Energiesparen in der Gemeinde

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Günther Knoblauch forderte im Haberkasten eine Rekommunalisierung der Energieversorgung. Bei der Tagung von links: Landrat Georg Huber, Regierungspräsident Christoph Hillenbrand und Bürgermeister Günther Knoblauch.

Mühldorf - Großen Handlungsbedarf sieht Regierungspräsident Christoph Hillenbrand bei den Kommunen beim Energiemanagement. Das wurde bei einer Tagung der Regierung von Oberbayern in Mühldorf ersichtlich. 

"Energiemanagement und Klimaschutz in der Gemeinde" war das Thema einer Tagung der Regierung von Oberbayern im Mühldorfer Haberkasten. Regierungspräsident Christoph Hillenbrand sieht bei den Kommunen beim Energiemanagement noch großen Handlungsbedarf. Er ist davon überzeut, mit diesem Instrumentarium die kommunalen Haushalte zu entlasten und gleichzeitig den Effekt Klima und Umwelt zu schonen. "Bereits einfache Maßnahmen ohne größere Investitionen ermöglichen erhebliche Einsparungen. Ein umfassendes Energiemanagement kann den kommunalen Energieverbrauch sogar um ein Drittel verringern", sagte Hillenbrand im Haberkasten.

Bürgermeister Günther Knoblauch sieht das Thema Energieeinsparung als Aufgabe der Gemeinden im eigenen Wirkungskreis. Er stellte fest, dass der Druck auf die kleinen kommunalen Versorger seitens der großen Energieversorger ständig zunähme. Knoblauch forderte im Haberkasten eine Rekommunalisierung der Energieversorgung. "Ohne Zusammenarbeit in der Energiewirtschaft und breitem Einstieg in die Stromerzeugung können die Kommunen ihren Versorgungsauftrag nicht erfüllen. Die Bürger sind dann die Verlierer", betonte der Bürgermeister.

Diese Rekommunalisierung will Knoblauch dadurch erreichen, dass mehr Energieerzeugung von Strom und Wärme in die kommunale Hand kommt: "Türöffner sind dazu kreative, kommunale Kooperationen." Er verwies auf die Zusammenarbeit der Kommunen auf die Energieversorung Inn-Salzach (EVIS). "Wir haben in diesem Jahr die kommunalen Energienetze Inn-Salzach gegründet, dort vermarkten wir Erdgas und werden auch Strom anbieten. Sieben Gemeinden gehören der EVIS an", erklärte Knoblauch. Die Energienetze Inn-Salzach übernehmen für die Kunden Finanzierung, Planung, Bau, Betrieb und die Energielieferung. "Damit bieten wir den Bürgern ein umfassendes Angebot in kommunaler Hand. Dies ist der Weg in die Zukunft", ist sich Knoblauch sicher.

Herbert Hoch, Geschäftsbereichsleiter am Mühldorfer Landratsamt, begründete, warum der Landkreis den Energieatlas erstellt habe. Im Landkreis werden derzeit im Bereich Wärmeenergie 1550 Gigawattstunden pro Jahr (GWh/a) verbraucht. Der Bestand der regenerativen Energiequellen liegt derzeit bei 71 GWh/a. Hoch sieht ein Potenzial bei den regenerativen Energiequellen von 707 GWH/a, durch Dämmung eine Einsparung von 441 GWh/a, durch die Erneuerung von Heizkesseln von 39 GWh/a und durch die Energieeinsparung von Kraft-Wärme-Kopplung von 332 GWh/a. Nach seiner Rechnung ergäbe sich ein möglicher Überschuss von 40 GWh/a. Beim Stromverbrauch, der derzeit bei 454 Gwh/a im Landkreis liegt, könnten, so Hoch, 189 GWh/a durch regenerative Energien und Energieeinsparung als Überschuss verbucht werden.

Nach seinen Worten werden im Landkreis 105 Millionen Euro an Ausgaben für fossile Brennstoffe getätigt. "Die Steigerung der Energieeffizienz ist von elementarer Bedeutung, sowohl durch verschiedene Energieeinsparpotenziale, durch Wärmeschutz, den verstärkten Einsatz der Kraft-Wärme-Kopplung als auch durch individuelles Verhalten", sagte Hoch. Auch er plädierte in seinem Vortrag für gemeinsame Lösungen der Kommunen und Landkreise.

Hoch brachte einen völlig neuen Punkt in die Diskussion ein. Er kritisierte, dass tierische Nebenprodukte als Biomasse nicht zur Energiegewinnnung aufgrund der derzeit gesetzlichen Regelungen verwendet werden können. "Durch diese wirtschaftlich nicht gerechtfertigte und fachlich nicht nachvollziehbare Regelung hat die Biomasse für die Energiegewinnung aus regenerativen Rohstoffen verloren und zwar in folgenden Größenordnungen: 1,3 Millionen Tonnen Rohmaterial, 337.000 Tonnen Proteine und 147.000 Tonnen als Fett.

Nach den Berechnungen von Hoch könnte ein Kraftwerk mit 133 Megawatt ersetzt werden. "Allein die geplante Anlage in St. Erasmus würde 30 MW erzeugen", so der Geschäftsbereichsleiter. Durch die Einbeziehung dieses Materials könnte eine Einsparung von mindestens einer Million Tonnen CO2 verwirklicht werden, die noch erheblich vervielfacht werden könnte, wenn die entsprechenden Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung versehen würde.

In weiteren Arbeitskreisen und Fachforen wurden weitere Energieeinsparungen in den Kommunen diskutiert.

sb/Mühldorfer Anzeiger

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