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Mühldorfer AfD-Politiker betreibt Firma im Steuerparadies Malta

Kreis-AfD-Vorsitzender verteidigt Bundestagskandidaten Dr. Lang: „Keine Steuerspargründe“

Dr. Klaus Lang (links im Bild) mit dem Kreisvorsitzenden der Mühldorfer AfD, Oliver Multusch, bei seiner Nominierung als Bundestagskandidat
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Dr. Klaus Lang (links im Bild) mit dem Kreisvorsitzenden der Mühldorfer AfD, Oliver Multusch, bei seiner Nominierung als Bundestagskandidat
  • Markus Honervogt
    VonMarkus Honervogt
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Der Bericht über den Mühldorfer AfD-Kandidaten Dr. Klaus Lang, der seine medizinischen Dienste über seine Firma auf der Malta abwickelt, hat viel Staub aufgewirbelt. Die Insel ist als legales Steuerparadies bekannt. Der Kreisvorsitzende der Partei, Oliver Multusch, bezieht nun Stellung und verteidigt Dr. Lang.

Update, 23.09.2021:

Folgende Stellungnahme gibt Oliver Multusch, AfD-Kreisvorsitzende Mühldorf, zur Causa Lang:

„Es ist korrekt, dass Dr. Lang auf Mata der Inhaber einer Firma ist. Der Grund hierfür ist dem deutschen Recht geschuldet, demnach bei Freiberuflichkeit von Ärzten immer die Gefahr besteht, sich dem Vorwurf der Scheinselbstständigkeit auszusetzen. Mit einer Firmengründung hat Dr. Lang dem begegnen wollen. Leider stehen uralte Gesetze (Berufsordnung) dem in Deutschland entgegengestanden.

Diesen Sachverhalt hat er vor Firmengündung dem Wahlkreis-Abgeordneten Stephan Mayer (CSU) geschrieben, und die Probleme dargestellt, die einem faktischen Berufsverbot gleich kommen. Eine Antwort hat er nie erhalten.

Um nicht mit deutschen Recht in Konflikt zu geraten, gründete Lang sein Unternehmen „Interventional Cardiovascular Services LTD“ zuerst im Vereinigten Königreich und später, mit Blick auf den Brexit, auf Malta. Steuerliche Gründe seien dafür nicht ausschlaggebend gewesen, denn der Steuersatz für derartige Unternehmen auf Malta beträgt 35%.

Ausschüttungen aus dieser Fa. versteuert Dr. Lang zusätzlich in Deutschland, da er hier seinen Wohnsitz hat, und sich auch überwiegend in Deutschland aufhält.

Fazit: Die suggestive Unterstellungen von steuerlichen Vorteilen, wie sie vor allem in der Schlagzeile des in den OVB-Heimatzeitungen erschienen Artikels bedient wird, ist schlicht falsch! Im Hinblick auf die bevorstehende Bundestagswahl hat der Artikel in der öffentlichen Wahrnehmung eine besondere Brisanz, deswegen ersuche ich um eine umgehenden Klarstellung des Sachverhalts.“

2. Update, 23.09.2021:

Die Redaktion der OVB-Heimatzeitungen hätte Dr. Lang gerne persönlich und detaillierter zu den Hintergründen seiner Entscheidung befragt, seine Dienste über eine Firma auf Malta anzubieten. Der von Oliver Multusch erwähnte Steuersatz von 35 Prozent ist korrekt, allerdings kann der Steuersatz - völlig legal - durch Rückerstattungen des effektiven Körperschaftssteuersatzes auf bis zu fünf Prozent reduziert werden. International operierende Steuerkanzleien und Beratungsunternehmen wie Eurotaxconsulting oder die Londoner Kanzler St. Matthew preisen auf ihren Internetseiten an, wie ausländische Gesellschafter, die 35 Prozent Körperschaftssteuer zahlen, mit ihrer Steuererklärung die Rückerstattung von sechs Siebtel der entrichteten Steuer vom Finanzamt beantragen können und binnen kurzer Frist erstattet bekommen. 

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Der Original-Artikel vom 200.09.21:

„Medizinische und Menschliche Kompetenz“ bescheinigt die AfD ihrem Spitzenkandidaten auf den Wahlplakaten, hier vor dem Krankenhaus in Mühldorf. Jetzt wurde bekannt, dass der Arzt eine Briefkastenfirma im Steuerparadies Malta hat.

IST DAS MIT DEM EIGENEN PARTEIPROGRAMM VEREINBAR?

AfD-Mann Lang im Steuerparadies: Bundestagskandidat im Kreis Mühldorf betreibt Firma auf Malta

Als Direktkandidat bewirbt sich Dr. Klaus Lang für die AfD im Wahlkreis Altötting-Mühldorf um ein Mandat für den Bundestag. Als Arzt betreibt er eine Briefkastenfirma im Steuerparadies Malta. Zugleich fordert seine Partei nationale Hoheit über Steuern.

Mühldorf – Dr. Klaus Lang aus Mühldorf will für die AfD in den Bundestag. Seine Partei wirbt in ihrem Wahlprogramm für die Unternehmens- und Einkommenssteuer als Säulen der deutschen Finanzen. Hier gehen Parteianspruch und Kandidat scheinbar auseinander. Denn Dr. Lang arbeitet und lebt zwar in Deutschland, seine Steuern führt er aber auf Malta ab. Der AfD-Bundestagskandidat Dr. Klaus Lang ist Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin. Über seine Firma in Malta bietet er sich und seine medizinischen Dienstleistungen an. Auf seiner offiziellen Homepage weist er deutlich auf diese Firma hin.

Gründung der GmbH im Jahr 2015

Langs GmbH in Malta heißt Interventional Cardiovascular Services LTD und hat ihren Sitz in der Birbal Street 141 im Dörfchen Balzan. Das Unternehmen ist im maltesischen Handelsregister unter der Nummer C 71710 verzeichnet. Laut den offiziellen Unterlagen, die den OVB-Heimatzeitungen vorliegen, ist Dr. Lang der Direktor der Gesellschaft. In den Gründungsdokumenten vom 3. August 2015 bietet die Firma medizinische Dienstleistungen inner- und außerhalb der Eurozone an. Als Wohnsitzort Langs ist in diesen Papieren eine Adresse in Mühldorf angegeben.

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Lang arbeitet als Arzt, sowohl in fester Anstellung in Kliniken als auch als Dienstleistungsarzt in Krankenhäusern vor allem in Deutschland. Dabei ist er nach eigenen Angaben als Internist und Herzspezialist tätig, angestellt wird er über seine Firma in Malta. Das bestätigten Kliniken, mit denen er in der Vergangenheit zusammengearbeitet hat.

Malta, ein ganz legales Steuerparadies innerhalb Europas

Malta gilt als europäisches Steuer-Sparparadies und ist beliebt für Briefkastenfirmen, die dort nur eine Adresse haben, deren Geschäftstätigkeit aber tatsächlich in einem anderen Land stattfindet. Einzelpersonen und Firmen nutzen die Insel, um in Deutschland weniger Steuern zahlen zu müssen. Zu den Steuersparmodellen gehört im Regelfall zusätzlich zur Einrichtung der Briefkastenfirma die Gründung einer Holding in Malta, England oder Schottland, die die Anteile an der Briefkastenfirma hält. Diese Holding schüttet dann eine Dividende aus.

Der Mediziner Dr. Klaus Lang ist unter anderem als Dienstleister in Kliniken tätig und rechnet diese Einkünfte über eine Firma auf Malta ab.

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Das ist ein Modell, dass viele Deutsche nutzen. „So verringert sich die tatsächliche Steuerlast, die Anteilseigner in Deutschland zahlen müssen“, erklärt Dr. Andreas Holzapfel, Steuerberater in der Kanzlei Dr. Holzapfel, Lurz und Kollegen in Waldkraiburg.

Seit Jahren heftige Kritik an europäischen Steuerparadiesen

Wer im Internet sucht, wird schnell fündig bei der Suche nach Kanzleien, die solche Dienste erläutern und anbieten; oft sitzen sie im Ausland. Diese Art der Steuerreduzierung steht nicht erst seit Veröffentlichung der sogenannten „Panama Papers“ heftig in der Kritik. Denn durch dieses Vorgehen verdienen Menschen in Deutschland zwar Geld, versteuern es aber nicht zu den in Deutschland geltenden Sätzen.

Ausschüttungen müssen in Deutschland versteuert werden

Das ist legal, solange nicht nur der Sitz, sondern auch der Ort der Firmenleitung tatsächlich in Malta sind und die Ausschüttungen in Deutschland ordnungsgemäß angegeben werden. Das bestätigt Steuerberater Holzapfel. Die europäische Steuergesetzgebung lasse solche Möglichkeiten ausdrücklich zu, sagt er.

Alle Infos rund um die Bundestagswahl in der Region finden Sie im OVB-Dossier.

Ärztliche Dienstleister in deutschen Kliniken

Die Arbeit von ärztlichen Dienstleistern in Krankenhäusern ist in Deutschland üblich, bestätigt der ehemalige Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses Mühldorf, Heiner Kelbel. Diese Dienstleister springen nach seinen Angaben ein, wenn eine Arztstelle in einer Klinik nicht besetzt werden kann.

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Gefragt sind dann Anästhesisten, Internisten oder Chirurgen, die oft kurzfristig einwechseln und so lange mitarbeiten, bis die Stelle wieder regulär besetzt werden kann. Kelbel, der seit einigen Jahren das Klinikum Starnberg leitet, sagt: „Diese Ärzte verdienen als Freiberufler oft das Doppelte bis Dreifache des normalen Stundensatzes.“ Diese Zahl nennt auch das Deutsche Ärzteblatt. Nach seinen Angaben gibt es in Deutschland etwa 5000 solcher ärztlichen Dienstleister. Vermittelt werden sie meist über Agenturen, gewissermaßen Zeitarbeitsfirmen für Ärzte.

AfD-Kandidat Lang will sich trotz mehrmaliger Nachfrage nicht äußern

Ob und wie sich Dr. Lang das Steuersparmodell durch eine Firma in Malta zunutze macht, wollte der AfD-Kandidat nicht erklären. Auch nicht, wie seine Firma in Malta zu den politischen Forderungen der AfD passt. Ein Interview lehnte er beim persönlichen Kontakt via Telefon ab, auf zweimalige, schriftliche Anfrage per E-Mail reagierte er nicht.

AfD fordert nationale Hoheit über Steuern zur Finanzierung nationaler Vorhaben

In ihrem Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2021 schreibt die AfD, dass Staaten ausschließlich in nationaler Verantwortung Steuern erheben sollen, um so ihre Aufgaben erfüllen zu können. „Das Recht, Steuern zu erheben, muss vollständig in nationaler Kompetenz der Mitgliedstaaten der Europäischen Union verbleiben. Steuereinnahmen bestimmen die nationalen Haushalte. Die Budgethoheit stellt die zentrale Kontrollmöglichkeit des Parlaments über das Regierungshandeln dar.“ Zugleich nennt die AfD ausdrücklich die „Konzentration auf die beiden großen Steuerarten (Umsatzsteuer und Einkommenssteuer)“, durch die weitere, kleinere Steuern wegfallen könnten.

Lesen Sie dazu auch: AfD-Wortgewitter über Mühldorf – Jörg Meuthen geht mit „Höflingen und Merkelisten“ hart ins Gericht

AfD-Kreisvorsitzender Multusch schweigt – Privatsache von Lang

Mühldorfs AfD-Kreisvorsitzender Oliver Multusch erklärte auf die telefonische Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen die Angelegenheit zur Privatsache Langs: „Wenn Sie etwas wissen wollen, gehen Sie zum Herrn Lang.“ Er wollte sich auch nicht zu der Frage äußern, ob und wie die maltesische Firma Langs mit den politischen Forderungen der AfD vereinbar ist.

13 Fragen an Dr. Lang, die ohne Antwort blieben

Die OVB Heimatzeitungen haben am Dienstag, 14. September telefonisch bei Dr. Lang um ein Interview gebeten. Dazu war er nicht bereit, obwohl die Redaktion die Autorisierung, das heißt die Vorabzusendung und Bestätigung seiner wörtlichen Aussagen angeboten hat. Dr. Lang bestand darauf, den gesamten Artikel vor Veröffentlichung lesen und autorisieren zu können, das lehnte die Redaktion ab. Am selben Tag schickte ihm die Redaktion um 15.11 Uhr per E-Mail 13 Fragen zu seiner Firma auf Malta zu, verbunden mit der Bitte, diese Fragen bis zum vergangenen Montag, 20. September, 18 Uhr zu beantworten.

Keine Rückmeldung auf Presseanfragen

Mit diesen Fragen wollte die Redaktion Lang Gelegenheit geben, seine Engagement in Malta zu erläutern. Am Sonntag, 19. September erhielt Dr. Lang per E-Mail erneut die Bitte, die Fragen zu beantworten. Im Telefongespräch am Dienstag, 21. September, 9.27 Uhr, bot der AfD-Kreisvorsitzende Oliver Multusch an, Dr. Lang zu bitten, mit der Redaktion Kontakt aufzunehmen. Dies ist bislang nicht geschehen.

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