Babyboom sieht anders aus

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Mühldorf liegt im Bayern-Trend: Wie im Freistaat sind auch im Landkreis Mühldorf die Geburtenzahlen rückläufig - um 0,3 beziehunsgweise 0,5 Prozent.

Mühldorf - Da bringen 2500 Euro bar auf die Hand zwar massenweise Frauen dazu, geliebte Kleinwagen zu verschrotten. Aber der Gegenwert eines nagelneuen Kleinwagens bringt die gleichen Frauen nicht dazu, öfter oder überhaupt schwanger zu werden.

Die Geburtenzahl im Landkreis Mühldorf lag 2008 jedenfalls bei 877 und damit um exakt 3 Kinder unter der Geburtenzahl von 2007. Macht ein Minus von 0,3 Prozent. Ein Babyboom sieht anders aus. Und das Elterngeld hat seine Tücken: An die maximal möglichen rund 25000 Euro kommt nämlich nur, wer gut verdient und richtig plant.

Noch im Februar hatte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen freudig einen Anstieg der Geburten verkündet. Zu voreilig, denn nach leicht steigenden Geburtenzahlen im ersten Dreivierteljahr 2008, blieb es im vierten Quartal 2008 in den Kreißsälen besonders ruhig. Am Ende waren es rund 675000 Kinder, die vergangenes Jahr zur Welt kamen - soweit die bislang vorliegende Zahl des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden. Das sind rund 1,1 Prozent weniger Kinder als 2007 mit etwa 683000 Neugeborenen.

Bayernweit schrumpfte die Geburtenzahl ebenfalls leicht um 0,5 Prozent auf insgesamt 106298 Neugeborene. 877 dieser Babys kamen aus dem Landkreis Mühldorf und damit lag dort die Geburtenzahl um exakt drei unter der Zahl von 2007.

Die Geburtenziffer blieb nach Berechnungen des Bayerischen Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung unverändert bei 1,35 Kindern je Frau. Die Geburtenziffer gibt an, wie viele Kinder eine Frau im Laufe ihres Lebens bekommen würde, wenn ihr Gebärverhalten so wäre, wie das aller Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren im betrachteten Kalenderjahr. Sie gilt als Indikator für die durchschnittliche Kinderzahl je Frau und wird zu Beschreibung des aktuellen Geburtengeschehens herangezogen. Eine Geburtenziffer von etwa 1,4 Kindern pro Frau bedeutet, dass jede Elterngeneration nur zu rund zwei Drittel durch Kinder ersetzt wird. Wenn immer weniger Frauen im gebährfähigen Alter immer weniger Kinder bekommen, trägt dies entscheidend zur beschleunigten Alterung der Bevölkerung bei.

Nichts war's also mit dem Babyboom, zu dem das Erziehungsgeld locken soll. Aber da gibt's feine Unterschiede. Denn nicht alle Menschen sind vor dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) gleich und ein Baby hat deswegen heutzutage auch ganz unterschiedlichen Geldeswert, je nach Gehaltsklasse der Eltern. Die Regel heißt: Wer gut verdient, bekommt am meisten. Das Maximum beim Elterngeld sind im Moment monatlich 1800 Euro für die Dauer von zwölf Monaten beziehungsweise 14 Monate (wenn etwa die Väter zusätzlich zwei Monate in Elternzeit gehen), das Minimum liegt bei 300 Euro monatlich. Es geht also gerechnet auf die gesamte Elternzeit um Beträge zwischen 4200 Euro und 25200 Euro.

Die Bemühungen der Familienpolitik sind das eine, der Wunsch der Eltern nach einem Kind das andere. Hier im Landkreis Mühldorf haben sich die Geburtenzahlen in den vergangenen Jahren folgendermaßen entwickelt: im Jahr 2004 registrierten die Statistiker 985 Neugeborene. Ein Jahr später sank die Zahl auf 967. Im Lauf des Jahres 2006 kamen hier 902 Buben und Mädchen zur Welt, ein Jahr später waren es dann 880 und im vergangenen Jahr schrumpfte die Geburtenzahl auf 877.

zs/Mühldorfer Anzeiger

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