Entlaufene Kuh ist für Abschuss freigegeben

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Zangberg - Nachdem es am Freitag durch die entlaufene Kuh zu einer Verkehrsgefährdung auf der Staatsstraße gekommen ist, hat das Landratsamt reagiert: Die Kuh ist jetzt für den Abschuss freigegeben.

Bis gestern versuchten Tierschützer von Gut Aiderbichl das Rindvieh lebend zu fangen, um damit dem Abschuss zuvorzukommen. Ein Wettlauf gegen die Zeit.

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Die Verkehrsschilder mahnen auf der Staatsstraße von Zangberg nach Oberbergkirchen seit Freitag ein langsameres Fahren an. Bis auf 30 Stundenkilometer soll das Tempo in dem kleinen Waldstück oberhalb von Zangberg gedrosselt werden. Das Landratsamt hatte die Geschwindigkeitsbeschränkung angeordnet, wie Erich Kozel von der Unteren Jagdbehörde erklärt, nachdem die freilaufende Kuh aus Zangberg vor einem Einsatzfahrzeug einer Polizeistreife die Straße überquert hatte.

Zunächst sorgte die Freiwillige Feuerwehr Zangberg für eine Totalsperrung dieses Streckenabschnitts, bevor die entsprechenden Schilder aufgestellt wurden. Mit der Temporeduzierung erteilte das Landratsamt dann vereinzelten Jägern die Abschussgenehmigung für das Rind, das seit Ende Mai im Wald bei Zangberg lebt.

Das rief auch die Tierschützer auf den Plan. Mit 15 Leuten sind die Aiderbichler seit Freitag aktiv und wollen das Tier, das inzwischen den Namen Yvonne trägt (siehe Kasten), einfangen - bevor es vom tödlichen Schuss eines Jägers getroffen wird. Ein Nylonzaun sollte entlang der Straße das Revier des Rindes eingrenzen. Drei Männer mit Betäubungsgewehren lauern seit drei Tagen an der Staatsstraße, um die Kuh aus dem Verkehr zu ziehen und lebend zur Aiderbichl-Niederlassung bei Deggendorf zu transportieren.

Die Kuh, die ein Reh sein wollte

"Unsere Leute durchkämmen den Wald, um die Kuh in unsere Richtung zu treiben, weitere Hilfskräfte warten entlang des Zauns auf der Straße und geben dann das Signal für die Schützen", klärt Hans Wintersteller, Gutsverwalter in Aiderbichl und Koordinator der Rettungsaktion in Zangberg auf. Hunderte Male sei man mit dieser Methode bereits erfolgreich gewesen.

In Zangberg hatten die Ehrenamtlichen aber bislang kein Glück. Am Samstag, gegen Mittag, seien sie knapp davor gewesen, die Kuh außer Gefecht zu setzen. Doch zwei Jugendliche aus dem Ort hätten das Tier gejagt, verschreckt sei die Kuh über den Zaun gesprungen und über die Staatsstraße geflüchtet, um Schutz im dichten Wald zu suchen, ärgert sich Wintersteller. Er und seine Helfer wollen den Spuren entnommen haben, dass die Kuh in der Nacht auf Sonntag wieder zurück in ihr Revier bei Taubenthal gewechselt sei. Von der Kuh war gestern aber zunächst nichts zu sehen.

Wie in den Tagen zuvor verharrten die Tierschützer seit 6 Uhr früh an der Staatsstraße und durchkämmten den Wald.Gut Aiderbichl war aufgrund der Berichterstattung auf die Kuh aufmerksam geworden und hat inzwischen das entlaufene Rind dem Bauern aus Aschau am Inn abgekauft, der sich in den zurückliegenden neun Wochen nicht einmal um den Verbleib seines Rindviehs gekümmert hatte.

Immer wieder ernten dieTierschützer aufmunternde Worte von vielen passierenden Autofahrern: "Viel Glück", heißt es meistens. Doch mussten sich die Tierschützer auch beschimpfen lassen. Dass sie einen Vogel hätten, kommentierte ein Fahrzeuglenker beim Vorbeifahren die aufwendige Aktion.

Gestern gegen Mittag plötzlich ein Zeichen. Einer der Überwachungsposten will im Dickicht Bewegung erkannt haben. Doch der herbeigeeilte Veterinär mit der Betäubungswaffe wiegelt ab. "Nur Farn, der sich im Wind bewegt."

Doch die Aiderbichler gaben nicht auf, die Suche nach Yvonne ging noch bis Einbruch der Dunkelheit weiter. Dreimal hat man sie gestern Nachmittag noch gesichtet. Diesmal bei einem Waldstück bei Salmanskirchen. Leiser Optimismus machte sich breit. "Wenn wir sie heute nicht fassen, machen wir morgen weiter. Wir geben nicht auf", sagt Koordinator Hans Wintersteller. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn die Abschusserlaubnis für die Kuh bleibt bestehen.

je/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © je

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