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Pünktlichkeit in Mühldorf hat nachgelassen

„Corona hat die Fahrgäste vertrieben“ - Warum die Südostbayernbahn trotzdem optimistisch ist

Setzen nach der Coronakrise wieder auf einen Anstieg der Fahrgastzahlen: Die Leitung der Südostbayernbahn Magdalena Obermaier, Matthias Krause und Christian-Anton Steinbacher (von links).
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Setzen nach der Coronakrise wieder auf einen Anstieg der Fahrgastzahlen: Die Leitung der Südostbayernbahn Magdalena Obermaier, Matthias Krause und Christian-Anton Steinbacher (von links).

Seit Beginn der Coronapandemie sind die Züge der Südostbayernbahn in Mühldorf leerer. Langsam kehren die Fahrgäste zurück. Und das beschert dem Unternehmen bei aller Freude neue Probleme.

Mühldorf – Die Pünktlichkeit der Züge bleibt eines der Kernprobleme der Südostbayernbahn (SOB) in Mühldorf. Nachdem die Verspätungen im ersten Pandemiejahr auf 96 Prozent gestiegen ist, sank der Wert im vergangenen Jahr wieder auf 94,8 und damit in den Bereich der Vergleichswerte der vergangenen Jahre. Das teilte die SOB bei der Vorstellung ihrer Jahresbilanz mit. Die meisten, zum Teil drastischen Verspätungen gibt es natürlich weiterhin auf der Pendlerstrecke nach München. „Baumaßnahmen, Stürme, Streik oder Personen auf dem Gleis waren die Ursachen“, sagt SOB-Chef Matthias Krause.

SOB rechnet in Krise mit mehr Kunden

Die besseren Zahlen der Vorjahre seien außerdem coronabedingt gewesen, denn die Fahrgastzahlen haben rapide abgenommen. Das verkürzt die Wartezeit an den Bahnhöfen. „Uns ist es aber schon lieber, wenn wir wieder mehr Fahrgäste im Zug haben.“

Diese Zahlen sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. 2019 erreichte die SOB den bisherigen Rekord von 35 926 Reisenden täglich. Dann der Einbruch: Die Auslastung nach München halbierte sich auf fast 51 Prozent der Werte von 2019, auf den Nebenstrecken fiel er auf 71 Prozent. Trotzdem rechnet Krause mit einem Wiederanstieg. „Das Klimabewusstsein wächst. Jugendliche werden früher ans Zugfahren herangeführt, das Auto wird teurer“, nennt Krause Gründe für den Anstieg der Fahrgastzahlen, wie er ihn erwartet. „Das Verhalten wird sich ändern.“

85 Millionen Eurofür Investitionen

45 Millionen Euro hat die Südost 2021 investiert, das Geld floss in den Bahnhof Töging, die Verbesserung des Zugfunks, das elektronische Stellwerk Garching, die Erweiterung des Bahnhofs in Kastl und den Bau von Eisenbahnunterführungen. Auch heuer will die SOB mehr als 40 Millionen Euro in die Verbesserung der Infrastruktur stecken.

Wie viele andere, leidet auch die Südostbayernbahn unter Personalmangel. SOB-Chef Krause sieht sein Unternehmen aber als „verlässlichen Arbeitgeber“. Bei der Vorstellung der Jahresbilanz betonte er: „Bei uns gab es auch in Corona keine Kurzarbeit.“ Trotzdem leidet das Unternehmen unter der Schwierigkeit, Mitarbeiter zu finden. „Es ist eine echte Herausforderung, Personal zu bekommen.“

Wasserstoffzüge für Mühldorf-Burghausen

Um die Not zu beheben, stellt die SOB nach entsprechender Schulung Quereinsteiger ein. Bäckermeister, Bankangestellte, Hotelfachleute sind jetzt als Lokführer unterwegs. Ein promovierter Geologe und ein Kunsthistoriker arbeiten als Fahrdienstleister. 941 Mitarbeiter beschäftigt die SOB, 48 davon sind Auszubildende.

Ausschreibung des Liniensterns weiter offen

Weiter offen ist das Ergebnis der Neuausschreibung des Liniensterns. Ihre Frist wurde verlängert, weil die vorliegenden Angebote nicht den Preisvorstellungen der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) entsprachen. Die staatliche Behörde ist in Bayern für die Bahnnetze zuständig.

Dieser Vorgang beschäftigte jetzt den Bayerischen Landtag, denn Grünen-Abgeordneter Dr. Markus Büchler wollte von der Staatsregierung konkretere Angaben zu den Gründen haben.

In seiner Antwort bestätigt das Verkehrsministerium frühere Angaben, nach denen es kein akzeptables Angebot der Verkehrsanbieter – darunter die SOB – gegeben habe. „Das Vergabeverfahren hat auch nach mehreren Verhandlungsrunden kein für den Freistaat finanzierbares Angebot ergeben, insbesondere die Fahrzeugkosten waren zu hoch“, schreibt das Verkehrsministerium an Büchler. In der überarbeiteten Ausschreibung geht es nur noch um den Betrieb von Wasserstoffzügen auf der Strecke nach Burghausen. Deshalb sei eine neue Ausschreibung nötig gewesen.

Es geht um Züge mit Brennstoffzellen

Für die Auswahl der mit Brennstoffzellenfahrzeugen zu betreibenden Strecke seien unter anderem eine Reihe von qualitativen und wirtschaftlichen Kriterien entscheidend gewesen, schreibt das Ministerium: „Gemäß dieser Kriterien kamen einige potenzielle Strecken nicht weiter in Betracht, während sich für den Einsatz der Brennstoffzellenfahrzeuge insbesondere die Strecke Mühldorf–Burghausen anbietet.“ Nach deren Elektrifizierung sollen die Züge auf der Strecke Mühldorf-Simbach fahren.

Batterie betrieben Loks können nicht fahren

Büchler wollte auch wissen, warum es in Bayern – im Gegensatz zu anderen Bundesländern – immer noch keine Ausschreibung für Züge gebe, die mit Batterien betrieben werden – auch nicht im neu ausgeschriebenen Linienstern. „Für den Einsatz ist es erforderlich, ausreichend mit Oberleitungen versehene Streckenabschnitte zum Wiederaufladen der Akkus zur Verfügung zu haben, wobei die nicht elektrifizierten Teilstrecken entsprechend der Akku-Reichweite maximal 100 Kilometer lang sein dürfen“, schreibt das Ministerium. „Diese Voraussetzung ist im Linienstern Mühldorf derzeit nicht gegeben. Hier ist der Bund gefordert, die Voraussetzungen für eine zügige Elektrifizierung mindestens erster Teilabschnitte zu sorgen.“

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