"Die Schwierigkeiten sind nicht unüberwindbar"

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Koordinator für die Außenlager: Ulrich Fritz.

Mühldorf - Der Historiker Ulrich Fritz koordiniert für die Stiftung Bayerische Gedenkstätten seit Jahresbeginn die Bestrebungen einer Gedenkstätte Mühldorfer Hart.

Was war der Auslöser dafür, Ihre Stelle in der Stiftung Bayerische Gedenkstätten zu schaffen?

Meine zunächst auf zwei Jahre befristete Aufgabe bei der Stiftung besteht darin, mich um das weite Thema Außenlager generell zu kümmern. Vor allem um die Orte, an denen sich die Stiftung bei der Umsetzung von Ausstellungen besonders engagiert: Dazu zählen Mühldorf und Kaufering/Landsberg als ehemalige Dachauer Außenlager sowie Hersbruck als ehemaliges Außenlager von Flossenbürg. Meine Rolle sehe ich darin, gemeinsam mit den jeweils zuständigen Gedenkstätten Konzepte zu erarbeiten oder zu verbessern und einen Zeitplan für deren Umsetzung aufzustellen.

Stehen dafür auch eigens bereit gestellte finanzielle Mittel zur Verfügung?

Dafür habe ich keinen größeren eigenen Etat zur Verfügung. Das Ziel ist aber, mit den genannten Konzepten Bundesmittel einzuwerben, bei hälftiger Beteiligung des Freistaats. Bis September 2011 sollte es möglich sein, einen Bundesantrag für Mühldorf zu erstellen. Allerdings wird nicht der permanente Unterhalt einer Ausstellung vor Ort gefördert.

Haben Sie Kontakt zum Verein "Für das Erinnern"?

Mitte März hatte ich auf Einladung der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit die Gelegenheit, Vertreter des Landratsamts, der Staatsforsten, des Landesamtes für Denkmalpflege, der Regierung von Oberbayern und des Hochbauamts Rosenheim kennen zu lernen. Letzte Woche traf ich mich in Mühldorf mit denjenigen, die seit Jahren die Basisarbeit vor Ort machen: Bürgermeister Knoblauch, Frau Köhr für das Kreismuseum, Frau Prof. Schreiber, die ich bereits vom Wissenschaftlichen Beirat der Stiftung kenne, Herrn Langstein vom Verein für das Erinnern, Frau Dr. Abel als Leiterin des Kreismuseums und Herrn Hamberger vom Stadtarchiv.

Wo liegen Ihrer Meinung nach die Schwierigkeiten im mühldorfer Hart?

Das generelle Problem der Außenlager ist die lange Zeit der Vernachlässigung, die diese Orte erfahren haben. Es war schwerer, ein Bewusstsein für die Bedeutung der Außenlager zu schaffen, als dies bei den ehemaligen Hauptlagern der Fall war. In Mühldorf liegt der Fall dank der jahrelangen Arbeit der örtlichen Aktiven anders. Hier sind die bekannten Schwierigkeiten vorwiegend technischer oder administrativer Art, wie die Kampfmittel im Bereich des Bunkerbogens und die ausstehende Einigung mit einigen Grundstücksbesitzern. Ich halte sie aber nicht für unüberwindbar. Alle unmittelbar Beteiligten, die ich kennengelernt habe, sind an einem Gelingen des Projekts interessiert.

Welche Ziele verfolgen Sie bei der Gedenkstätte für das Außenlager im Mühldorfer Hart?

Ich möchte kein Minimal- oder Maximalziel definieren, denn über das Ziel schlechthin besteht, soweit ich sehe, bei allen Beteiligten Einigkeit: Die historischen Orte im Mühldorfer Hart, also der Bunkerbogen, das Waldlager und das frühere Massengrab, sollten für die interessierte Öffentlichkeit erschlossen werden. Daneben sollte es in einem geeigneten Rahmen eine umfassende, zeitgemäße museale Darstellung zum Außenlager Mühldorf geben. Beide Punkte sind sinnvoll und notwendig, mit weniger sollten wir uns nicht zufrieden geben.

rob/Mühldorfer Anzeiger

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