Diskussion: Über Windräder offen reden

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Vor 15 Jahren nahmen die Windräder bei Schnaitsee ihre Arbeit auf. Verhindern lassen sich neue Windkraftwerke im Landkreis aufgrund der Rechtslage nicht. Landrat Huber fordert deshalb eine offene Diskussion bei der Ausweisung von Standorten.

Mühldorf - Bei der Diskussion um Windräder im Landkreis werden Vor- und Nachteile heiß debattiert. Für Landrat Georg Huber gibt es nur einen Weg in diesem Zwiespalt: die offene Diskussion.

Bei der Diskussion um Windräder werden Vor- und Nachteile heiß debattiert. Zum einen ist ein Mix regenerativer Energieformen ohne Windkraft nicht denkbar; zum anderen beeinträchtigen Windräder die Landschaft, machen Lärm und werfen Schatten.

Reinhard Fuchs hat den Anfang gemacht: Der Neumarkt-St. Veiter will ein Windrad im nördlichen Landkreis aufstellen und hat deshalb vor einigen Tagen zu einer Informationsveranstaltung gebeten. Fast 100 Interessierte hörten sich sein Modell eines Bürger-Bauern-Windkraftwerks an und diskutierten das Für und Wider. Diese Diskussion steht in allen anderen Dörfern und Städten des Landkreises noch aus.

Eine öffentliche und transparente Debatte hält Landrat Georg Huber für dringend notwendig. Denn ihm ist klar: Wo immer ein Windrad aufgestellt werden soll, wird es Debatten geben. Deshalb betont er: "Eine Energiewende wird es ohne Umdenken nicht geben." Und zur Energiewende auf Landkreisebene gehört nach seiner Ansicht neben dem Energiesparen die Nutzung aller sinnvollen erneuerbaren Energieformen. "Wir haben nur Chancen, wenn wir alle Energiearten nutzen."

Da Windräder aufgrund ihrer Privilegierung kaum verhindert werden können (siehe Kasten "Die Rechtslage"), sucht das Landratsamt den umgekehrten Weg: Es will Bereiche benennen, in denen ein Windrad wirtschaftlich betrieben werden kann. Regionaler Windatlas heißt die Konkretisierung des bayerischen Windatlasses, den das Umweltministerium auf seinen Internetseiten bereitgestellt hat. Im regionalen Windatlas sollen diese Flächen konkretisiert werden. "Diese Flächen werden nicht so leicht zu finden sein", glaubt Huber. Ein Blick auf den - allerdings in der Feindarstellung unpräzisen - bayerischen Windatlas zeigt: Vor allem ein Gürtel im nördlichen Landkreis bietet sich für den Bau hoher Windräder über 80 oder gar 140 Meter Höhe an. Auch in einem kleinen Bereich im Süden gibt es Windgeschwindigkeiten, die ein Windrad rentabel machen. Der regionale Windatlas soll laut Huber bis Herbst fertig sein.

Darin seien "mögliche Gebiete" erkennbar, sagt Huber, nach Ansicht von Kreisbaumeister Bernhard Stahl sind die Gemeinden dann in der Lage, von sich aus Bereiche festzulegen, in denen Windräder aufgestellt werden können. "Und damit können andere Bereiche verhindert werden."

Landrat Huber vermutet, dass die betroffenen Gemeinden zu einem solchen, offenen und öffentlichen Prozess ermutigt werden müssen. "Ich würde das den Gemeinden empfehlen, sobald es unsere Winduntersuchungen gibt." Er befürchtet, dass Gemeinden zurückhaltend sein könnten: "Denn das gibt in der Bevölkerung sofort Diskussionen, noch bevor das erste Windrad beantragt ist." Trotzdem gebe es zu einem offenen Diskussionprozess keine Alternative.

Diese Diskussion könnte in einem Bürgerkraftwerk münden, an dem sich möglichst viele beteiligen und so direkt von der Energiewende profitieren können. Solch ein "Bürger-Bauern-Windkraftwerk" schwebt auch dem Neumarkt-St. Veiter Fuchs vor. "Die Akzeptanz muss wachsen", fordert Landratsbereichsleiter Herbert Hoch, Reinhard Fuchs ist sicher, dass die Beteiligung der Bürger ein Schritt dazu sein kann.

hon/Mühldorfer Anzeiger

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