Fischer schaufeln für mehr Nachwuchs

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Eine Heimat für den Laich: Mitglieder des Bezirksfischereivereins nahmen am Samstag Schaufeln und Rechen zur Hand.

Mühldorf - „Dramatisch“ nennt Hans Salfer das, was sich im Inn abspielt. 1978 habe der Bezirksfischereiverein Mühldorf-Altötting noch 12.000 Äschen gefangen, vor sechs Jahren waren es gerade einmal 15 Stück

"Ähnlich verhält es sich mit den Nasen", erklärt der Zweite Vorsitzende, der am Samstag seine Mitglieder zu einer ungewöhnlichen Aktion zusammengetrommelt hat. Mit Schaufeln, Spaten und Rechen machten sich die Fischer auf, um für die so genannten Kieslaicher wieder optimale Bedingungen zu schaffen: Mitten in der Strömung auf Höhe des Saulochs verteilten die zehn Männer den Kies, den Bagger wenige hundert Meter flussaufwärts entnommen hatten.

"Weil dort die Innfähre Josef II bei Niedrigwasser wegen der Auflandung nicht mehr am anderen Ufer anlegen konnte, musste entsprechend ausgebaggert werden", erläutert Salfer, der keinen Hehl daraus macht, dass seine Mitglieder von der Maßnahme des Wasserwirtschaftsamts Rosenheim zunächst nicht begeistert waren. "Im Grunde werden solche Dinge nicht kurz vor den Laichterminen durchgeführt." Äschen laichen ab Ende März, Nasen rund zwei Wochen später.

Doch alle Beteiligten haben aus der Not eine Tugend gemacht: "Wir haben uns zusammengesetzt und eine Lösung gesucht. Oben an der Fähre war die Entnahme kein Problem. Aufgrund der geringen Strömung ist das ohnehin kein bevorzugter Laichplatz. Und hier unten können wir den Kies gut gebrauchen", sagt Salfer.

Seit Jahren bemüht sich der Bezirksfischereiverein darum die Bestände an Äschen und Nasen im Inn wieder zu erhöhen. Zwischen 10000 und 15000 Äschen peppeln die Fischer jährlich in ihren Zuchtbecken in Moos hoch. Wenn der Nachwuchs dann eine Länge von 25 Zentimetern erreicht hat, wird er ausgesetzt. Darüber hinaus wurde ihr Schonmaß für Äschen auf 45 Zentimeter heraufgesetzt. "Die Nasen züchten wir selbst, zwischen 80000 bis 100000 Stück im Jahr. Sie werden aber in der Regel schon mit einer Länge von gerade einmal zwei bis drei Zentimetern eingesetzt", erklärt Salfer.

Mit ein Grund für die sinkende Zahl dieser Fischarten ist laut Salfer das fehlende Kiesgeschiebe, das der Inn aus dem Gebirge früher in großen Mengen bei Hochwasser mitgebracht hat. "Seit es aber viele Staubereiche gibt, hat sich diese Geschiebemenge auf nahezu Null reduziert." Das noch verbliebene Geröll bestehe weitgehend aus großen Bummerln. "Und der nur noch wenig vorhandene Feinkies, der für die Kieslaicher wichtig wäre, ist teilweise betonhart verbacken, so dass er für ausschlagen der Laichgruben durch die Fische nicht mehr geeignet ist." Denn nur die von den Laichfischen im lockeren Kies vergrabenen Eier haben eine Chance, alle anderen werden gefressen oder sterben ab.Auch der Klimawandel trägt nach Meinung Salfers seinen Teil zur Problematik bei. "Durch die generelle Erwärmung führt der Inn früher Hochwasser, zum ersten mal meistens schon Anfang April. Und größere Wassermengen sind nun einmal schlecht für den Laich."

Große Kormoran-Schwärme, die über die Region hinwegziehen, tun ihr übriges: "Wenn die richtig Hunger haben, bleibt wenig übrig."

Immerhin: Erste Erfolge der Maßnahmen stellen sich ein. "Der Bestand an Äschen und Nasen zieht wieder an", freut sich Salfer. Nun gelte es die Eigenkräfte der Natur zu fördern. Und wenn es sein muss mit Spaten, Schaufeln und Rechen.

ha/ Mühldorfer-Anzeiger

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