Erstmals sitzt eine Frau im Gemeinderat

Sie ist das historische Ereignis in Erharting

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Mit Stefanie Gansmeier zieht erstmals eine Frau in den Erhartinger Gemeinderat ein. Mit 639 Stimmen wurde sie sogar Stimmenkönigin.
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Erharting - Zum ersten Mal überhaupt sitzt im Erhartinger Gemeinderat eine Frau: Stefanie Gansmeier. Stimmenkönigin wurde die 30-Jährige gleich auch noch.

Die Kommunalwahl hat die politische Landschaft in Erharting ordentlich durcheinandergewirbelt. Nicht nur, dass Bürgermeister Georg Kobler als alleiniger Kandidat auf gerade einmal knapp 55 Prozent der Stimmen gekommen ist. Seine Liste, die Unabhängige Wählergruppe Erharting, stellt auch nur drei von acht Gemeinderäten. Die anderer fünf Gemeinderatsmitglieder kommen von der Liste "FWG Erharting/Wählergruppe Isengau" und eine von ihnen ist Stefanie Gansmeier. Die 30-Jährige ist die erste Frau überhaupt in dem Gremium.

Stimmenkönigin statt "Ach und Krach"

Ihr Freund habe schon damit gerechnet, dass sie in den Gemeinderat kommt, und ihr Vater auch, erzählt Gansmeier im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie selbst sei eher nicht davon ausgegangen, "und wenn, dann mit Ach und Krach." Von Ach oder Krach kann nun keine Rede mehr sein, denn die 30-Jährige hat mit 639 Stimmen die meisten Stimmen aller Kandidaten verbucht. Selbst ihren Listenkollegen Richard Stefke, der sich bei den Protesten gegen das Netto-Logistikzentrum einen Namen gemacht hatte, verwies sie auf Rang zwei (620 Stimmen).

Gansmeier findet, die Zeit ist längst reif für Frauen in der Politik - auch auf lokaler Ebene. "Wenn man will, dass sich etwas verändert, muss man sich der Wahl stellen", findet die 30-Jährige. Dass sich auch in Erharting eine Frau der Wahl stellt, hat sogar die Süddeutsche Zeitung bemerkt. Das Blatt berichtete rund eine Woche vor der Wahl in einem halbseitigen Artikel über Erharting, den Konflikt um das Netto-Logistikzentrum - und natürlich über Gansmeiers Kandidatur.

Die 30-Jährige war seinerzeit gegen das Logistikzentrum, hat sich aber, anders als etwa Stefke, nicht aktiv gegen das Bauvorhaben engagiert. Überhaupt sei das Logistikzentrum gar kein so großes Thema mehr in der Gemeinde. "Es ist so, jetzt müssen wir das Beste daraus machen", sei der Tenor, erzählt Gansmeier. Dennoch ist die 30-Jährige davon überzeugt, dass der Konflikt um Netto bei der Wahl eine Rolle gespielt hat - und eben der Bericht in der Süddeutschen, in dem auch Kobler zu Wort gekommen war. "In dem Bericht war der Bürgermeister schon etwas frauenfeindlich. Das kommt vielleicht zu Netto dazu", sagt Gansmeier.

Vielfalt im Gemeinderat als Chance

Beide Seiten, Kobler und die neuen Gemeinderäte um Gansmeier, müssen sich nun zusammenraufen. "Ich hoffe, dass sich der Bürgermeister mit einer Frau arrangieren kann", sagt die 30-Jährige, die die neue Zusammensetzung des Gemeinderats durchaus positiv sieht. "Ich finde wichtig, dass es bunt gemischt ist, Alt und Jung, Männer und Frauen." Sie selbst beispielweise kriege die Probleme der jungen Familien mit, könne die Dinge dadurch aus einem anderen Blickwinkel betrachten als andere Gemeinderäte. Im Gemeinderat säßen nun sehr unterschiedliche Leute. "Das birgt auch eine Chance. Ich hoffe auf eine gute Zusammenarbeit."

In der Gemeindepolitik wünscht sich Gansmeier mehr Transparenz. "Das wünschen sich viele in Erharting und ist mir auch ein persönliches Anliegen." Außerdem müsse die Gemeinde näher dran sein an den jüngeren Familien, findet Gansmeier, selbst Mutter eines zweijährigen Sohnes und einer vierjährigen Tochter.

Wird sie die nächste Bürgermeisterkandidatin?

Ob sie in sechs Jahren vielleicht sogar für das Bürgermeisteramt in Erharting kandidieren wird, lässt Gansmeier offen. "Ich habe die Erfahrung nicht und weiß nicht, wie es sich in den nächsten Jahren entwickelt", so Gansmeier. Im Gemeinderat seien nun viele Leute drin, die sie "unheimlich gerne" als Bürgermeister sehen würde. Angesichts ihres guten Wahlergebnisses würde sich Gansmeier im Falle einer Kandidatur durchaus Chancen ausrechnen. "Das muss ich fast, wenn ich das Ergebnis sehe." Auch Richard Stefke, Zweiter in der Wählergunst bei der Gemeinderatswahl, wäre für Gansmeier ein gute Kandidat. "Das Zeug dazu hätte er." Das sehen offenbar auch die Wähler so. Viele Erhartinger nutzten bei der Bürgermeisterwahl das freie Feld für den Alternativvorschlag, mehrere Bürger bekamen so, ohne aufgestellt zu sein, Dutzende Stimmen - alleine 60 davon entfielen auf Stefke.

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