LTE bringt schnelles Internet

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Umfassende Informationen zum Thema Breitband gab es bei der Versammlung im große Sitzungssaal des Landratsamtes. LTE sei derzeit die einzige Alternative, um auch schwer zugängliche ländliche Regionen mit schnellem Internet zu versorgen, betonte auch Mario Jaritz von der Telekom (am Rednerpult).

Mühldorf - Überall schnelles Internet: Bis Ende des Jahres sollen die weißen Flecken auf der Breitbandkarte in Bayern verschwunden sein. Auch Mühldorf soll davon profitieren.

Die Brückentechnologie LTE nutzt freigewordene Rundfunkfrequenzen, um mindestens ein Megabit pro Sekunde sicherzustellen. Ganz Bayern via Glasfaser mit schnellem Internet zu versorgen bleibt wohl Utopie, weil die Technologie für viele Kommunen nicht bezahlbar ist. Das wurde bei einer Expertenrunde im Mühldorfer Landratsamt deutlich. Dennoch mahnte Bernhard Amler von der Regierung von Oberabayern an, Investitionen gründlich zu überlegen. Die Förderung durch die Regierung sei nächstes Jahr zu Ende.

Die Alternative: LTE, oder "Long Term Evolution": "Für den Flächenstaat Bayern ein Weg zur kostengünstigen Grunderschließung", sprach sich auch Regierungspräsident Christoph Hillenbrand für diese Technologie aus. Ziel seien ein Megabit pro Sekunde, möglichst noch bis Ende dieses Jahres. Bis 2014 sollten 75 Prozent der Haushalte mit 50 Megabit surfen können. Hillenbrand wünschte sich allerdings Bandbreiten von sechs bis 20 Megabit pro Sekunde, damit auch Firmen und Betriebe vernünftig arbeiten könnten. Hybridlösungen - also Glasfaser in Kombination mit LTE - seien gefragt.

Wie Roland Zeltner von der Breitbandberatung Bayern betonte, hätten Smartphone oder Laptop Hochkonjunktur, immer mehr wollen mobile Anwendungen "und die wird nie durch die Glasfaser ersetzt". Das sei ein Grund, weshalb bereits mit Glasfaser erschlossene Bereiche zusätzlich LTE erhielten.

Zwischen 50 und 150 Megabit pro Sekunde und Zelle seien über LTE jetzt schon möglich. Es handele sich jedoch um ein Shared-Media, das heißt: Je mehr Nutzer, umso kleiner wird die Bandbreite. Bis zu zwei Megabit pro Sekunde sollten aber garantiert sein.

Details zur LTE-Technik lieferte Mario Jaritz von der Deutschen Telekom. LTE sei durch die mit DSL vergleichbare Datenraten "eine echte Alternative zum drahtgebundenen Internetzugang" und befriedige den enormen Hunger nach Breitband - vor allem im mobilen Sektor. Der Wettbewerb verschiedener Anbieter sorge für große Bandbreiten, weil mehrere Frequenzbereiche genutzt würden.

Jaritz gab den Störungseffekt bei der Nutzung von Funkmikrofonen gegenüber dem LTE-Netz zu, den Schwarzen Peter aber schob er an die Regulierungsbehörde weiter, die Bundesnetzagentur habe das Problem der Frequenzüberlagerung zu lösen.

"Die Gigabit-Gesellschaft ist fast nicht mehr bedienbar", sagte Norbert Kreyer, verantwortlich bei der Telekom für Entwicklungsstudien im Glasfaserausbau. "Es geht nur über die Glasfaser - alles andere ist nicht zukunftsträchtig", blickte er in die Zukunft. Bereits 2020 werde der Bedarf pro Haushalt bei 200 Megabit liegen. 3-D-Fernsehen und holografische Fernsehen sei nur mit Glasfaserleitungen sinnvoll. Aber: Wer das nutzen wolle, müsse auch sein Eigenheim entsprechend mit Glasfaser verkabeln. "Eine Gemeinde, die heute 100000 Euro in die Glasfaser investiert, kann über Jahrzehnte hinaus versorgt sein." Dass die Telekom nicht automatisch überall hin Glasfaser verlegen könne habe betriebswirtschaftliche Gründe. "40000 Euro für 25 Kunden - das ist nicht wirtschaftlich", nicht für die Telekom und auch nicht für den Kunden, auf den die Kosten umgelegt würden.

Für die nächsten zehn bis 20 Jahre sei LTE eine gute technologische Alternative, die schon jetzt verfügbar sei, versicherte Martin Marks von Vodafone. Sechs Megabit maß er an seinem Modem im großen Sitzungssaal des Landratsamtes, gefunkt aus Niedertaufkirchen. "Die Reichweite ist damit weitaus höher als wir uns vorgenommen haben". LTE sei schnell verfügbar und auch für private Haushalte ein probates Mittel; eine flächendeckende Versorgung im zweistelligen Bitbereich stellte er noch dieses Jahr in Aussicht. Doch entbinde LTE "nicht von der Verantwortung, Maßnahmen für große Gewerbegebiete zu ergreifen", in Zeiten, in denen Grundstückpreise auch vom Internetanschluss abhängig seien.

je/Mühldorfer Anzeiger

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