Das Dilemma des Ärztestreiks

Schlechte Arbeitsbedingungen gefährden die medizinische Versorgung: Ärzte im Streik. Foto hon

Mühldorf - Auch gestern beteiligten sich Ärzte des Mühldorfer Krankenhauses am deutschlandweiten Ärztestreik für bessere Bezahlung. Die Versorgung im Krankenhaus ist dadurch noch nicht gefährdet.

Bei einem Gespräch zwischen Ärzten und Klinikleitung machten beide Seiten ihre Positionen klar. Dabei wurde das Dilemma deutlich, in dem Streikende und Klinikleitung stecken: Dem Kampf für eine bessere Vergütung vor allem für Nachtarbeit und Bereitschaftsdienst steht eine mögliche Gefährdung des Krankenhauses gegenüber. Im Moment, das versichern Ärzte und Krankenhausleitung übereinstimmend, ist die Versorgung nicht bedroht. "Es gibt keine Auswirkungen auf die Patienten", betont Geschäftsführer Heiner Kelbel. Zugleich macht er deutlich, dass die Ausweitung des Streiks Folgen für die Wirtschaftlichkeit des Hauses haben kann. Heuer, so die Pläne der Klinikleitung, soll Mühldorf erstmals seit Jahrzehnten schwarze Zahlen schreiben - sofern der Streik keine Patienten und damit Einnahmen kostet.

"Es ist nicht unsere Absicht, das Krankenhaus in irgendeiner Weise zu gefährden", betont Oberarzt Dr. Stefan Bech. Auf der anderen Seite halten er und seine Mitstreiter die derzeitige Entlohnung im Bereich der Nacht- und Bereitschaftsdienste für unzulänglich. Die Folgen haben nach seiner Ansicht nicht nur die Mediziner, sondern auch Patienten und Krankenhäuser zu tragen, die zu wenig Ärzte finden. Die Arbeitsbedingungen seien durch Nachtarbeit und Leistungsverdichtung belastend und familienunfreundlich. "Wir müssen unseren Arbeitsplatz attraktiver machen, damit Leute zu uns kommen." In der Pharmaindustrie, beim medizinischen Dienst der Krankenkasse oder im Ausland bessere Bedingungen bei höherer Bezahlung. Akutkliniken wie in Mühldorf fänden nur sehr schwer neue Ärzte.

Diese Einschätzung teilt Geschäftsführer Kelbel, der ausdrücklich Verständnis für seine Mitarbeiter äußert. Kelbel sieht aber Gefahren, sollte der Streik mit einer starken Erhöhung von Zuschlägen und Grundgehalt erfolgreich sein: "Die Budgetdeckelung schränkt unseren Spielraum schon heute ein", sagt er. Trotzdem seien seit 2005 15 Arztstellen geschaffen worden, um der Erhöhung der Leistung personell gerecht zu werden.

Sollten die Ärzte zu großen Gehaltssteigerungen kommen, hat das voraussichtlich Auswirkungen auf das Pflegepersonal, das sich zuletzt mit "sehr moderaten Abschlüssen" zufrieden gegeben habe, wie Kelbel sagt. Das bestätigt Personalrat Michael Schranner. Das Pflegepersonal warte ab, was bei den Verhandlungen für die Ärzte raus komme. "Das wird sich widerspiegeln in den Forderungen der Gewerkschaft", schließt Schranner auch Nachverhandlungen nicht aus.

hon/Mühldorfer Anzeiger

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