Fahrer begrapscht Behinderte

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Mühldorf - Mit einer Bewährungsstrafe kam ein 69-jähriger Rentner aus dem Landkreis davon. Er war als Busfahrer für die Stiftung Ecksberg unterwegs und hatte im Mai eine geistig behinderte Frau sexuell missbraucht.

Der damals 68-Jährige kannte die junge Frau seit Jahren: Schon als sie noch ein Kind war, hatte er sie mit dem Bus nach Au gefahren. Auf 400-Euro-Basis besserte er zuletzt als Fahrer für die Ecksberger Werkstätten seine schmale Rente auf. Die 25-Jährige war immer die Letzte im Wagen, die er nach Hause brachte.

Am 20. Mai tat er dies nicht auf dem direkten Weg. Zunächst hielt er in Waldkraiburg bei einem Supermarkt und kaufte eine Flasche Prosecco, dann parkte er den Kleinbus abseits der Straße auf einem Waldweg. "Ich habe mich zu ihr nach hinten gesetzt und wir haben den Sekt aus Pappbechern getrunken", schilderte der Angeklagte die Situation. Nach ein paar Minuten sei er dann zudringlich geworden, habe die junge Frau unter dem Pullover und zwischen den Beinen begrapscht und ihr die Hose auf geknöpft.

Dass es nicht zum Äußersten kam, verdankt das Opfer zum einem dem Umstand, dass der 68-Jährige unter Errektionsproblemen leidet, zum anderen der Tatsache, dass sie ihn mit Nachdruck aufforderte: "Hör' auf mit dem Schmarrn, oder ich schrei'."

Während der Heimfahrt ermahnte er die 25-Jährige noch, niemandem etwas zu verraten. Ohne Erfolg. Die junge Frau erzählte an ihrem Arbeitsplatz von dem Vorfall, daraufhin verlor der 68-Jährige seinen Job. Schon bei der Polizei hatte der Rentner ein umfassendes Geständnis abgelegt um der Frau eine Aussage zu ersparen.

Die hätte sich vor Gericht ohnehin als schwierig dargestellt. Nach Aussage des Sachverständigen sei die junge Frau zwar optisch normal entwickelt, geistig aber auf dem Stand einer Zehn- bis Zwölfjährigen. "Sie kann weder lesen noch schreiben. Ein paar Buchstaben vielleicht, mehr aber auch nicht."

Von einer "leicht- bis mittelgradigen Intelligenzminderung" sprach der Experte, der das Opfer für "widerstandsunfähig" hält. Dass sie sich nach ein paar Minuten dennoch verbal zur Wehr gesetzt habe, ändere daran nichts: "Sie kann eine solche Situation gar nicht wirklich einschätzen."

Mehrfach hielt der Sachverständige dem Angeklagten vor, er würde den Missbrauch bagatellisieren. Das brachte den 69-Jährigen derart in Rage, dass er kurzerhand die Contenance verlor: "Ich will hier nichts beschönigen. Ich stehe zu dem, was ich gemacht habe", schimpfte er. Richter Florian Greifenstein sah es positiv: "Werten wir das jetzt mal als handfestes Geständnis." Zuvor hatte der Angeklagte durchaus versucht, Verständins für sein Verhalten zu wecken, Erklärungen zu liefern, das Opfer "als durchaus normales Mädel" darzustellen.

Das Schöffengericht verurteilte ihn schließlich zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Dass der Richterspruch so deutlich ausfiel, liegt an einer einschlägigen Vorstrafe des Angeklagten: 1991 stand er schon einmal wegen sexuellen Missbrauchs einer Schutzbefohlenen vor Gericht, er hatte seine elfjährige Stieftochter gezwungen, ihn unsittlich zu berühren.

Der Forderung der Staatsanwaltschaft nach 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit kam das Gericht angesichts des Alters des Angeklagten nicht nach. Dafür muss er 300 Euro in Raten an die Ecksberger Werkstätten überweisen. "Damit sie die Geschichte auch in Erinnerung behalten", ermahnte ihn Greifenstein.

Härter als das Urteil trifft ihn offensichtlich der Verlust des Arbeitsplatzes. Unmittelbar nach dem Anruf seines Arbeitgebers hatte der Rentner sein letztes Geld zusammengekratzt und einen Billigflug nach Mallorca gebucht. Als Obdachloser wollte er sich dort durchschlagen, weil "im Süden die Winter nicht so hart sind". Lange hat er nicht durchgehalten. "Als ich gesehen habe, wie sich die Deutschen dort aufführen, bin ich zurück, um hier einen Schlussstrich unter die Sache zu ziehen."

ha/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © dpa/pa

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