Ines Papert spricht im Stadtsaal über ihre Empfindungen und Erinnerungen beim Klettern

Die Berge sind ihr Glück

+
Zu den besten Eiskletterinnen zählt Ines Papert. Bei ihrer Multivisionsshow "Forever" im Stadtsaal zeigte sie Bilder von Touren und Expeditionen in Kanada und Nepal, die ihr immer in Erinnerung bleiben werden.

Mühldorf - Was braucht es zum Glück? Partnerschaft, Gesundheit oder Karriere? Für Ines Papert braucht es nur wenig, um glücklich zu sein: die Welt der Berge.

Auf den Gipfeln erfährt sie immer wieder aufs Neue dieses Gefühl, nach Expeditionen in entlegene Gebiete spürt sie, wie gut es einem geht. In ihrem Multivisionsvortrag "Forever" im Stadtsaal hat sie am Donnerstag über ihre Empfindungen und Erinnerungen gesprochen, die sie ein Leben lang mit sich tragen wird.

Ines Papert zählt zu den besten Eiskletterinnen der Welt, ist vierfache Weltmeisterin und zweifache Gesamtweltcupsiegerin im Eisklettern. Senkrechte Eiswände mögen auf den Durchschnittskletterer abschreckend wirken, für Ines Papert hingegen wirken sie einladend. Nur als kleiner Punkt ist sie aus der Ferne in einer Felswand auszumachen, die Schwierigkeit erkennt sie in diesen Momenten nicht. Sie kennt nur den Blick nach oben. "Die Berge ziehen mich wie ein Magnet nach oben", sagt sie. Und so schwer die Tour auch ist, im Gepäck ist immer die kleine Espressokanne.

Ihr Glück hat Ines Papert in den Bergen gefunden.

In ihrem Vortrag gewährt sie Einblick in ihr Privatleben, in die intensive Beziehung zu ihrem zehnjährigen Sohn Emanuel. "Meine Stärke sind die schweren Aufstiege, schnelle Abstiege sind seine Sache", ein Video zeigt ihren Sohn beim Mountainbiken.

Im Gespräch mit dem Mühldorfer Anzeiger spricht sie über ihre Rolle als Profikletterin und Mutter.

Sie werden oft als beste Eiskletterin der Welt bezeichnet. Ist dieser Titel eine Last?

Ines Papert: Ich würde mich nicht als die Beste bezeichnen. Ich kenne viele andere Frauen, die auch sehr gut klettern. Dieser Titel hängt wohl mehr mit meinen Wettkampftiteln und den vielen Erstbegehungen zusammen.

In erster Linie dominieren Männer den Bergsport. Stehen Sie als Frau trotz ihrer Leistungen in deren Schatten?

Ines Papert: Sicherlich muss man sich als Frau mehr beweisen, zum Beispiel mit höheren Schwierigkeitsgraden, gerade in den Anfängen. Als Frau und Mutter ist man nicht so viel auf Expeditionen unterwegs, wie dies Männer leisten können. Das geht allein wegen meines Sohns nicht. Aber ich will mich ohnehin nicht mit anderen messen.

Wie wichtig sind Ihnen Erfolge beim Klettern?

Ines Papert: Es hat schon seinen Reiz, die Erste zu sein, was Neues zu sehen. Etwas zu machen, was zuvor noch keiner geschafft hat. Aber ich sehe das nicht als Wettkampf, sondern als Herausforderung. Es ist ein Kitzel, eine Tour zu schaffen, von der man vorab keinerlei Informationen hat, wo noch keiner seinen Fuß gesetzt hat.

Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Sport und Familie?

Ines Papert: Mein Sohn Emanuel ist damit aufgewachsen, dass ich immer wieder weg bin. In diesem Fall hilft die Familie und die Oma passt auf. Ich brauche die Berge für mein Glück und daher muss ich immer wieder raus. Um so intensiver ist die Beziehung zu Emanuel, wenn ich daheim bin.

Wie oft sind Sie im Jahr auf Kletterexpedition unterwegs?

Ines Papert: Eine größere Expedition wie zum Beispiel vor kurzem nach Kirgistan erstreckt sich über fünf Wochen und dann kommen noch kleinere wie nach Schottland oder Kanada hinzu. Die dauern zwei Wochen.

Klettert Ihr Sohn auch?

Ines Papert: Ja, aber er trainiert nicht dafür. Er ist der bessere Skifahrer und ziemlich ehrgeizig. Aber ich übe in der Hinsicht keinen Druck auf ihn aus. In seiner Freizeit ist er selbst viel draußen unterwegs, dafür braucht er keinen Computer oder Fernseher.

Wie lässt sich als Profikletterin Geld verdienen?

Ines Papert: Ich habe mehrere Standbeine. Zum einen habe ich mehrere Sponsoren. Außerdem verdiene ich durch den Verkauf von Filmen und Büchern und mit meinen Vorträgen.

Sind Sie mit einer Expedition jemals gescheitert?

Ines Papert: Erst vor kurzem bin ich aus Kirgistan zurückgekehrt. 200 Meter unterhalb des Gipfels mussten wir aufgrund Neuschnees und Lawinengefahr abbrechen. Für mich ist es schwer, dies zu akzeptieren. Deshalb ist eins sicher: Ich werde nächstes Jahr wieder dorthin fahren.

hi/Mühldorfer-Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser