Bade-Stopp in der Lagune

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Gestern gab die Gemeinde Ampfing eine Badewarnung für die Grüne Lagune heraus. Wer sich vom Sprung ins kühle Nass dennoch nicht abhalten lassen will, sollte ein paar Sicherheitshinweise beachten. Einer davon: gut eincremen!

Ampfing - Die Gemeinde Ampfing empfiehlt, das Baden in der Grünen Lagune in den kommenden Tagen zu unterlassen. Grund sind sogenannte Zerkarien, die Badegäste befallen und Hautreizungen hervorrufen können.

Anlass für das Einschreiten der Gemeinde sind laut Verwaltungschef Hans Leitner die in den vergangenen Tagen vermehrt auftretenden Klagen von Badegästen über Hautrötungen und Juckreiz. "Wir haben derzeit eine Situation, wie wir sie noch nie hatten", bekennt Leitner, und gibt zu: "Wir haben keine Erklärung, warum das Problem heuer so massiv ist."

Das Problem, das viele Naturseen Bayerns - der größte darunter der Bodensee - derzeit plagt, sind Zerkarien, die bei Schwimmern die sogenannte Badedermatitis hervorrufen können. Die Krankheit ist für den Menschen nicht gefährlich, ähnlich wie ein Mückenstich allenfalls lästig. Juckreiz, Hautrötungen oder Pustelbildung sind die extremsten Reaktionen des menschlichen Körpers auf die Berührung mit der zirka einen Millimeter langen Zerkarie.

Ausgangspunkt des Problems ist nicht die Wassergüte der Grünen Lagune, im Gegenteil: "Erst am Dienstag haben wir wieder einen Befund vom Gesundheitsamt bekommen, der sagt, dass das Waser absolut sauber ist", erklärt Leitner. Zudem fühlen sich die winzigen Lebewesen in sauberen Gewässern umso wohler. "Das ist paradox, je sauberer das Wasser, desto besser entwickeln sie sich."

Der "natürliche Feind" der Grünen Lagune ist in den Augen Leitners und aller bislang befragten Experten vielmehr die Ente. Die Wasservögel, die es in und um das Naturbad in großer Zahl gibt, sind nämlich mit Würmern infirziert. Die Eier der Würmer scheidet die Ente im Wasser aus. Die Eier werden zu Larven und suchen sich im Wasser einen sogenannten Zwischenwirt. In der Lagune sind dies die Wasserschnecken. Nach ein paar Wochen verlassen die Larven die Schnecken, nun haben sie sich zu Zerkarien entwickelt. Und die Zerkarien schließlich suchen sich erneut einen Wirt, im Normalfall wieder die Ente, in deren Darm sie sich vermehren könnten und der Kreislauf sich fortsetzen würde.

In einem Badesee unterläuft den Parasiten jedoch ein großer Fehler: Sie verwechseln den Endwirt Ente mit dem Menschen. Die Zerkarien durchbohren die menschliche Haut, das Immunsystem wehrt sich und tötet den Eindringling. Der Mensch bemerkt den Vorgang nur, weil an der betroffenen Hautstelle eine Rötung entsteht.

Vor allem die hohen Temperaturen dürften das Problem in den vergangenen Tagen verschärft haben, die Larven werden erst ab Temperaturen ab 24 Grad freigesetzt. Dennoch ist man in Ampfing derzeit ratlos, warum das Problem in dem mittlerweile acht Jahre alten Bad so gehäuft auftritt.

"Wir beschäftigen seit mehreren Wochen einen Fischereibiologen, der sich der Sache annehmen soll", erklärt Leitner. Allerdings könne in Ampfing nicht mit Chemikalien gearbeitet werden: "Das ist der Preis der ökologie, wir werden deswegen sicher kein Freibad." Den Zerkarienwirt Ente mithilfe von Jägern loszuwerden, möchte Leitner ebenfalls noch nicht ernsthaft in Betracht ziehen. "Wir verfolgen bislang die Softstrategie."

Ein Teil dieser Strategie ist es, die Wasservögel von der Grünen Lagune fernzuhalten. Solange jedoch unvernünftige Gäste die Enten immer wieder fütterten, würden die Tiere eher angelockt anstatt verscheucht.

Wer angesichts des Sommerwetters dennoch nicht auf den Sprung ins kühle Nass verzichten will, sollte einige Hinweise beachten: Die Badenden sollten schnell die flache und wasserpflanzenreiche Uferzone verlassen und in das tiefere Gewässer schwimmen. Nach dem Schwimmen gehört das Wechseln der Badekleidung und das gründliche Abtrocknen der Haut zur Prophylaxe. Wasserfeste Sonnencremes oder die eigens für die Badedermatitis entwickelten Schutzcremes - Mixturen aus Sonnenschutz und Anti-Wurm-Mitteln - sollen die winzigen Tierchen ebenfalls abhalten.

Wie lange die Badewarnung noch aufrechterhalten wird, kann Leitner noch nicht sagen. Er hofft, dass sich im Zuge der Abkühlung in den kommenden Tagen das Problem von selbst lösen wird. Für die kommende Saison laufen bereits die überlegungen, wie den Parasiten an den Kragen gegangen werden kann. Leitner: "Wir haben Ansätze, aber das geht nicht wie bei der Chemie von heute auf morgen."

zip/Mühldorfer Anzeiger

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