"Das lassen wir uns nicht bieten!"

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Die Mettenheimer: Reinhard Grandl, Klaus Schomers, Ulrike Maurer, Inge Schomers (hinten, von links nach rechts) und Rosemarie Grandl und Erhard Habel (vorne).

Mettenheim - Das Thema "Bodendenkmäler" sorgt in vielen Gemeinden im Landkreis für Ärger. In Mettenheim wollen die Bürger jetzt massiv dagegen vorgehen, dass über ihre Köpfe hinweg über ihren Besitz bestimmt wird.

"Das ist eine massive Abwertung unseres Eigentums", sagt Ulrike Maurer. Seit 35 Jahren lebt die Mettenheimerin schon in ihrem Haus in der Römerstraße. Sie sieht nicht ein, dass sie plötzlich um Erlaubnis fragen sollte, wenn sie in ihrem eigenen Garten einen Baum pflanzen möchte. Zusammen mit Rosemarie und Reinhard Grandl aus der Vilsstraße, Erhard Habel und Inge und Klaus Schomers aus der Römerstraße will Maurer gegen das Landesamt für Denkmalschutz vorgehen.

Im November 2009 erfuhren die Mettenheimer Bürger davon, dass ihre Grundstücke unter Denkmalschutz gestellt werden sollten. "Zum Glück hat Bürgermeister Stefan Schalk die betroffenen Familien angeschrieben, sonst hätten wir das nie erfahren", ärgert sich Klaus Schomers. Die einzige Information, die das Landesamt für Denkmalpflege gibt, ist über das Internet. Auf www.bayernviewer.de sind Grundstücke, die unter Denkmalschutz stehen oder künftig stehen sollen rot eingezeichnet. "Und auf der Gemeinde gibt es Aushänge. Beim Denkmalamt geht man davon aus, dass jeder Bürger dort nachsieht, ob seine Adresse gelistet ist", meint Schomers.

Kämen die Grundstücke in Mettenheim wirklich unter Denkmalschutz hieße das für die Besitzer, sie dürften nicht mehr im eigenen Garten graben. "Bei einem Verstoß drohen bis zu 250.000 Euro Strafe", erklärt Schomers.

Die rot eingezeichneten Flächen sollen Bodendenkmäler werden.

Das Paradoxe für die Familien ist, dass wage Vermutungen ausreichen, um ein Grundstück unter Denkmalschutz zu stellen. "Es werden Teile von Baracken aus der NS-Zeit unter unseren Häusern vermutet. Das hat eine Luftaufnahme scheinbar ans Licht gebracht", erklärt Maurer. Um die wagen Vermutungen des Denkmalamtes zu widerlegen, müssten die Familien graben. "Das dürfen wir aber nicht." Und genau dieser Punkt ärgert die Mettenheimer. "Eine Vermutung reicht aus, um uns in unseren Grundrechten einzuschränken und unser Eigentum massiv abzuwerten."

Darum fordern die Familien, dass alles nochmals überprüft wird. "Wir haben uns an Stephan Mayer und Tobias Thalhammer gewandt und waren geschockt: Die Politiker haben von nichts gewusst", erzählt Maurer. "Die Kommunikation muss verbessert werden. Es kann nicht sein, dass niemand informiert wird."

Soviel haben die Bürger schon erreicht: Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch kam zu einem Pressegespräch nach Mühldorf und versicherte, er werde das Verfahren rund um die Bodendenkmäler einer genauen Prüfung unterziehen lassen. "Wir hoffen, dass dabei wirklich etwas herauskommt", meinen die Mettenheimer. "Jedenfalls hat das Denkmalamt gemerkt, wir lassen uns das nicht bieten."

Ulrike Maurer hat dem Amt in München eine Frist gesetzt. "Bis Ende April will ich einen schriftlichen Bescheid über die Sachlage. Sollte sich bis dahin nichts getan haben, werden wir eine Bürgerinitiative gründen." Momentan sehen die Familien dazu keinen Anlass. "Die Gemeinde und die Kommunalpolitiker stehen hinter uns, darum warten wir noch ab." Untätig herumsitzen wollen die Betroffenen aber nicht und planen darum eine Unterschriftenaktion. "Wir wollen erreichen, dass alles besser überprüft wird, die Kommunikation besser funktioniert, unsere Gegenbeweise anerkannt werden und natürlich, dass die roten Linien im BayernViewer verschwinden."

Anette Mrugala

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