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Vorgehen vorgestellt

So will Buchbach gegen den Ärztemangel auf dem Land vorgehen

Buchbach - In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats wurde die Auswertung einer Umfrage zur hausärztlichen Versorgung vorgestellt und das weitere Vorgehen zu deren weiteren Sicherung besprochen.

Bereits im September 2017 war das Thema auf einer Bürgermeister-Versammlung in Oberbergkirchen angesprochen worden. Dr. Karl Dürner, Bürgermeister der Gemeinde Schwindegg, plädierte damals vehement für eine langfristige Sicherung der ärztlichen Versorgung in der ländlichen Region. Dass der Ärztemangel auf dem Land eine große Problematik darstellt, erlebe er tagtäglich in seiner Praxis für Allgemeinmedizin in Schwindegg.

Landkreis will gegen Unterversorgung vorgehen

Der Landkreis Mühldorf ist bei der Versorgung durch Hausärzte nicht mehr weit unter der sogenannten Verhältniszahl. Zum Stichtag 31. Dezember 2017 waren es 1519 Einwohner je Arzt, die Verhältniszahl beträgt 1627 Einwohner je Arzt. Ist das tatsächliche Verhältnis von Einwohnern je Fach­arzt niedriger als die Verhältniszahl beziehungsweise die modifizierte Verhältniszahl, so liegt im jeweiligen Planungsbereich ein Versor­gungsgrad von über 100 Prozent vor. Liegt das Verhältnis höher, so ist ein Versorgungsgrad von unter 100 Prozent gegeben", so das Gesundheitsministerium. 

"Unterversorgung liegt bei Fachärzten in der Regel vor, wenn das tatsäch­liche Einwohner-­Arzt-­Verhältnis in einem Planungsbereich die modifizierte Verhältniszahl um mehr als 50 Prozent unterschreitet

– der Versorgungsgrad also niedriger als 50 Prozent ist."

Der Landkreis Mühldorf hatte auch bereits eine Bestands- und Bedarfsanalyse in Auftrag gegeben, um für die Gemeinden Buchbach und Schwindegg eine Lösung für die sich abzeichnende Unterversorgung mit Hausärzten zu finden, wie der Mühldorfer Anzeiger berichtet. Eine Option wäre dabei ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) mit Sitz in Schwindegg, so die Zeitung. Doch einige Buchbacher Gemeinderäte befürchten negative Folgen für ihre Gemeinde, so der Anzeiger. 

Das Ergebnis der Umfrage:

Die Ergebnisse der Umfrage zur hausärztlichen Versorgung

 © Gemeinde Buchbach
 © Gemeinde Buchbach
 © Gemeinde Buchbach
 © Gemeinde Buchbach
 © Gemeinde Buchbach
 © Gemeinde Buchbach
 © Gemeinde Buchbach
 © Gemeinde Buchbach
 © Gemeinde Buchbach
 © Gemeinde Buchbach

Gemeinde befragte Bürger

Die Gemeinde hatte dazu eine Befragung durchgeführt, deren Ergebnis auf der jüngsten Gemeinderatssitzung vorgestellt wurde:

  • Es waren 1304 Fragebögen versandt worden, wovon 412, also 31,60 Prozent, wieder zurückkamen.
  • 84,16 Prozent der Befragten sind Patienten einer Buchbacher Praxis, 10,13 Prozent bei einer auswärtigen Praxis. 18.20 Prozent machten keine Angabe. 
  • Mit 98,30 Prozent gab eine überwältigende Mehrheit der Befragten an, dass ihnen die Aufrechterhaltung einer hausärztlichen Versorgung in Buchbach sehr wichtig sei. 1,21 Prozent gaben ihr Bedürfnis mit "weniger wichtig" an und nur 0,49 Prozent mit "nicht wichtig". 
  • Kritisch dagegen wurde die teilweise Verlagerung der hausärztlichen Versorgung in ein MVZ nach Schwindegg gesehen. Nur 13,83 Prozent fanden das gut. Dagegen 82,28 Prozent gaben "finde ich schlecht" an. 2,67 Prozent gaben "mir egal" und 1,21 Prozent machten keine Angabe.
  • Das Modell eines MVZ in Schwindegg mit einer Filialpraxis mit einem Arzt in Buchbach dagegen bewerteten 29,85 Prozent als "gut", 25,97 Prozent als "mittelmäßig", 41,50 Prozent als "schlecht" und 2,67 Prozent machten keine Angabe.
  • 33,98 Prozent gaben an, dass ein Arzt im MVZ in Schwindegg für sie problemlos erreichbar wäre. 36,89 Prozent gaben an, es wäre für sie "eher schwierig", 28,64 Prozent, es wäre für sie "sehr schwierig". 0,49 Prozent machten keine Angabe.
  • Wiederum eine überwältigende Mehrheit, 96,12 Prozent, gaben an, für sie sei der Fortbestand der Apotheke in Buchbach "sehr wichtig". Nur 3,16 Prozent bezeichneten ihn als "weniger wichtig" und nur 0,73 Prozent als "nicht wichtig".
  • 79,94 Prozent sprachen sich gegen eine finanzielle Unterstützung eines MVZ in Schwindegg durch Buchbach aus. Nur 19,17 Prozent waren dafür, 3,88 Prozent machten keine Angabe. 
  • Dagegen 83,25 Prozent waren dafür, dass der Markt Buchbach den Bau eines Ärztehauses verbunden mit altersgerechten Wohnungen initiieren und unterstützen soll. Nur 14,32 Prozent waren dagegen, 2,43 Prozent machten keine Angabe. 

Drei Module geplant

Das weitere Vorgehen soll in drei Modulen erfolgen, die ebenfalls im Gemeinderat vorgestellt wurden. 

Das erste Modul soll zunächst die Grundlagen klären. Dazu sollen die tatsächlichen Gegebenheiten und Planungen in persönlichen Einzelgesprächen mit allen Beteiligten aus Buchbach und Schwindegg einschließlich der MVZ gGmbH Kreiskrankenhaus Mühldorf ermittelt werden. Es sollen ausgewählte unternehmerisch tätige Hausärzte aus dem weiteren Umkreis und auch aus den Landkreisen Erding und Landshut mit eingebunden werden. 

Dabei sollen drei Modelle einschließlich einer Abschätzung der verbundenen Chancen und Risiken herausgearbeitet werden:

  1. Der Ausbau der Praxis Dr. Wolf zu einer großen Mehrbehandlerpraxis mit angestellten Ärzten und gegebenenfalls drei Arztsitzen.
  2. Der Aufbau einer dauerhaft mit ein oder zwei Hausärzten besetzten Filialpraxis eines ortsfremden Unternehmerarztes, entweder im Zusammenspiel mit Dr. Wolf oder parallel.
  3. Den Aufbau eines weiteren MVZ-Standortes der MVZ gGmbH de Kreiskrankenhauses Mühldorf am Inn.

Die Modelle sollen voraussichtlich am 26. März dann noch einmal vorgestellt werden. Danach soll das weitere Vorgehen beschlossen, Rückkopplung mit den relevanten Gesprächspartnern geführt und die Umsetzung begonnen werden.

Umfangreiche Initiative zur Suche nach Nachwuchsarzt

Das zweite Modul soll dann die Ansprache zur Gewinnung eines Nachwuchsarztes beinhalten. Dazu sollen direkte Einzelansprachen von Ärzten in Weiterbildung in Praxen und im stationären Bereich erfolgen. Daneben soll es, unter anderem Inserate, eine Auswertung von Praxisbörsen und den Aufbau und Betrieb einer Homepage, welche den Standort bewirbt aber auch Aufbau und Pflege von Social Media-Profilen geben. 

Im abschließenden dritten Modul sollen telefonische und persönliche Termine mit Interessenten, gegebenenfalls zusammen mit den Auftraggebern, mit fünf bis sechs Kandidaten stattfinden. Dem soll eine Abstimmung und die Ausgestaltung und der Abschluss von Vorverträgen mit erfolgreich angesprochenen Nachrücker-Ärzten erfolgen. 

Auch Griesstätt im Nachbarlandkreis Rosenheim hatte es schon mit einem Ärztezentrum versucht. Dort gab es allerdings Startschwierigkeiten, anfangs fanden sich keine Bewerber und Praxisräume standen leer. 

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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