Der Cheforganisator aus Ampfing

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So entspannt sitzt Minister Huber nur selten in seinem Büro in der Staatskanzlei. Denn dort laufen die Fäden der Staatsregierung zusammen und bringen viel Arbeit mit sich. Hinter dem großzügigen Glasvorbau erstreckt sich der Hofgarten, über einen schmalen Balkon führt der Weg vorbei an der berühmten Zirbelstube direkt zum Büro des Ministerpräsidenten.

Ampfing/München - Dr. Marcel Huber, Leiter der bayerischen Staatskanzlei, muss sich derzeit um wichtige Themen kümmern. Sein Augenmerk liegt derzeit aber vor allem auf den olympischen Spielen und dem Atomausstieg.

Vor genau zwei Monaten saß Dr. Marcel Huber zum ersten Mal an seinem Schreibtisch in der Staatskanzlei. Als Minister ist der Ampfinger dort dafür zuständig, dass die Arbeit der Staatsregierung möglichst reibungslos läuft.

Es ist wie so oft in den vergangenen Jahren: Bilder stehen auf dem Boden, daneben nicht ausgepackte Umzugkartons. Mal wieder hat Marcel Huber ein neues Büro, mal wieder ließ ihm der Job kaum Zeit sich einzurichten. Nur die wichtigsten Dinge haben ihren Platz: Das Schafsfell über der Rückenlehne des Schreibtischstuhls, damit das Kreuz die Belastungen besser erträgt; das großformatige Bild mit den beiden Rindern, das hinter dem Schreibtisch hängt, und Huber schon in viele Büros begleitet hat; ein Feuerwehrhelm.

"Ist das nicht ein schönes Büro?" freut sich Huber und öffnet eine Glastür, die auf einen schmalen Balkon führt. Er erstreckt sich hinter der einer Orangerie nachempfundenen mächtigen Glasfassade, unter der der Hofgarten liegt. Stets im Blick: verschiedene bayerische Ministerien.

Als "Zentrum der Macht" hat ein amerikanischer Fremdenführer an diesem Morgen die Staatskanzlei beschrieben und vieles spricht dafür, dass er Recht hat. Huber schränkt ein: "Ich fühle mich hier nicht in einer Machtposition. Der Ministerpräsident macht die politischen Vorgaben", sagt er und weist auf den schmalen Balkon nach rechts. Er führt vorbei an der berühmten Zirbelstube bis vor das Büro von Horst Seehofer, theoretisch könnten sich die beiden zu einem Plausch im schönen Ambiente hoch über dem Hofgarten treffen.

Dabei dürften sie die Themen besprechen, um die sich Huber derzeit besonders kümmern muss: die olympischen Spiele, die Zukunft der Bundeswehrstandorte oder den Atomausstieg. Denn in der Staatskanzlei laufen all die Fäden zusammen, die derzeit in den einzelnen Ministerien zum Thema Energiewende gesponnen werden. "Ich bin in dieser Frage der Organisator, der dem Ministerpräsidenten zuarbeitet."

Huber erzählt stolz von den exzellenten Fachleuten, mit denen er in der Staatskanzlei zusammenarbeitet, von den zig Tausend Kilometern, die er im Auftrag des Freistaats zurücklegt, darüber, dass er sein schönes Büro gar nicht so häufig benutzt, weil er oft an anderen Orten der Staatsregierung ein Gesicht geben muss. "Mehr arbeiten kann man nicht", sagt er und es mischen sich in die Freude über die Position und Aufgaben Zeichen der Belastung.

Meist kann Huber die verbergen. Er nimmt sich Zeit, wirkt nicht gehetzt, ist freundlich. Das bestätigen auch Mitarbeiter nach den ersten Wochen der Zusammenarbeit. Auch aus politischen Kreisen bekam Huber im Vorfeld seines Amtsantritts Vorschusslorbeeren, wurden seine positiven Fähigkeiten im Umgang allenthalben gelobt. Verbunden war damit allerdings oft die Frage, ob er genügend Durchsetzungsvermögen für den Job in der Staatskanzlei besitze. Huber definiert seine Arbeit so: Konflikte lösen, Kontakte halten, Brücken bauen. Zur Fraktion, dem Koalitionspartner, der Landesgruppe oder den CSU-Politikern in Brüssel.

In knapp acht Jahren -das sind nicht einmal zwei Legislaturperioden - wurde Huber vom politischen Niemand zu einem der einflussreichsten Politiker im Freistaat. Er habe nie darüber nachgedacht, ob seine Karriere nun schnell oder langsam gegangen sei, sagt Huber. "Es gibt bei mir keine Karrieregedanken in dem Sinne: ,Wie kommst du weiter? Was wäre der nächste Schritt?'"

Deshalb will er sich keine Gedanken machen, wie es nach der nächsten Wahl weitergeht, auch wenn er zugibt: "Es würde mich sicher freuen, wenn der Ministerpräsident auch nach der Wahl 2013 wieder eine Aufgabe im Kabinett für mich hätte." Im Vorzimmer warten schon Hubers Referent, seine Sekretärin, sein Pressesprecher. Die nächsten aktuellen Themen stehen an.

hon/Mühldorfer Anzeiger

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