Mit Dirndlg'wand am Pazifikstrand

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Die junge Reisegruppe lernte nicht nur unterschiedliche Bräuche und Traditionen der Einheimischen kennen, sondern konnte auch ein bisschen etwas von bayerischem Brauchtum und Kultur weitergeben. Dabei durfte das Dirndl als bayerisches Aushängeschild natürlich nicht fehlen.

Neumarkt-St. Veit - Zehn wagemutige Frauen brachen im August mit Dirndl, Abenteuer- und Entdeckergeist und Bayernfahne nach Ecuador auf.

Es habe ja im Pfarrverband ganz schön für Aufsehen gesorgt, dass der Pfarrer mit zehn jungen Damen nach Ecuador aufgebrochen ist, aber - so versicherte Pfarrer Franz Eisenmann beim Ecuador-Bilderabend - "die Mädls waren einfach mutiger als die Herren". Und so kam es, dass im August eine Gruppe von zehn jungen Damen in Richtung Ecuador startete, im Gepäck eine ganze Portion Abenteuer- und Entdeckergeist - und eine Bayernfahne.

Im Neumarkter Pfarrheim berichteten die elf Ecuador-Abenteurer von ihren Erlebnissen und Begegnungen im fernen Südamerika. Alle bis auf Pfarrer Eisenmann waren absolute Ecuador-Anfänger. Und so profitierte die Reisegruppe von alten Freundschaften und Kontakten Pfarrer Eisenmanns. Nach seinem Studium hat er ein knappes dreiviertel Jahr in Ecuador bei einem befreundeten Kollegen verbracht. Diese Zeit, in der er unter anderem in einem Waisenhaus beschäftigt war, sei zwar eine wahre Herausforderung gewesen, erinnert sich Eisenmann heute, "aber es war auch einfach eine begeisternde Sache." Auch in seiner Zeit als Jugendpfarrer hat er dann wieder Reisen mit Jugendlichen zusammen in das Gebiet unternommen, einige der alten Projekte zu besuchen, so wie es auch diesmal der Fall war.

Viele Frauen in Ecuador tragen ihre Tracht ganz selbstverständlich auch im Alltag. Dabei fallen vor allem die sehr kräftigen Farben der Stoffe auf.

Das fast dreiwöchige Abenteuer im kleinsten Andenstaat Südamerikas, der vom Äquator durchschnitten wird, begann in Ecuadors Hauptstadt Quito, die mit einer Ausdehnung bis von bis zu 50 Kilometern Länge und vier Kilometern in der Breite das ganze ursprüngliche Hochplateau für sich einzunehmen scheint. Bei der Landung ging den meisten "erstmal die Luft aus", denn Quito liegt auf für uns Mitteleuropäer ungewohnten 2850 Metern über dem Meeresspiegel und ist damit die am höchsten gelegene Hauptstadt der Welt. Im Verlauf der nächsten Tage sollte es aber für die Abenteurerinnen noch deutlich höher hinaus gehen. Sie wagten sich an die Besteigung des höchsten Berges im Land. Dort ist eine Hütte auf 4800 Metern noch mit dem Wagen zu erreichen; dann ging es in der immer dünner werdenden Luft und in eisigem Wind noch ein Stück nach oben. Alle haben die magische Marke von 5000 Metern erreicht.

Die Reisegruppe blieb jedoch nicht in Quito. Über holprige, mit Schlaglöchern gespickte Straßen ging es ins Bergland. Während man in Quito noch im Kolpinghaus genächtigt hatte, war man in Riobamba nun bei Gastfamilien untergebracht. "Hier konnten wir richtig Südamerika kennenlernen", hieß es am Freitagabend. Die Gruppe besuchte einige Hilfs-Projekte in der Region und erhielt so einen Einblick in das Leben abseits der großen Städte; dort, wo Menschen heute noch im Stroh am Boden schlafen, obwohl sie ein Bett haben, das aber nur als Ablage benutzen oder mit ihren Eseln zum Einkaufen gehen.

Die jungen Damen packten mit an und halfen beim Bau eines Ofens. Diese Aktion gehört zu einem Projekt, das den Menschen im Hinterland gesundes Leben und Umweltschutz näher bringen möchte.

Auch das Waisenhaus, in dem Pfarrer Eisenmann damals nach seinem Studium tätig gewesen ist, hat die Gruppe besucht, ebenso wie Pfarrer Schlachtbauer, der in Ecuador eine Einrichtung leitet, die sich "Zentrum der Hoffnung" nennt. Dort bekommen Kinder Frühstück und Mittagessen, werden bei Hausaufgaben unterstützt und als zusätzliches Angebot gibt es dort eine Familientherapie.

Nach allen Anstrengungen waren auch ein paar Tage am Meer eingeplant. Trotz Sonnencreme "mit Lichtschutzfaktor 50" konnten die meisten der prallen Äquatorsonne am Pazifikstrand nicht entgehen.

Ob bei den traditionell ecuadorianischen Festen, Tanz- und Gesangswettbewerben, bei der Bootstour auf einem Vulkankrater, am Strand von Atacames, im Waisenhaus, beim Besuch der anderen Einrichtungen oder bei der Bergbesteigung auf 5000 Metern - eine Sache war immer dabei: Die blau-weiße Bayernfahne, "die ab und an auch mal für die Argentinische gehalten wurde". Auch wenn an manchen Tagen "Ferienstimmung" unter den Mädels aufgekommen sein mag, so war diese Reise doch in erster Linie kein Urlaub, sondern eine ganz besondere Form der "internationalen Begegnung".

Es war eine Reise, wie sie die meisten so schnell wahrscheinlich nicht wiederholen werden und doch hat sie bei allen Teilnehmern bleibende Spuren hinterlassen. Und die Faszination, welche Land und Leute bei den Teilnehmern geweckt haben, kam bei den zahlreich erschienenen Besuchern im Pfarrheim an.

alx/Mühldorfer Anzeiger

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