansässige Wirt sein Geschäft machen, betont er. So gab es Haxngrillen am Vatertag, Starkbierfest, Oldtimertreffen und etwa den Faschingsball. Und der Verein selbst hielt ebenfalls beim Pauliwirt Frühschoppen ab.

Ab Mitte Januar übernimmt Klaus Heimeldinger den Pauliwirt.

Natürlich würde er sich wünschen, dass auch beim Bäckerwirt wieder das Licht angeht, mache sich aber keine Illusionen. Einen Pächter zu finden, sei schwer. Das können Amelie und Marlies Röhrl von der Erhartinger Brauerei nur bestätigen. Ihnen gehört der Bäckerwirt. „Schon vor Corona waren immer weniger Menschen bereit, sich in der Gastro selbstständig zu machen.“ Unpopuläre Arbeitszeiten, schwierige Personalsituation, das Selbstständigsein mit den schwer planbaren Umsätzen und dann noch die ganzen Verschärfungen durch Corona. „Wirt sein muss man wirklich leben. Das Herz muss für die Gastronomie schlagen“, weiß Marlies Röhrl.

Pächter zu finden ist eine Sysiphusarbeit

Pächter sind das eine, der Erhalt der Gebäude das andere. Der Bäckerwirt steht seit Herbst 2016 leer, die Gaststätte in Engfurt, das ebenfalls den Röhrls gehört, seit 2018. Anders ist es im Sommerkeller, wo das Bier nur im Sommer fließt. „Die Gebäude für die Wintergastronomie zu ertüchtigen, ist wirtschaftlich nicht darstellbar“, sagt Marlies Röhrl. Das Gebäude verfüge nicht einmal über eine Heizung. Der erste Stock ist ohnehin gesperrt. Aber der Biergarten läuft, und so soll es auch bleiben“, betont die Bräuin.

Biergartenbetrieb hat sich gelohnt

Dass Corona generell ein Brandbeschleuniger für das Wirtshaussterben ist, bekommt auch Sommerkellerwirtin Ingrid Schwab von vielen Gästen mit. „Wenn die Radler bei uns einkehren, reden sie oft darüber, welcher Wirt auf ihrer Radltour zumachen musste.“ Sie hingegen kann nicht klagen: „Wir hatten im Sommer volles Haus“, so die Wirtin die bei niedrigen Inzidenzwerten auf und bei hohen wieder zusperrte. „Ich habe fast schon ein schlechtes Gewissen gegenüber den Wirtsleuten, die ganzjährig offen haben.“

Vereine kümmern sich selbst um Essen und Trinken

Erharting hat fast doppelt so viele Vereine wie Betriebe, und die nehmen ihre Feste gern selbst in die Hand. So wirkt auch die Schützengesellschaft „Dornberg“ dem Wirtshausnotstand entgegen. Wenn es die Corona-Maßnahmen zulassen, ist das Schützenheim am Mittwoch für jedermann geöffnet, für Trainings und Wettkämpfe sowieso. „Im Stüberl haben 50 Leute Platz, zwölf an der Theke“, erzählt Johann Stockmann von der Schützengesellschaft.

Schanktheke im Netz ersteigert

Man könne die Bestuhlung bis auf 199 erweitern. Die Schanktheke hat er vor Jahren online ersteigert, in St. Pauli abgebaut und in Erharting eigenhändig wieder aufgebaut. Gekocht wird hier gerne mal Wild und Fisch und auch für Feiern kann man das Heim buchen. Im Sommer ist das Sportlerheim jedoch zu: „Da trifft man sich eben im Biergarten.“

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