Ein Mann für alle PS

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Immer eine Aufgabe: Derzeit bringt Walter Broser einen 52-er Lanz auf Vordermann. 20 Jahre lang stand das gute Stück im Freien.

Buchbach - Walter Broser ist ein Jäger. Keiner, der dem Wild auf der Lauer liegt. Nein, der 70-Jährige hat einen ganzen Stall voll Bulldogs erlegt.

Früher standen dort die Schweine. Heute finden sich alte Schätzchen auf Brosers Bauernhof. Ein "Dieselross" etwa, ein Vorkriegsmodell, dass Broser anderen Interessenten vor der Nase weg schnappte. 1500 Mark hat er vor gut 15 Jahren bezahlt. Mittlerweile werden die "Rösser" mit gut 10 000 Euro gehandelt.

Broser hat mehr als 20 Traktoren in seinem ehemaligen Stall stehen. Seit 20 Jahren ist das so. Damals sah er einem alten Bulldog bei der Feldarbeit zu: "Und ich wurde nostalgisch.".

Seitdem sammelt Broser alte Schinken. Fast alle Wünsche hat er sich bereits erfüllt. Außer einem: Einen Schlüter braucht er noch, Serie DZM 25. "Dann wäre die Sammlung komplett." Allein, es fehlt am Angebot. "Die gibt es ja nicht mehr." Und tauschen? Dafür müsste Broser ja einen Bulldog abgeben: "Da muss das Angebot schon sehr gut sein."

Es ist ein ungeheurer Wert, der im Stadl parkt. Einmal haben sich Broser und sein Junior mit dem Taschenrechner hingesetzt. Gut 200000 Euro wurden auf dem Display angezeigt. Ob er da nicht Angst hat, dass einmal ein Dieb zuschlägt? "Nein, das nicht", sagt Broser - "meine große Angst gilt Blitz und Feuer. Dann wäre wirklich alles futsch." Denn: eine Versicherung leistet sich der Buchbacher nicht: "Die würde alle Dimensionen sprengen."

Sein neuestes Schmuckstück: Ein kleiner Lanz. 16 PS-stark "und momentan halb entkleidet", sagt der Besitzer, als er die Werkstatt aufschließt. Völlig verrostet steht das Gefährt da: 20 Jahre hat der Lanz im Freien gestanden. Spuren hat das hinterlassen. Aber bei Broser ist er in guten Händen. Der wartet auf einen Techniker, der sich der größeren Schäden annimmt. Den Rest macht der Bulldog-PS-Sammler dann selbst.

Die meisten seiner Feunde sind vom Hobby begeistert, kommen oft vorbei, um im Stadl zu staunen. Ehefrau Maria war nicht immer begeistert von der Sammelleidenschaft: "Je nachdem, was ich da wieder heim gezerrt habe, hat sie sich schon ein bisschen geschämt", sagt Broser. Bis sie sah, was ihr Mann aus den Maschinen machte: "Und ein bisserl Geld gibt es ja auch", so der ehemalige Landwirt. Ersatzteile etwa lassen sich gut verkaufen, und auch vom einen oder anderen Bulldog musste er sich schon trennen. Denn: Auch ein Schweinestall hat kein unendliches Platzangebot.

bst/Mühldorfer Anzeiger

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