Dorfladen viel zu teuer

Mettenheim – Der Dorfladen in Mettenheim kommt nicht auf die Beine. Auch nachdem Architekt Dr. Stefan Hajek in der Gemeinderatssitzung Einsparungsmöglichkeiten erläutert hatte, blieb der Gemeinderat kritisch.

Eigentlich sollte die Eröffnung des Dorfladens schon im März 2011 erfolgen. Von diesem ehrgeizigen Ziel wird sich der Gemeinderat allerdings verabschieden müssen. Denn nach der erneuten Darlegung der Kosten, aufgeschlüsselt nach den jeweiligen Gewerken, würde der Bau rund 835000 Euro kosten. Die Baukonstruktion schlägt gemäß den eingegangenen Angeboten mit insgesamt fast 484000 Euro zu Buche, darunter 248000 Euro für die Baumeisterarbeiten, 97000 Euro für Zimmererarbeiten, 27000 Euro für die Dachdecker sowie 40000 Euro für Fliesenarbeiten und 27000 Euro für den Trockenbau.

Die technische Ausrüstung würde nach den Ausführungen von Dr. Hajek knapp 125000 Euro kosten, 74500 Euro für Heizung, Lüftung und Sanitär, 50500 Euro würden die Elektroarbeiten kosten. Hinzu kämen 104500 Euro für Außenanlagen, alleine 122000 Euro müsste die Gemeinde jedoch an Honoraren für Architekten und Planer zahlen - und dabei handelte es sich bereits um nochmals überprüfte Honorare, wie Hajek betonte.

Der Architekt verhehlte nicht, dass die Ausschreibungsergebnisse höher als erwartet gewesen seien, machte dies, ebenso wie Bürgermeister Stefan Schalk, aber davon abhängig, dass die Firmen derzeit, bedingt durch das Konjunkturprogramm der Bundesregierung, genug Arbeit hätten. "Für die Baumeisterarbeiten gab es nur drei Angebote", belegte er diese Feststellung.

Einsparung durch Gebäudeverkleinerung

Einsparungspotenzial sieht Dr. Hajek in der Verkleinerung des Gebäudes (ursprüngliche Maße 18 auf 29 Meter). Bei einer Einkürzung um fünf Meter, der das Café zum Opfer fallen würde, sprach er von einer Kostenreduktion in Höhe von 50000 Euro. Hajek erklärte, dass es sich bei diesem Gebäude nicht um ein typisches Discounter-Gebäude handele und auch die technische Ausrüstung einen höheren Standard habe, zumal beispielsweise alleine die integrierte Bäckerei beinahe über Vollausstattung verfüge. Er gab aber auch zu, dass er selbst über den Begriff "einfacher Dorfladen" gestolpert sei, er habe das Projekt unterschätzt.

Auf Verständnis dafür brauchte er aber bei den Mettenheimer Gemeinderäten nicht hoffen. Klaus Zettl (CSU) wurde alleine bei den Baumeisterarbeiten schon schwindelig: "Dafür bekommt man ja ein Einfamilienhaus." Auch die enormen Kosten für den Dachstuhl erschienen ihm viel zu hoch. Fertigbauteile als Alternative kämen aber bei dieser geplanten Konstruktion - ein Sichtdachstuhl, der ohne Säulen auskommt - nicht billiger. 99000 Euro nannte Hajek als Summe dafür.

Stefan Schalk ergänzte zu den Baumeisterarbeiten, dass bei diesem Posten ein möglicher Bodenaustausch miteinbezogen worden sei. Es handele sich bei diesem Grundstück um ein aufgeschüttetes Areal. Die genaue Zusammensetzung werde sich erst bei den Erdarbeiten zeigen, "kann sein, dass wir sogar nur verdichten müssen".

Sepp Guggenberger (CSU) befand, dass Kosteneinsparungen nur über die Änderung der Konstruktion möglich seien. Nichts hielt er dagegen von einer Verkleinerung des Gebäudes. Dies würde dem Ziel, nämlich der Schaffung eines Kommunikationszentrums, entgegen stehen. Er forderte eine erneute Ausschreibung zu einem Zeitpunkt, "wenn nicht so viel gebaut wird." Dann wäre auch mit günstigeren Preisen zu rechnen. Harsch attackierte er den Architekten. "Wenn Sie 122000 Euro haben wollen, dann sollten Sie sich langsam warm anziehen und endlich Leistung bringen."

Einweihung im März nicht mehr möglich

Auch Rudi Kapser (ÜWG) sah bessere Konditionen, wenn die Ausschreibung erst im Frühjahr erfolge: "15 bis 20 Prozent Einsparungspotenzial", schätzt er, wären drin. Er kritistierte die Luxusausstattung der gegenwärtigen Konstruktion und sprach sich für eine weniger aufwendige Bauweise aus. "Wichtiger als ein Sichtdachstuhl ist doch, dass die Ware frisch ist." Bürgermeister Schalk blieb im Falle einer erneuten Ausschreibung im Zweifel: "Das Konjunkturprogramm läuft noch bis Dezember 2011. Ich bin mir nicht sicher, ob wir bessere Preise erzielen würden."

Bedauern äußerte Elfi Prucker (CSU) darüber, dass der Laden nicht wie geplant im März 2011 öffnen kann. "Für die Optik wäre die Planung ein Traum gewesen", doch sah auch sie ein, dass die Kosten erheblich reduziert werden müssen. Georg Mitterberger (FWG) betonte, dass ihm die Optik beim Einkauf egal sei und auch Hans Schaumeier (CSU) sträubte sich gegen die hohen Kosten. "Ein anderer Investor baut für die Hälfte. Sonst ginge für ihn ja die Rechnung nicht auf." Knapp eine Million für Bauwerk und Grundstück - seinem Empfinden nach zu viel. "Mit 500000 bis 600000 Euro könnte ich mich aber anfreunden." Schaumeier brachte es dann auf den Punkt: "Wir haben eine gewisse Summe zur Verfügung, dafür wollen wir das Schönstmögliche."

Schließlich erläuterte Dr. Hajek, dass eine Aufhebung der Ausschreibung aufgrund einer Konstruktionsänderung möglich sei. Es sei dann aber eine Umplanung notwendig, die wiederum Planungskosten verursache, und eine erneute Ausschreibung. Dies hat der Gemeinderat in nicht öffentlicher Sitzung dann auch beschlossen, maximal will die Gemeinde 700000 Euro ausgeben. Spätestens im Frühjahr soll Baubeginn sein.

Hans Auer (SPD) blieb allerdings schon im öffentlichen Teil skeptisch. "Ich glaub trotzdem nicht, dass wir von den Kosten runterkommen."

je/Mühldorfer Anzeiger

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