Besser angebunden in Cleveland

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Die Doppeleinfahrt vom vergangenen Samstag zeigt das Problem: Güterzüge und Personenzüge müssen sich die eingleisige Strecke teilen. Das stellt Pendler, vor allem aber die chemische Industrie, vor existenzielle Probleme.

Mühldorf/München/Cleveland - Der Druck auf Bahn und Verkehrsministerium bleibt trotz der feierlichen Eröffnung des Doppelspurabschnitts zwischen Mühldorf und Ampfing hoch.

Das zeigt eine Standortentscheidung des Wackerkonzerns.

Zwei Tage vor dem Festakt am Bahnhof Mühldorf hat Wacker den Bau eines Werks zur Produktion von Polycilicium in der Nähe der amerikanischen Stadt Cleveland bekannt gegeben. Das Münchner Unternehmen, das derzeit nur in Burghausen Polycilicium produziert, will dort 1,1 Milliarden Euro investieren und 650 neue Arbeitsplätze schaffen.

Als Grund für die Investition gibt das Unternehmen auf seiner Internetseite unter anderem die sehr gute Verkehrsanbindung an. "Ausschlaggebend für die Standortwahl waren zum einen die guten infrastrukturellen Voraussetzungen sowie die kostengünstige Energieversorgung. Das mit dem Aufbau des Standorts verbundene Förderpaktet umfasst unter anderem die Bereitstellung der notwendigen Verkehrsanbindungen und die gesicherte Versorgung mit Wasser und Elektrizität."

Unternehmenssprecher Christof Bachmair erklärte auf Nachfrage, der Aufbau der Anlage in den USA habe keine Auswirkungen auf den Standort Burghausen. Es gehe um Expansion und nicht um Verlagerung von Produktionskapazität. Wacker rechnet mit starkem Wachstum im Bereich von polykristallinem Reinstsilicium, das unter anderem für den Bau von Fotovoltaikanlagen benutzt wird.

Derzeit stellt Wacker Polycilicium lediglich in Burghausen her, dort soll auch künftig die größte Produktionsanlage stehen. Ende 2011 geht außerdem ein Werk in Münchritz in Sachsen in Betrieb, 2013 die Anlage in Cleveland.

Die Entscheidungen für Münchritz und Cleveland sind nach Angaben von Sprecher Bachmair allein der Expansion geschuldet. Zugleich wiederholte Bachmair die Aussage, dass "mittelfristig bei künftigen Investitionsentscheidungen" auch die Verkehrsanbindung eine Rolle spielen wird. "Wir haben in den letzten Jahren und Monaten stets darauf hingewiesen, dass die Verkehrsanbindung in Burghausen völlig unzureichend ist."

Verkehrsminister Peter Ramsauer betonte während der Einweihung des Doppelspurabschnitts am Samstag, dass er die Sorgen der Industrie sehr ernst nehme. Er sagte die Finanzierung des Ausbaus bis Tüßling zu, sobald Baurecht bestehe; damit rechnet Ramsauer 2013. Zugleich wies er Berichte zurück, er habe die Aussage der Wackerchemie, Produktionskapazitäten mittelfristig zu verlagern, als Kettenrasseln bezeichnet. Im Gegenteil, betonte Ramsauer: "Damit sich die Unternehmen weiter so gut entwickeln wie bisher, unterstützen wir den Ausbau der Bahnanbindung." Ramsauer steht im Wort: Am Samstag wiederholte er seine Ankündigung, eine Vereinbarung zur Finanzierung zu unterschreiben, sobald Baurecht besteht.

hon

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