Bulthaup will 114 Stellen streichen

Neumarkt-St. Veit/Bodenkirchen - 114 Personen der über 550 Beschäftigten der Bulthaup-Niederlassung in Aich müssen sich eine neue Arbeit suchen.

Der Edel-Küchenhersteller reagiert auf die flaue Auftragslage des vergangenen Jahres und bietet nach eineinhalb Jahren Kurzarbeit nun 20 Prozent seiner Mitarbeiter den Wechsel in eine Transfergesellschaft an. Davon betroffen sind auch Neumarkter.

In der vergangenen Woche hatte die Niederlassung in Aich ihre Beschäftigten über den geplanten Stellenabbau informiert. Ursprünglich sollten diese wegen eines EDV-Problems am Dienstag zu Hause bleiben, just an diesem Tag hätten sich dann bei 114 Mitarbeitern die Kündigungen in den Briefkästen befunden, erzählt eine betroffene Mitarbeiterin aus Neumarkt-St. Veit. Die Firma habe das Angebot unterbreitet in eine Transfergesellschaft zu wechseln, alternativ drohe die Kündigung. Entscheidungsfrist: bis zum 1. April.

Fassungslos und zutiefst erschüttert hätten die betroffenen, teilweise jahrzehntelang im Betrieb beschäftigten Mitarbeiter auf diese überraschende Hiobsbotschaft reagiert, schildert die Mitarbeiterin. "Bei dem Informationsgespräch in der Kantine haben selbst gestandene Mannsbilder geweint." Man sei überrascht über die rasche Vorgehensweise, äußern sich Insider. Auch, dass damit viele ältere Mitarbeiter betroffen seien.

Doch Bulthaup-Pressesprecherin Katharina Naehr wiegelt ab. Von Überraschung könne keine Rede sein. Seit eineinhalb Jahren herrsche Kurzarbeit im Betrieb, auch habe es bereits vor etwa fünf Wochen zusammen mit dem Betriebsrat ein Treffen gegeben, in welchem über mögliche Maßnahmen gesprochen worden sei. "Der Betriebsrat war in alle Prozesse eingebunden", sagt Naehr. Die weiter anhaltende Konjunkturschwäche erfordere es nun aber, dass die Firma entsprechend reagiert.

Wie es in der Presseinformation der Firma heißt, organisiere sich die Bulthaup GmbH & Co. KG ab dem zweiten Quartal 2010 neu und optimiere die Strukturen in allen Bereichen der Zentrale in Aich, "um den Veränderungen am Markt zukünftig agiler und effizienter begegnen zu können". Marc O. Eckert, Geschäftsführer von Bulthaup, versichert dabei: "Wir haben uns diesen Schritt nicht leicht gemacht." Gemeinsam mit dem Betriebsrat habe die Geschäftsführung die Maßnahmen intensiv diskutiert. "Um diese Entscheidung so sozialverträglich wie möglich umzusetzen, werden wir ab dem 1. April 2010 die vom Stellenabbau betroffenen Mitarbeiter in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft überführen und bis zum Jahresende begleiten."

Wie Pressesprecherin Naehr konkretisiert, handle es sich dabei um eine Untergesellschaft von Bulthaup, "mit dem Zweck Mitarbeiter für einen längeren Zeitraum aufzufangen und Hilfestellung zu geben bei der Arbeitssuche". Bis Ende des Jahres könnten so die betroffenen Mitarbeiter nicht nur von Fortbildungsmaßnahmen und intensiver Betreuung durch das Arbeitsamt profitieren, sondern auch ein Entgelt beziehen, "das die Firma Bulthaup auf 80 Prozent des Nettolohnes aufgefüttert hat".

Auf der anderen Seite jedoch sei im Falle dieses Wechsels keine Kündigungsschutzklage mehr möglich, lässt Naehr nicht unerwähnt. Seitens der Firma habe man sich um die Realisierung eines Sozialplanes bemüht. Dass persönliche Schicksale mit dem potenziellen Stellenabbau verbunden sind, bedauert die Firmenleitung: "Uns ist bewusst, dass diese Maßnahme für alle Beteiligten schwerwiegend ist, aber wir haben im Gegenzug als Management auch dafür Sorge zu tragen, das Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen, um langfristig erfolgreich am Markt agieren zu können", erklärt Eckert. Für die Betroffenen, die 20, 30 manche sogar 40 Jahre, quasi seit ihrer Lehrzeit, bei Bulthaup beschäftigt waren, nur ein schwacher Trost.

je/Neumarkter Anzeiger

Rubriklistenbild: © pa

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser