„Commedia bavarese“ im Landkreis Mühldorf

  • schließen
  • Weitere
    schließen
Neumarkts Bürgermeister Erwin Baumgartner (UWG)

Neumarkt-St. Veit - Den Landkreis Mühldorf beschäftigt derzeit eine zutiefst italienische Angelegenheit. Es geht um politische Rivalitäten und persönliche Eitelkeiten, kurz: eine bayerisch-italienische Sommerloch-Komödie.

In Erwin Baumgartner gärte es schon länger. Doch jetzt reichte es ihm, basta, jetzt musste er seinem ärger Luft machen! Die Ragazzi der CSU wurden zur Zielscheibe seines Zorns.

Hintergrund: Im Jahr 2006 hatte eine Delegation des Landkreises Mühldorf den italienischen Landkreis Pordenone besucht. Pordenone liegt in der Region Friaul-Julisch-Venetien. Caneva, die italienische Partnerstadt Neumarkts, befindet sich im Landkreis Pordenone. Bei ihrem Besuch hatte die Mühldorfer Landkreisdelegation auch Caneva und dessen Bürgermeister Mirto Monte besucht. Im Jahr darauf kam dann der italienische Gegenbesuch. Drei Tage lang tourten die Italiener durch den Landkreis Mühldorf. Nach Neumarkt fuhr die Delegation nicht. Organisator des damaligen Besuchs: die CSU-Kreistagsfraktion. Aus Enttäuschung über den Nicht-Besuch in der Rottstadt bat Baumgartner damals, im Falle eines neuerlichen Besuchs, doch per favore berücksichtigt zu werden. Die CSU-Kreistagsfraktion in Person Anton Sterrs sagte zu. Si, si, naturalmente.

Doch nun, accipicchia und verflixt nochmal, steht den Landkreisbürgern ein neuerlicher Besuch aus Pordenone ins Haus. Wieder nicht besucht wird - beh allora! - Erwin Baumgartner in Neumarkt-St. Veit. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

"Ich bedaure dies sehr, wir hätten uns gerne, wie die Comune Caneva, beteiligt", schrieb Baumgartner daher an Sterr. Eine Kopie des Briefs ging auch an den Freundeskreis Caneva, der von der Rottstadt aus den Kontakt nach Pordenone hergestellt hatte und nun ebenfalls in Verdacht geriet, an der bewussten Umgehung des Bürgermeisters und Neumarkts beteiligt gewesen zu sein.

Dr. Albrecht Lahme, Vorsitzender des Freundeskreises Caneva, weist alle Schuld in der Causa von sich: "Der Freundeskreis hilft nur, wir sind nicht der Organisator!" Im Bewusstsein, zwischen politische Fronten geraten zu sein, schiebt er hinterher: "Wir hatten die Idee zu dem Besuch. Wir unterstützen das im Sinne der Völkerverständigung, aber aus allen anderen Dingen halten wir uns raus!"

Anton Sterr versucht ebenfalls, die Wogen zu glätten. Denn entgegen dem italienischen Nationalmotto tutto con calma (immer mit der Ruhe) verlaufe der Besuch aus Italien äußerst stressig. Genau 24 Stunden, von Samstagnachmittag, 5. September, bis Sonntagnachmittag, 6. September, würden sich die Gäste im Landkreis aufhalten. Innerhalb dieses einen Tages stünden immerhin der Empfang im Landratsamt, ein Spaziergang durch die Kreisstadt Mühldorf, der Besuch des Mühldorfer Volksfests, der Empfang vor dem Mühldorfer Rathaus, ein Mittagessen in einem bayerischen Wirtshaus sowie der internationale Schützen- und Trachtenumzug vom Stadtplatz zum Volksfestplatz Mühldorf auf dem Programm. Sterr: "In dieser kurzen Zeit ist Neumarkt einfach nicht mehr drin." Aber, selbstverständlich, würde Baumgartner zum Empfang im Landratsamt eingeladen. "Ich hoffe, dass ich die Missverständnisse ausräumen konnte", endet Sterr.

Bella figura zu machen oder die Kunst, selbst in unangenehmen Situationen stets gut auszusehen - auch das scheint Baumgartner bereits von seinen italienischen Freunden aus der Partnerstadt gelernt zu haben: "Lieber Herr Sterr, danke für die Info", kam aus dem Schloss Adlstein höflich zurück.

zip/Mühldorfer Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser