Bildungs- und Teilhabepaket stark gefragt

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20 Minuten: Länger dauert es nicht, die zwei Seiten des Antrags auf das Bildungspaket auszufüllen.

Mühldorf - Im Volksmund heißen sie Bildungsgutscheine, im Landratsamt spricht man von der Umsetzung des Bildungs- und Teilhabepakets. Etliche Anfragen dafür liegen bereits vor.

"Der Großteil betrifft die Verpflegung im Rahmen der Mittagsbetreuung", sagt Sachbearbeiterin Marion Scheuerer. "Kein Wunder, mit drei bis vier Euro pro Tag fallen da auch die meisten Kosten an." Nun müssen in den nächsten Wochen Vereinbarungen mit den Cateringfirmen getroffen werden, die die Schulen beliefern. "Informationsschreiben an die Kommunen als Träger haben wir bereits verschickt", erklärt Claudia Holzner, Leiterin des Amts für Jugend, Familie, Soziales und Gesundheit.

Dagegen sind Briefe an die Eltern, die für das Bildungspaket in Frage kommen, zunächst nicht geplant. "Wir setzen auf den Kontakt vor Ort, wollen das Personal in Schulen, Kindergärten oder Vereinen für das Angebot sensibilisieren", sagt Holzner, die darin auch eine große Chance sieht. "So haben wir die Möglichkeit mit den Eltern ins Gespräch zu kommen. Das ist in meinen Augen auch viel mehr wert als nach dem Gießkannenprinzip ein paar Euro an die bedürftigen Familien auszuschütten." Deshalb ist das Bildungspaket ihrer Meinung nach auch der "richtige Schritt um mehr Bewusstsein für Bildung zu schaffen".

Im Paket enthalten ist noch wesentlich mehr als die Kostenübernahme für das Mittagessen in Kindertagesstätte, Schule oder Hort. Monatlich zehn Euro gibt es beispielsweise als Zuschuss in Sachen Kultur, Sport oder Freizeit, auch "wenn natürlich klar ist, dass sich damit keine Klavierstunde bezahlen lässt", sagt Scheuerer. Dazu kommen 100 Euro für Schulbedarf, die Übernahme der Kosten einer Klassenfahrt sowie der Buskosten eines Schülers ab der zehnten Klasse.

Am Beispiel der Lernförderung lässt sich gut ablesen, welche Fragen sich für die Sachbearbeiter in den nächsten Monaten stellen werden: Ab wann benötigt ein Schüler Nachhilfeunterricht? Und wer darf ihn abrechnen? Ausschließlich Lehrer? Oder kommen auch leistungsstarke Schüler höherer Klassen in Frage? "Da gibt es noch einigen Klärungsbedarf", weiß auch Marion Scheuerer. Immerhin eine Antwort ist aus Berlin schon eingetroffen: Anspruch auf die Kostenübernahme der Nachhilfe haben nur Schüler mit einer Fünf im Zeugnis.

Dennoch wird es laut Holzner noch "mindestens vier Wochen" dauern, ehe die ersten Leistungen abgerechnet werden können. "Es geht aber mit Sicherheit niemandem etwas verloren", verspricht Scheuerer. Schließlich gilt das Bildungspaket rückwirkend ab 1. Januar. "Auch Leistungen, die bereits in Anspruch genommen wurden, können erstattet werden."

Gerade einmal zwei Seiten ist der "Antrag auf Leistungen für Bildung und Teilhabe" lang - und doch ist der bürokratische Aufwand enorm. Nicht für die Antragsteller, sondern für die Mitarbeiter des Landratsamtes, die sich um die Verteilung der Mittel kümmern.

Dafür wurden nun die Voraussetzung geschaffen. In der Trägerversammlung hat sich das Landratsamt die Zuständigkeit von den Jobcentern rückübertragen lassen. "Die Entscheidung fiel einstimmig", erklärt Claudia Holzner, Leiterin des Amts für Jugend, Familie, Soziales und Gesundheit. In ihrer Abteilung laufen nun die Fäden in Sachen Bildungspaket zusammen.

Bis die theoretischen Vorgaben des Gesetzgebers auch praktisch umgesetzt werden können, steht Marion Scheuerer noch vor einer ganz anderen Herausforderung: "Wir brauchen dringend einen zusätzlichen Mitarbeiter. Und ein passendes EDV-Programm."

Weitere Informationen zum Bildungspaket gibt es bei Marion Scheuerer unter Telefon 08631 / 699347 oder unter www.bildungspaket.bmas.de

ha/Mühldorfer Anzeiger

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