Netto: Offene Diskussion gefordert

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Seit Wochen ein Dauerthema: Gisela und Günther Gassner machen sich zusammen mit Marcus Wendlinger (rechts) Gedanken über das Netto-Logistikzentrum.

Erharting - Nun regt sich auch auf Mühldorfer Seite Widerstand gegen das geplante Netto-Logistikzentrum an der Nordtangente:

Mit zwei Briefen haben sich die Bewohner aus Hart an die Mühldorfer und Erhartinger Stadt- und Gemeinderäte gewandt.

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„Das hätten wir uns natürlich nicht träumen lassen, als wir damals unser Haus gekauft haben“, sagt Gisela Gassner. Damals, vor über 20 Jahren, war Hart ein fast einsamer Fleck im Nordosten der Stadt – mit ein paar Häusern und Höfen zwischen dem Innkanal und den beiden aufgelassenen Kiesgruben. Heute ragt Richtung Süden der Fliegl-Bau in die Höhe, der Verkehrslärm der Nordtangente schwappt in die Harter Gärten – und die Aussichten werden nicht besser. Es sind nur ein paar Hundert Meter vom Haus der Gassners zum geplanten Standort des Netto-Logistikzentrums, das auf Erhartinger Grund entstehen soll.

„Selbstverständlich ist uns klar, dass wir kein Recht auf einen unverbauten Blick aus dem Wohnzimmer haben“, weiß auch Nachbar Marcus Wendlinger. „Aber bei Projekten dieser Dimension kann man nicht einfach zuschauen, wie sie von den Gremien durchgewunken werden, ohne dass darüber ernsthaft diskutiert wird.“

Das wünschen sie sich: eine Debatte mit Augenmaß, Fingerspitzengefühl – und harten Fakten. „Da wird fröhlich über die Zahl der Arbeitsplätze und mögliche Gewerbesteuereinnahmen spekuliert. Und am Ende wird es heißen: ‚Da haben wir uns wohl verschätzt‘“, glaubt Günther Gassner.

Aber es ist nicht allein das fehlende Vertrauen in das Unternehmen „Netto“, das ihn und seine Frau umtreibt; es ist auch die in ihren Augen mangelhafte Kommunikationspolitik von Seiten der Stadt. „Ein schlecht kopierter Aushang im Schaukasten am Rathaus mag ja den gesetzlichen Bestimmungen genügen, bürgerfreundlich ist das nicht“, moniert Gisela Gassner.

Nachbar Wendlinger geht ins Detail: "Warum werden die Pläne denn nicht zusätzlich im Internet veröffentlicht? Und warum gibt es bei Projekten in dieser Größenordnung keine 3D-Aufnahmen, damit sich jeder ein passendes Bild von den Ausmaßen machen kann? Sonst wollen die Stadt und der Landkreis doch auch immer so innovativ sein."

Nun hoffen alle drei auf einen Bürgerentscheid in Erharting, auch wenn sie als Mühldorfer nicht abstimmen dürften: "Dann steht am Ende wenigstens eine Mehrheitsentscheidung der Bürger."

Mit ihren Briefen wollen sie die Stadt- und Gemeinderäte nochmal zum Nachdenken bringen. Die Argumente sind im Grunde die gleichen, die auch die Erhartinger Gegner ins Feld führen: Sie reichen vom Thema Flächenverbrauch über das zunehmende Verkehrsaufkommen, die Sorge um die Biotope und das Wasserschutzgebiet bis hin zu den Auswirkungen auf die Anwohner.

Den zuständigen Erhartinger Gemeinderäten reden sie darüber hinaus ins Gewissen: "Es kann doch nicht sein, dass die Fotovoltaikanlage an der Autobahn wegen des Überstands als zu großer Einschnitt in das Landschaftsbild gewertet wird, und nun ein Gebäude abgesegnet wird, das fast so hoch wie der Kirchturm ist", erklärt Marcus Wendlinger.

Das vierseitige Schreiben der Gassners haben alle Mühldorfer Stadträte und Erhartinger Gemeinderäte bereits vor über einer Woche erhalten, quasi ohne Reaktion. Mit Ausnahme eines Erhartinger Gemeinderates hat sich bis heute niemand gemeldet. Günther Gassner schüttelt den Kopf: "Ein bisschen mehr Reaktionen hatten wir uns von den Volksvertretern eigentlich schon erhofft."

Wendlingers Brief, den alle Anlieger in der Straße unterschrieben haben, ging erst in dieser Woche raus. Er enthält unter anderem die Forderung, die Entscheidung über die Ausweitung des Mühldorfer Gewerbegebiets so lange hinauszuzögern, bis der Bürgerentscheid Fakten geschaffen hat. "Das wäre das mindeste."

ha/Mühldorfer Anzeiger

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