Biostrom von heimischen Tüftlern

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Findige Tüftler: (von links) August Obermeier und Lorenz Widmann.

Schwindegg - Wie speichert man besonders effektiv Strom? Dieser Frage gingen August Obermeier und Lorenz Widmann nun nach. Jetzt haben sie offenbar eine Lösung gefunden.

Schwindegg - August Obermeier und Lorenz Widmann haben zwei Dinge gemeinsam: Sie sind akribische Entwickler und Energiebündel. Der Schwindegger August Obermeier ist Müllermeister, Mühlenbaumeister und Maschinenbaumeister, der sich zur "Entspannung" auch noch um die elterliche Landwirtschaft kümmert; und das mit Leib und Seele. Hauptrichtung seines Betriebes sind der Anlagenbau und die Verfahrenstechnik. Dabei kommt er auch immer wieder mit Biogasanlagen in Kontakt und machte die Erfahrung, dass es hier deutliche Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Er wird immer dann gerufen, wenn es nicht weiter geht und ist inzwischen zu einem Geheimtipp bei vielen Betreibern geworden.

Obermeier konstruierte unter anderem spezielle Malzanlagen für kleine, regionale Brauereien, die weltweit im Einsatz sind. In diesem Zusammenhang lernte er den "praktischen Biologen", den Braumeister Lorenz Widmann aus Neumarkt in der Oberpfalz kennen. Zusammen haben sie jetzt über fast zwei Jahre Verfahren durchdacht, Versuchsanlagen gebaut, erprobt, dokumentiert und weiter verbessert. Ihr Leitsatz war und ist dabei stets "Natur kapieren, Natur kopieren".

Ein Ergebnis ihrer Arbeit ist eine Biogasanlage, die das Zeug dazu hat, die Energiewende besser und schneller zu unterstützen, als die bestehenden Techniken. So hat diese Anlage einen Gesamtwirkungsgrad von rund 80 Prozent und liefert einen Methangehalt von bis zu 95 Prozent. Das Methan ist der Grundstoff für die Stromgewinnung aus Biogasanlagen. Die beiden Tüftler haben ihr Konzept für fast alle organischen Massen getestet und beispielsweise der ungeliebte Grasschnitt ist bei ihrem Verfahren kein Problem. "Die Diskussion Teller oder Tank gibt es bei unserer Anlage nicht", so Lorenz Widmann.

Der Clou aber ist, dass die Anlage in kürzester Zeit Strom bereitstellen kann, aber die Methanbakterien auch schnell wieder "schlafen gelegt werden können". Darüber hinaus ist die Anlage zugleich ihr eigener Energiespeicher. Der Rohstoff kann in Tanks über sehr lange Zeit gelagert werden, ist nicht umweltschädlich, sehr nahrhaft; es ist praktisch "biologisches Heizöl" ohne Schadpotenzial. Der Reststoff ist zudem bester landwirtschaftlicher Dünger.

Damit haben Obermeier und Widmann ein neues, dezentrales Energiesystem entwickelt, das an die jeweilige Siedlungstruktur angepasst werden kann, sich am Bedarf orientiert, weder Geruchsbelästigung noch ein Gefahrenpotenzial darstellt. Hier hat der Freistaat Bayern die Möglichkeit, heimische Ressourcen zu nutzen und seinem Ziel einen Schritt näher zu kommen, in zehn Jahren die Stromversorgung zu 50 Prozent aus erneuerbaren Energien zu decken.

Neuestes Ziel: Die beiden Anlagenbauer überlegen einen Antrag auf Förderung beim Bayerischen Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten zu stellen, damit eine wissenschaftliche Begleitforschung auf den Weg gebracht werden kann.

hsc/Mühldorfer Anzeiger

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