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Vier Männer wegen „Boystown“-Netzwerk vor Gericht

Eigene Kinder missbraucht: Der große Kinderpornoprozess in Frankfurt führt nach Mühldorf

Hinter Aktenhüllen verbirgt ein Angeklagter sein Gesicht vor dem Landgericht Frankfurt, anderen reicht eine Coronamaske als Gesichtsschutz. Als einer der Köpfe gilt ein Mann aus dem Landkreis Mühldorf.
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Hinter Aktenhüllen verbirgt ein Angeklagter sein Gesicht vor dem Landgericht Frankfurt, anderen reicht eine Coronamaske als Gesichtsschutz. Als einer der Köpfe gilt ein Mann aus dem Landkreis Mühldorf.

Sie gilt als eine der größten Kinderpornoplattformen weltweit: das Netzwerk „Boystown“ hat über eine Million Fotos und Filme von sexueller Gewalt gegen Kinder veröffentlicht. Der mutmaßliche Drahtzieher der Plattform lebte im Landkreis Mühldorf. In Frankfurt am Main startete nun der Prozess gegen ihn und drei weitere Männer.

Mühldorf – Der Schock im Landkreis war groß, als die Polizei im April 2021 bei einer Razzia in einer Gemeinde im südlichen Landkreis den 49-jährigen Alexander G. festnahm. Er soll der Verantwortliche für eine der größten Plattformen für Kinderpornografie im Darknet sein.

49-Jähriger spielte entscheidende Rolle

Am Mittwoch, den 14. September, begann der Prozess gegen ihn und drei weitere Männer vor dem Landgericht Frankfurt. Die Männer sollen im Internet die Kinderporno-Plattform „Boystown“ betrieben haben oder an ihr beteiligt gewesen sein. Zwei der Angeklagten – darunter der mutmaßliche Haupttäter aus dem Landkreis – sollen zudem selbst Kinder sexuell missbraucht haben. Der 49-Jährige aus dem Landkreis steht im Verdacht, Fotos seiner Kinder über die Plattform angeboten zu haben.

400.000 Nutzer auf der Internetplattform

Schon zu Prozessbeginn schloss das Gericht die Öffentlichkeit bei der mehrstündigen Verlesung der Anklageschrift aus, berichten Prozessbeobachter. So wurden vor allem die Teile der Anklageschrift hinter verschlossenen Türen vorgetragen, in denen konkrete Verbrechen an den Kindern beschrieben wurden.

Hinter verschlossenen Türen

Gerichtssprecher Werner Gröschel betonte, dass diese Maßnahme dem Schutz der Opfer diene. „Das hat Priorität vor dem Recht der Öffentlichkeit auf Information“, sagte er. „Zu diesen Einzelheiten der Anklageschrift können wir deshalb nichts sagen.“

Laut der Nachrichtenagentur dpa wirft die Staatsanwaltschaft den vier Männern vor, die international ausgerichtete Plattform in verschiedenen Sprachen betrieben zu haben. Sie soll den weltweiten Austausch von Abbildungen ermöglicht haben, die überwiegend den sexuellen Missbrauch von Jungen zeigten. Die vier Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft.

Über eine Million Filme und Fotos

Mehr als eine Million Forenbeiträge hat die Polizei nach eigenen Angaben im Mai 2021 gefunden, darunter Bilder und Videos, die schwersten sexuellen Missbrauch von Kindern zeigten. Die Plattform ist inzwischen geschlossen, sie hatte über 400.000 Nutzer, gegen viele von ihnen laufen auch in anderen Ländern Ermittlungen. Die Plattform soll seit 2019 bestanden haben.

Neben dem Forenbereich existierten zwei Chatbereiche, die der Kommunikation der Mitglieder untereinander und dem Austausch kinderpornografischer Missbrauchsaufnahmen von Jungen und Mädchen dienten. Für diesen Zweck waren verschiedene Sprachkanäle eingerichtet, um den Mitgliedern die Kommunikation zu erleichtern.

Vier Männer vor Gericht

Neben Alexander G. stehen ein 64-jähriger Hamburger, ein 41-jähriger Mann aus dem Landkreis Paderborn und ein 58-jähriger Norddeutscher vor Gericht, der in Paraguay, wo er seit Längerem lebt, festgenommen wurde.

Der Abend am 13. April 2021 ist vielen im südlichen Landkreis in Erinnerung. Damals stürmten Spezialkräfte das Einfamilienhaus in einem Weiler. „Er hat sich vom Dorf abgesondert, wir haben ihn nur im Auto vorbeifahren sehen“, sagen Nachbarn über den Mann, den andere auch als „bieder, brav und ruhig“ beschreiben. Heute gilt er als Kopf des Kinderschänder-Netzwerks „Boystown“.

Fotos der eigenen Kinder weitergegeben

Über das Netzwerk soll er Fotos seiner Kinder weitergegeben haben, die Chatgruppen moderiert und die notwendigen Computerserver in Moldawien mit Bitcoin bezahlt haben. Diese Verbindung wurde ihm nach derzeitigen Erkenntnissen zum Verhängnis, weil die moldawische Firma der deutschen Polizei die IP-Adresse des Computers von G. mitteilen konnte. Daraufhin schlugen die Beamten zu.

Im Landkreis waren viele entsetzt

Im Landkreis reagierten damals viele betroffen auf die Enthüllungen. So sagte Cathrin Henke, Vorsitzende des Kinderschutzbundes Mühldorf: „Dass wir eine Region der Glückseligen sind, das ist unwahrscheinlich. Solche Straftaten sind viel näher, als die meisten denken.“

Betroffene leiden ihr ganzes Leben lang

In diesem Bereich passiere „wahnsinnig viel im Verborgenen“. Wenn einer der Drahtzieher und Administratoren der kinderpornografischen Darknet-Plattformen aus dem Landkreis komme, spricht aus ihrer Sicht viel dafür, dass es auch vor Ort Missbrauchsaufnahmen für das Netz gegeben haben könnte. „Die Kinder sprechen oft Jahre nicht darüber und leiden ein ganzes Leben darunter.“

Der Prozess vor dem Frankfurter Landgericht soll bis in den November fortgesetzt werden. Ein Urteil fällt nach derzeitigem Stand nach 14 Prozesstagen am 30. November.

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