68 Cent täglich im Dorfladen lassen

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Bei der Wahl zum neuen Aufsichtsrat der Dorfladengenossenschaft erklärten sich zur Mitarbeit bereit, von links: Sylvia Kolb, Claudia Janßens, Angelika Auer-Dichtl, Christina Pötzl, Johann Pietrek, Ludwig Haslinger, Heike Peukert und Elfie Prucker. 

Mettenheim - Bei . der Versammlung der Dorfladen-Genossenschaft in Mettenheim stand die Steigerung des Umsatzes im Mittelpunkt. Verdorbenes Ost und Gemüse hatte Kunden verschreckt.

"Nichts ist mehr so wie es damals war - wir haben jetzt den Dorfladen, doch Vorstand, Aufsichtsrat und Personal haben sich geändert", umriss die Aufsichtsratsvorsitzende Rosemarie Grandl die tief greifenden Umgestaltungen seit Mai vergangenen Jahres, als sich die Mitglieder der Genossenschaft zu ihrer ersten Generalversammlung getroffen hatten. Bei der jüngsten Versammlung beim Kreuzerwirt stand die Steigerung des Umsatzes im Mittelpunkt aller Überlegungen sowie Maßnahmen der Mitarbeiter vor und hinter den Kulissen. "Wenn jeder Mettenheimer am Tag für 68 Cent im Dorfladen einkauft, dann schaffen wir den geplanten Umsatz", rechnete der neue Vorstandvorsitzende der Genossenschaft Arndt Gather vor.

Rosemarie Grandl erinnerte an den euphorischen Beginn des Dorfladens, als zur Eröffnung Ende Juli 2011 "alle auf der Welle der Begeisterung schwammen" - bis sie die harte Realität eingeholt habe. Schnell hätten sich Probleme bei der personellen Besetzung gezeigt, die ohne den zeitlichen und körperlichen Einsatz des Vorstandes zum Scheitern des Dorfladenprojektes geführt hätten. Schwierigkeiten habe es wegen der zu hohen Personalkosten gegeben, mit den internen Abläufen "und zu allem Überfluss noch mit der Klimaanlage". Kunden bemerkten das verdorbene Obst und Gemüse und hätten sich zurückgezogen. Umsatzverluste waren die Folgen.

Im Oktober 2011 stießen die Vorstandsmitglieder an ihre gesundheitlichen Grenzen, legten die Arbeit nieder und der Aufsichtsrat vertrat dann den Vorstand bis Ende des Jahres kommissarisch.

Um das Ruder zugunsten des Dorfladens herumzureißen, wurden im Krisenmonat Oktober Einsatzgruppen aus Vorstand, Aufsichtsrat und Mitarbeitern gebildet, die sich den wichtigsten Themen, wie Werbung, Produktpräsentation, Kostenplanung, dem Personaleinsatz, der Lieferantenbetreuung und Preisgestaltung widmeten.

In mehrmaligen Aktionen wurde das Ladenlayout umgestaltet. Kennzahlen wurden entwickelt, nach denen die Waren sorgfältiger nach Verfallsdatum sortiert werden konnten. Außerdem warb der Dorfladen offensiver um seine Kunden durch einen organisierten Glühweinverkauf, Verkostungen, den Auftritt der Schäffler und andere Aktionen. Der Verkauf von Hack-Geflügel- und Lammfleisch wurde neu ins Sortiment genommen. Darüber warb der Dorfladen bei den Anteilseignern auch schriftlich um den Einkauf im Dorfladen, was tatsächlich ein kurzfristiges Umsatzplus mit sich gebracht habe.

Die Einsatzgruppe hatte nach gewissenhaften Preisvergleichen aber auch festgestellt: "So schlecht stehen wir gar nicht da." Handlungsbedarf sah die Aufsichtratsvorsitzende eher bei einem noch besser auf den Kunden abgestimmten Sortiment, in einer entsprechenden Temperaturregelung durch die Klimaanlage, in der konsequenten Pflege des Datenbestandes und der insgesamt günstigen Beeinflussung der Kosten.

Der Vorstandsvorsitzende Arndt Gather bedauerte manche, der Situation geschuldeten Personalentscheidungen und organisatorische Probleme. "Leider überstiegen die Kosten den Umsatzerlös, so dass dieses Jahr kein Gewinn an die Mitglieder ausgeschüttet werden könne", erklärte Arndt Gather. Die angekündigten Maßnahmen zur Umsatzsteigerung würden jedoch intensiv betrieben, um das für 2012 gesteckte Umsatzziel zu erreichen. Natürlich habe man auch Einsparpotenzial bei den Fixkosten, den Lieferanten, beim Personal und durch die Gestaltung der Öffnungszeiten, erläuterte Gather.

Bürgermeister Stefan Schalk unterstützte die Dorfladenspitze in ihren Bemühungen um Rentabilität und Kundenwerbung. So habe sich die Gemeinde beispielsweise 2011 zu einer sechsmonatigen Miethalbierung durchgerungen. Der Redner ermutigte das Dorfladenteam jetzt, an den längerfristigen Erfolg zu glauben und forderte die Dorfbewohner auf: "Geht's eine!"

Die Genossenschaftsmitglieder votierten anschließend mehrheitlich für die Annahme des Beschlusses über den Jahresabschluss 2011, die Entlastung der Vorstandschaft, des Aufsichtsrates. Bei der Neuwahl zum Aufsichtsrat erklärten sich mehrere Anwesende zur Mitarbeit im Aufsichtsrat bereit, Rosemarie Grandl und Erhard Habel schieden aus dem Leitungsgremium aus.

Zum Schluss der Generalversammlung lud der Bürgermeister Freiwillige für den morgigen Samstag um 13 Uhr zu einer Pflanzaktion am Dorfladen ein.

kch/Mühldorfer Nachrichten

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