Ein dreifaches „Vivat hoch“

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Aber hoid is koit“: In perfektem Tanzschritt formieren sich die Schäffler zur ersten Figur. Die wird ab Janaur 60 mal gezeigt, Zeit für weitere Autritte gibt es.

Mühldorf - Im Januar steht der erste Aufritt bevor, die Tanzschritte und Figuren sitzen schon. Ein Besuch beim Training der Mühldorfer Schäffler.

Roter Fliesenboden, weiße, kahle Wände, Feuerwehruniformen hängen in den Spinden, auf einem Kalender an der Wand räkelt sich eine mäßig bekleidete Schöne vor einem roten Einsatzfahrzeug. Die Fahrzeughalle der Feuerwehr Altmühldorf hat so gar nichts traditionell Bayerisches. Bis die Musiker der Blaskapelle Altmühldorf in der Ecke ihre Instrumente an die Lippen setzen. "Tatata Ta Tatata Ta Tata Tata Taatatatata" - schallend klingt der Bayerische Defiliermarsch durch die Halle. "Nehm'ma no an Schluck, dann fang'ma oa", sagt Schäfflermeister Sepp Loibl und wie auf Kommando stellen die 20 Tänzer, der Fasslschlager, der Reifenschwinger und der Kronenträger ihre Flaschen zurück in die vier Weißbier-Kästen.

"Aufstellung", schallt es durch die Halle, die Schäffler gehen mit den grünen Buchsbaumkränzen in Position, der Meister mit dem Hammer voran, dann der Reifenschwinger. Gekonnt lässt er die rot-weißen Reifen durch die Finger gleiten. Darin stehen zwei Schnapsgläser - kein Milliliter der Flüssigkeit tropft ihm auf den Boden.

Seit Anfang Oktober trainieren die Schäffler, zum Teil zweimal pro Woche. Am 7. Januar steht der erste Auftritt der 150. Schäfflersaison der Mühldorfer Schäffler auf dem Programm. "Bis dahin muss jede der sieben Figuren sitzen", sagt Schäfflermeister Sepp Loibl. Er hat das Amt erst vor kurzem übernommen, nachdem sein Vorgänger Istvan Molnar nach heftigen Auseinandersetzungen zurückgetreten war (wir berichteten). Loibls Kommandos schallen durch die Halle, als täte er seit Jahrzehnten nichts anders. Und ein bisschen stimmt das ja auch. 1977 hat er das erste Mal mitgemacht bei den Schäfflern, damals als Tänzer. Heuer sind sieben der 35 Schäffler zum ersten Mal dabei.

Aber hoid is koit“: In perfektem Tanzschritt formieren sich die Schäffler zur ersten Figur. Die wird ab Janaur 60 mal gezeigt, Zeit für weitere Autritte gibt es.

Davon aber ist nichts zu spüren, als die 20 Tänzer zur ersten Figur, der Königsschlange, ansetzen. Sicher verknäuelt sich die mit den grünen Kränzen verbundene Gruppe aus Männern, und wurschtelt sich genauso sicher wieder auseinander, stets im synchronen Tanzschritt - die Konzentration zeigt sich in den Gesichtern. Genauso koordiniert vollziehen sie die Schrittfolgen beim Sommerhäusl und dem Mühlrad, das sich in viele kleine Kreise auflöst. Und genau eine Handbreit über den Kränzen lugt die kleine goldene Krone hervor, als sich die Männer zu einer der schönsten Figuren, der "Krone", formieren.

1862 tanzten die ersten Schäffler in Mühldorf und seitdem alle sieben Jahre. Seit 122 Jahren gehören sie zum TSV. Gefeiert werden soll das Jubiläum beim Trachten- und Schützenzug zum Volksfest, der dann im Zeichen verschiedener Schäfflergruppen stehen soll.

Das Fass wird in die Mitte gerollt, der Höhepunkt des Schäfflertanzes. Die Fassschlager kommen, anschließend besteigt der Reifenschwinger das Fass. Kunstvoll lässt er die beiden Ringe in den Fingern kreisen, wieder ohne einen Tropfen zu verschütten. "Vivat hoch, Vivat hoch, Vivat hoch", schallt es durch die Halle und der Reifenschwinger schmeißt das Schnapsglas in hohem Bogen auf den Boden. Jetzt ist kein Halten mehr, schallender Applaus löst die Anspannung, "Jawohl" ruft einer.

"Wenn der erste Tanz vor dem Rathaus auch so hinhaut, dann können wir zufrieden sein", sagt Sepp Loibl. Das Schwierigste sei, dass die Optik passe, alles gleichmäßig ablaufe. Seine Schäffler formieren sich zum Abmarsch, alle 20 haben die Hände exakt auf der gleichen Höhe, der Schäfflerschritt kommt im Gleichschritt. Sepp Loibl huscht ein Lächeln übers Gesicht.

Weniger zum Lächeln ist ihm, wenn er an die Tanzbestellungen denkt. Zwar sind die Schäffler für 68 Auftritte gebucht, Kapazität hätten sie aber für mindestens 100. Beim letzten Mal 2005 waren es 136 Tänze. Nicht nur Behörden oder Unternehmen auch Nachbarschaften könnten Bestellungen aufgeben, meint er. Umso zahlreicher die Auftritte, umso schöner wird auch der Schlusstanz am Faschingsdienstag in Tüßling, Ampfing, Buchbach und schließlich beim Brunnwiesler-Stammtisch.

nl/Mühldorfer Anzeiger

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